Monthly:März 2017

So funktioniert die Durchlässigkeit des Pferdes

„Der Reiter will mit seinen Einwirkungen durchkommen, das Pferd soll diese Einwirkungen beachten und sie durchlassen. „Durch“ heißt von hinten nach vorn genau wie von vorn nach hinten, „durch“ heißt aber auch gleichmäßig nach beiden Seiten mit seitlicher Biegung,  ohne Biegung und gegen die Biegung. Durchlässigkeit ist der Gehorsam auf unsere Hilfen.“

„Vollendete Reitkunst“ von Udo Bürger

 

Schon ein geringes Einknicken in der Hüfte – wie hier demonstriert – kann die Durchlässigkeit des Pferdes verschlechtern. Auch könnte die Längsbiegung hier etwas deutlicher heraus geritten sein. Das allerdings wird durch das Einknicken in der Hüfte erschwert.

 

Durchlässigkeit beginnt in dem Moment, wenn das junge Pferd anfängt, die Halben Paraden durchzulassen und die Hilfen anzunehmen, also ebenso durchzulassen, der Reiter zum Sitzen und zum Treiben kommt. Durchlässigkeit ist wie alles in der Ausbildung ein Prozess. Je weiter das Geraderichten beim Pferd fortschreitet, umso durchlässiger wird es, da es zu immer weniger körperlichen Widerständen aufgrund von Steifheiten, mangelnder Kraft, zu wenig Ausdauer etc. kommt. Um Durchlässigkeit zu erreichen, muss man beim jungen Pferd die Rippengeschmeidigkeit und beim weiter gerittenen Pferd die Rippenbiegung verbessern. Aus diesem Grund sollten auch die Grundlagen immer weiter verbessert und verfeinert werden. Dabei ist es egal, ob sich um ein Freizeitpferd, um ein Dressur-, Spring- oder in der Vielseitigkeit gerittenes Pferd handelt und es ist auch egal, auf welchem Ausbildungsstand sich das Pferd befindet.

In der Skala der Ausbildung wurde die Durchlässigkeit als begleitende Erscheinung dargestellt. So könnte man es anhand der grafischen Darstellungen in den Richtlinien Reiten und Fahren Band 1 ableiten. Aber ist es so gemeint? Ist Durchlässigkeit eine Begleiterscheinung oder nicht ein zentraler Punkt in der Ausbildung und das Ergebnis korrekter Ausbildungsschritte?

Da bei der Ausbildung eines Pferdes immer eines vom anderen abhängt, kann man Durchlässigkeit nicht einzeln betrachten, sondern muss sie immer in den Kontext zu den anderen Punkten der Ausbildungsskala stellen…. Durchlässigkeit geht weder ohne Losgelassenheit und auch nicht ohne das so notwendige Geraderichten. Denn ist ein Pferd beispielsweise in einer Rippenpartie nicht ausreichend geschmeidig und beispielsweise auf einer Hand fest, dann kommen unter anderem schon die Halben Paradennicht mehr durch, die über Genick, Rücken immer auch auf das Hinterbein wirken. Ein Pferd, dass beispielsweise auf einer Hand noch „schlechter“ ist als auf der anderen, wird bei Lektionen ausweichen, die beispielsweise einen gewissen Versammlungsgrad bedürfen, da ihm die Kraft vielleicht noch fehlt, es die Hinterhandgelenke nicht ausreichend beugen kann etc.. Durch dieses Ausweichen kommt das Pferd aus dem Gleichgewicht und wird sich verspannen. Wenn dieser Zustand erreicht ist, ist das Pferd nicht mehr durchlässig.

Woran liegt mangelnde Durchlässigkeit des Pferdes?

Mangelnde Durchlässigkeit kann an reiterlichen Fehlern liegen oder auch daran, dass in der Ausbildung des Pferdes wichtige Grundlagenlektionen nicht erarbeitet wurden oder das Pferd verspannt ist, Zahnprobleme oder andere Schmerzen hat.

 

Wie schafft man ein durchlässiges Pferd?

Eine Grundvoraussetzung für die Durchlässigkeit des Pferdes ist die Rückentätigkeit. Kommt der Rücken als Bewegungszentrum nicht zum Schwingen, wird also unter dem Reiter nicht hergegeben, führt auch das zu mehr oder weniger deutlichen Widerständen. Das Pferd ist dann weder durchlässig noch losgelassen. Das fühlt man als Reiter, da das Pferd das Gebiss nicht annimmt, das Hinterbein sich nicht heranschließen lässt, bei Verstärkungen auf die Vorhand kommt, gegen die Hand geht und das Pferd beim Versammeln ausweicht, sich steift oder gar unwillig oder widersetzlich reagiert. Das heißt: Bevor man mit der Versammlung eines Pferdes beginnen kann, muss – sobald der reine Gang durch Takt und Losgelassenheit erreicht ist – über eine reelle Anlehnung an der Durchlässigkeit gearbeitet werden.

Eine weitere Bedingung ist die Anlehnung. Sie muss auf beiden Händen konstant sein, denn nur dann wirkt die halbe Parade auf den gleichseitigen Hinterfuß. Das Pferd tritt mit dem Hinterfuß über den federnden oder auch hergegebenen Rücken und durch das nachgegebene Genick an den gleichseitigen Zügel heran.

Bei Anlehnungsfehlern oder zu kurzen Zügeln, wenn die Nase hinter der Senkrechten ist, kann sich der Schub aus der Hinterhand nicht mehr frei entfalten, da die natürliche Bewegung gestört wird. Solche Störungen – die auch durch grobe reiterliche Einwirkungen wie zum Beispiel eine harte Hand entstehen können – nehmen dem Pferd auch Vertrauen und Bewegungsfreude. Einige Pferde werden unsicher, andere widersetzlich.

Ist das Pferd zu eng im Hals, die Nase hinter der Senkrechten, dann geht die halbe Parade nicht durch den Körper, kann nicht durchgelassen werden, sondern bleibt quasi im Genick / Hals / Widerrist stecken. Das Pferd wird kann die Hinterhandgelenke nicht mehr richtig beugen, keine Last aufnehmen. Es wird mal mehr oder weniger mit dem Hinterbein ausweichen und aus dem Gleichgewicht kommen. Sowie das Pferd ausweicht, kann es nicht mehr versammelt werden, es wird die Hankengelenke nicht mehr korrekt beugen usw.

 

Der Sitz des Reiters als Förderer oder Hinderer der Durchlässigkeit des Pferdes


Sitz- und Einwirkungsfehler wie hier zu sehen, machen es dem Pferd unmöglich, Hilfen durchzulassen. Grobe Einwirkung führt immer zu Verspannungen – im weiteren Verlauf oft zu widersetzlichem Verhalten.

 

Durchlässigkeit kann durch einen korrekt im Schwerpunkt losgelassen in der Bewegung mitschwingender Reiter erreicht werden, dessen Hilfen und Einwirkung richtig zusammenwirken. Fehler in Sitz und Einwirkung machen es dem Pferd jedoch gleich schwerer, denn jede fehlerhafte Gewichtsverlagerung, jede fehlende oder nicht richtig gegebene Halbe Parade machen es dem Pferd unmöglich, sich ehrlich loszulassen, auch die Hilfen kommen nicht mehr durch.

Kommt der Oberkörper des Reiters hinter die Senkrechte, dann wird das Pferd mehr zum Schieben denn zum Tragen des Gewichtes veranlasst. Fällt der Reiter mit dem Oberkörper nach vorne, kann er nur verhalten einwirken und kann das Beugen der Hinterhandgelenke nicht fördern.

Beim Einknicken in der Hüfte, bei einer rückwärtswirkende Hand, wenn die Hände verdreht oder dauerhaft ungleich hoch oder zu hoch getragen werden, können die Hilfen nicht mehr durchgelassen werden. Dann wirken unter anderem auch die Halben Paraden nicht mehr bis zum jeweiligen Hinterbein und zurück. Der Reiter wirkt wie ein Bremsklotz und die Kraft/Schub aus der Hinterhand geht nicht mehr durch den Körper. Die meisten Pferde zeigen solche Störungen durch einen unwillig schlagenden Schweif, durch ein offenes Maul, durch Verwerfen im Genick, durch einen festen Rücken und durch verspannte und exaltierte Bewegungen. Ist dieser Punkt erreicht, muss auch der Reiter mehr Kraft aufwenden, um mit seinen Hilfen noch irgendwie „durchzukommen“. Nicht selten endet das in grober Einwirkung. Für das Pferd bedeutet das Vertrauensverlust, Unsicherheit, Angst. Nicht wenige Pferde werden – zurecht – widersetzlich, da sie das grobe Verhalten ihres Reiters nicht verstehen können.

 

Die Hand und die Durchlässigkeit des Pferdes


Deutlich zu hohe Hand. Das Pferd ist verspannt und kann die Hilfen nicht mehr durchlassen.

 


Deutlich vorgelassener Hals in der Lösungsphase. Das Pferd dehnt sich vertrauensvoll an die richtig stehende Hand des Reiters.

 

Wirkt die Hand des Reiters zu stark ein und beschränkt sich nicht mehr ausschließlich auf elastisches Gegenhalten mit gefühlvollen Halben Paraden am äußeren Zügel und in Verbindung mit dem immer wiederkehrenden Nachgeben der inneren Hand, dann kommt der Nasenrücken hinter die Senkrechte und das Genick ist nicht mehr der höchste Punkt. Viele Reiter halten dann noch mehr gegen und versuchen, das Pferd durch noch mehr Treiben zum Nachgeben zu veranlassen. Dann verspannt sich das Pferd noch mehr, der Takt ist nicht mehr sicher geregelt, es muss mit der Hinterhand ausweichen, kommt aus dem Gleichgewicht. Das wiederum führt zu unnatürlich gespannten Muskelgruppen und zu einem festgehaltenem Rücken…..

Wirkt der Reiter dann noch stärker mit der Hand ein, presst das Pferd mit dem Unterhals gegen seine Hand. Die Aufrichtung – dann eine absolute Aufrichtung bei zu kurzem Zügel und weggedrücktem Rücken –  hindert das Hinterbein am Vortritt. Das Pferd wird sich dann, da das nach einer gewissen Zeit vielfach schmerzhaft ist, noch weiter entziehen. Viele Pferde werden widersetzlich. Ein Teufelskreis!

 

Nur wenn Hilfen richtig und gefühlvoll zusammenwirken und wenn Sitz und Einwirkung korrekt sind, kann sich das Pferd loslassen und somit die Hilfen des Reiters durchlassen. Das gilt von vorn nach hinten genau wie von hinten nach vorn.

Mit seinem Pferd klettern gehen

Klettern ist wichtig, hält gesund, baut Muskeln auf und schafft Losgelassenheit.

 

Gerade wenn man in einer Gegend mit Bergen/Hügeln lebt, bietet es sich an! Überall Erhöhungen und Täler. Die ideale Möglichkeit, mit seinem Pferd einen Teil des Reitens zum Muskelaufbau ins Gelände zu verlegen.

Klettern ist angesagt!

Egal, wo man hinhört: alle Welt spricht vom Muskelaufbau in der Hinterhand! Und was ist mit der Vorhand? Obwohl das Pferd einen Großteil seines Gewichtes damit tragen muss, wird über den Muskelaufbau der Vorhand leider viel zu wenig gesprochen und denkt kaum einer darüber nach, wie man das in sein Reiten einbinden kann. Dabei ist er unverzichtbar, wenn man sein Pferd gesund erhalten will….

 

Vor- und Hinterhand

Die Hauptaufgaben der Vorhand liegen im Auffangen, Ausfedern, Ausbalancieren und Stützen des Körpers im Lauf und ganz besonders auch beim Landen nach dem Sprung oder beispielsweise auch beim Reiten bergauf und bergab im hügeligen Gelände. Dafür ist sie auch ausgerichtet.

Das heißt, das Pferd braucht eine an sich stabile Vorhand, damit es bei seiner Aufgabe Reitpferd gesund bleiben kann. Bei der Landung nach einem Sprung beispielsweise werden die Vorderbeine je nach Höhe des Hindernisses mit vielen 100kg je Vorderbein belastet.

Eine solche Dauerbelastung kann das Pferd nur über eine gute Muskulatur abfangen, wenn das Springen nicht zu frühzeitigem Verschleiß führen soll. Ist die Muskulatur nicht korrekt aufgebaut oder wie beim jungen Pferd noch nicht ausreichend entwickelt, dann fängt das Pferd das Gewicht zwangsläufig über die Gelenke, Bänder und Sehnen ab. Die mangelnde Muskulatur und das fehlerhafte Training sind somit logisch nachvollziehbar der Grund, warum in den Statistiken heute mehr Schäden an den Vorderbeinen als an den Hinterbeinen dokumentiert sind.

Da man sein Pferd immer als Ganzes sehen und trainieren muss, gibt es keine Übungen mit denen man nur die Vorhand stärken kann.

Die Vorhand richtig zu trainieren und für ihre Aufgaben zu stärken, kann man nur, wenn das Gesamtkonzept stimmt. Man kann jedoch sein Reiten so gestalten, dass die Vorhand bequem mit trainiert wird, ohne dass man sich über frühzeitigen Verschleiß oder ähnliches Gedanken machen muss.

„Der Gang der Vorhand entwickelt sich von selbst, wenn Rücken und Hinterhandtätigkeit sowie Halshaltung in Ordnung sind. Ist der Gang der Hinterbeine unnatürlich steif oder gestreckt, dann fällt die Körperlast vermehrt auf die Vorhand, der Gang wird stumpf, die Vorderbeine kleben am Boden und drücken nicht schwungvoll ab.“

(Udo Bürger / Otto Zietschmann „Der Reiter formt das Pferd“).

Wenn sich beispielsweise das Pferd im Rücken verspannt und da ist uns ja heute vor allem der lange Rückenmuskel ein Begriff, dann verspannt sich allerdings auch der breite Rückenmuskel der von der Lende zum Oberarm führt und damit ist der freie Vortritt des Vorderbeins beschränkt. Raumgriff adé. Der Kopf-Armmuskel, der vom Kopf über den Hals zum Oberarm geht, ist unter anderem für das Vorschwingen des Vorderbeines verantwortlich. Ist dieser aufgrund von Anlehnungsfehlern verspannt, wenn die Nase beispielsweise hinter der Senkrechten ist oder weil die Muskeln am Kopf verspannt sind, weil die Nasen- und Sperriemen zu eng verschnallt sind, der Reiter eine harte und rückwärts wirkende Hand hat oder das Pferd im Rücken fest ist, dann wird das Pferd nicht elastisch vortreten können.

Wenn man nur diese Beispiele nimmt, dann muss unser Reiten dazu geeignet sein, das Wachstum der Muskeln am Vorarm und an der Schulter zu fördern. Somit ist die Annahme, dass die Muskulatur der Hinterhand gestärkt werden muss, um die Vorhand zu entlasten wohl so nicht ganz richtig. Im Gleichgewicht und damit langfristig gesund kann man das Pferd nur dann erhalten, wenn beides gefördert wird. Der Muskelaufbau in der Vor- und in der Hinterhand!

 

An sich ist es recht einfach …

Zum einen ist es, wie in vielen Fällen der Galopp, der alle Muskeln in der richtigen Form beansprucht, wenn er denn richtig geritten wird. Hier heißt es also nicht nur versammeln, versammeln und noch mal versammeln, sondern lange Galoppstrecken im leichten Sitz bei korrekter Anlehnung. Keine kurzen Reprisen von ein bis zwei Minuten, sondern ein langer ruhiger – früher nannte man es Reisegalopp – über vier, fünf oder sechs Minuten am Stück im Gelände.

Lange Galoppstrecken im ruhigen Tempo stärken die Muskulatur der Vor- und Hinterhand.

 

Wenn man diese lange Strecken nicht zur Verfügung hat, dann hilft das Klettern. Gerade im Schritt kann man es ohne Gefahr einer Überanstrengung bergauf wie bergab reiten. Im Schritt bergauf zu klettern stärkt die Muskulatur der Vorhand und den gesamten Band-, Gelenk und Knorpelapparat. Bergab kriegen Dressurreiter noch eine verbesserte Hankenbeugung mit geliefert, denn das Pferd muss die Hinterhandgelenke je nach Neigung mehr beugen. Nebenbei lernt das Pferd noch, sich auszubalancieren.

Schon kleinere Abhänge verbessern die Hankenbeugung, wenn man sie regelmäßig in sein Training integriert.

 

Lange Schrittouren am langen Zügel mit Genickkontrolle auf unebenem Gelände stärken Vor- und Hinterhand gleichermaßen. Lockern und elastischer machen kann man die Vorhand über einfache Lektionen wie Schenkelweichen und Viereck vergrößern und verkleinern. Das kann man sogar auf fast allen Wald- und Wiesenwegen üben. Auch für Schulterherein braucht man nicht viel Platz.

 

Manchmal zeigen einfache Übungen eine große Wirkung. Viel Spaß im Busch!

Elastischer Reiter – unverspanntes Pferd!

Gymnastische Übungen machen den Reiter locker – und damit auch das Pferd. Das gilt für jung und alt J

 

Der richtige Sitz ist die Basis allen Reitens… Wer hat das nicht schon gehört?! Zum richtig-Sitzen-Können gehört dann natürlich auch der locker und unverspannte Reiter…. Wenn man älter wird, dann kommt das Zipperlein – bei Reiter und Pferd gleichermaßen. Deshalb tun wir auch wahnsinnig viel, um unsere Pferde Fit zu erhalten. Es ist uns kein Vitaminpulver zu teuer und kein Aufwand zu viel!

Und wir? Erst kommt der Osteotherapeut für das Pferd, der Sattel wird gepolstert, eine neue totschicke Schabracke gekauft und dann …. Dann irgendwann sollten eigentlich wird selbst auch mal dran sein… Dabei tut der Nacken schon seit ewiger Zeit weh, und die Schultern sind vom täglichen Sitzen vor dem Computer echt ziemlich verspannt, und wenn einer an der richtigen Stelle drückt, kriegen wir ziemlich große Augen… aber nicht vor Begeisterung. Wenn man mit den Händen auf den Boden fassen will, muss man die Knie beugen, da die Arme im Laufe der Jahre kürzer geworden sind…. Beim Dehnen stellt man fest, dass manche Muskeln am Körper offensichtlich geschrumpft sein müssen, denn man weiß genau, vor einigen Jahren waren die alle mit hundertprozentiger Sicherheit noch länger!

Was hilft es also: Die eigene Elastizität muss wieder her, denn dann geht es auch den Pferden besser, denn ein elastischer Mensch hat einen elastischen Sitz und damit ein unverspanntes und zufriedenes Pferd!

Verspannungen lösen und Beweglichkeit wieder herstellen, geht manchmal ganz einfach. Man muss sich nur überwinden und anfangen….

 

Den Nackenbereich lockern:

Kopf drehen!

Man stellt sich aufrecht hin und lässt die Arme links und rechts in der Hüfte abstützen. Dann dreht man seinen Kopf ganz langsam von links nach rechts und zwar soweit wie es geht. Das wiederholt man 10 x nach links und 10x nach rechts. Danach einige Male tief ausatmen und die Arme locker ausschütteln. Dann stellt man sich wie zuvor auf und macht diese Drehbewegung von eben nur mit den Augen. Den Kopf dabei möglichst ruhig halten. Die Augen soweit nach links und rechts bewegen, wie es möglich ist. Wenn man die Grenze der Beweglichkeit erreicht hat, wird man es fühlen, denn man erlebt einen leichten Druck im Auge. Das wird 10x nach rechts und 10x nach links wiederholt. Zum Abschluss Arme ausschütteln und dreimal tief ein- und ausatmen. Jetzt noch einmal den Kopf nach links und rechts bewegen. Man wird es sofort spüren. Der Kopf lässt sich leichter drehen, und mögliche Verspannungsschmerzen sind meist nicht mehr zu fühlen. Sollten noch leichte Verspannungsschmerzen vorhanden sein, dann kann man die Übung wiederholen. Wenn man diese Übung eine Woche lang immer abends vor dem Schlafengehen ausführt, wird alles wieder richtig beweglich.

 

Kopf hoch und runter


Bei der langsamen Bewegung nach oben und nachten unten lockern sich die Nackenmuskeln auf einfache Art.

Aufstellen wie eben und den Kopf bis in den Nacken heben und bis auf die Brust absenken. Auch diese Übung langsam 10x nach oben und 10x nach unten wiederholen. Danach Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen. Anschließend die Übung nur mit den Augen ausführen. Auch hier werden wieder 10 Wiederholungen in jede Richtung durchgeführt. Zum Abschluss der Übung wieder den Mobilitätstest durchführen.

 

Kopf kippen

Auch bei dieser Übung sollte man die Hände in der Hüfte abstützen. Den Kopf kippt man leicht nach links und rechts. Dabei sollten die Augen der Bewegung folgen, sprich beim Abkippen des Kopfes nach rechts, folgt das Auge der Bewegung nach rechts unten. Beim Abkippen nach links, folgt das Auge der Bewegung nach links unten. Auch diese Übung langsam 10 x auf beiden Seiten wiederholen.

 

Die Schulterpartie lockern

Arme schwingen

Aufstellen sollte man sich bei dieser Übung in einer leichten Grätsche. Man schwingt mit den Armen locker von links nach rechts bis in Schulterhöhe. Der Kopf und die Augen blicken dabei in die entgegengesetzte Richtung. Hier geht es nicht darum, sich in der Hüfte möglichst weit zu drehen oder die Arme mit Schwung soweit nach oben zu schwingen, wie es einem möglich ist, sondern man sollte sich dabei wohlfühlen. Wenn man bei den ersten Übungen noch nicht sehr weit durchschwingen kann, wird sich das im Laufe der Zeit verbessern.

Nach der zehnten Wiederholung beide Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen.

 

Arme heben und strecken

In einer leichten Grätsche aufstellen. Einen Arm in die Hüfte legen und den anderen Arm abgewinkelt in Schulterhöhe vor die Brust. Jetzt den Arm zur Seite führen und mit dem Kopf und den Augen der Armbewegung folgen. Das wiederholt man 10x. Danach führt man den Arm wiederum 10x zur Seite, aber schaut mit dem Kopf und den Augen in die entgegengesetzte Richtung. Nach der zehnten Wiederholung beide Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen. Danach macht man die Übung mit dem anderen Arm.
Zum Schluss dann wieder Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen.

 

Arme oben und Arm unten im Wechsel

 

Man stellt sich wieder in leichter Grätschstellung auf und hebt einen Arm gerade nach oben und lässt einen eng am Körper liegend gerade nach unten hängen. Die Hände und Finger werden gestreckt (keine Faust). Im Wechsel werden rechter Arme und linker Arm nach oben respektive nach unten gestreckt. Diese Übung wieder ebenfalls 10x wiederholt. Die Übung langsam und nicht mit Schwung durchführen.
Nach der zehnten Wiederholung beide Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen.

 

Beide Arme oben und unten

Die vorherige Übung wiederholt man dann 10x in Parallelform. Das heißt, beide Arme nach oben und beide Arme nach unten. Nach der zehnten Wiederholung beide Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen.

 

Arme im rechten Winkel

   

In leichter Grätschstellung halten wir die Arme – Oberarm in Schulterhöhe waagerecht und winkeln die Unterarme im rechten Winkel nach oben ab. Danach senkt und hebt man den gewinkelten Arm fast bis zur Taille und dann wieder bis in Schulterhöhe. Nach der zehnten Wiederholung beide Arme ausschütteln und dreimal tief durchatmen.
Zum Schluss der Übungseinheiten, den Oberkörper bei gegrätschten Beinen nach unten schwingen und die Arme links und rechts baumeln lassen.

 

Ein Tipp am Ende:

Wenn man sich morgens vor dem Aufstehen im Bett in alle Richtungen ausgiebig streckt und dabei Muskeln bewusst an- und abspannt, entstehen viele Verspannungen erst gar nicht. Das kann man dann übrigens auch über Tag immer wieder einmal am Arbeitsplatz wiederholen. Das stärkt das Wohlbefinden!

Wenn man diese Übungen 2-3x in der Woche regelmäßig wiederholt ist man wieder so beweglich wie eine 3-jährige Remonte!

 

 

 

Der Wallach Bamboo – Unser Neuzugang

Wenn junge Pferde viel Qualität haben und sich anbieten, dann sieht der ein oder andere Ausbilder darin schnell eine Chance, sich nationale oder besser noch internationale Anerkennung zu verschaffen. Nicht selten zu Lasten der jungen Pferde, die neben frühzeitigem Verschleiß, Verspannungen, deutlicher Fehlbemuskelung, weniger werdender Elastizität auch mental absolut überfordert sind.

Hektisches und schreckhaftes Verhalten, Widersetzlichkeiten, Gewichtsverlust trotz ausreichend Futter, Magengeschwüre und Probleme in Umgang und beim Reiten sind gängige Verhaltensweisen, die die Pferde irgendwann zeigen.

Dann noch den Moment zu finden, alles umzukehren, damit das Pferd nicht auch noch gefährlich wird, ist nicht einfach.

So ähnlich mag es auch Bamboo gegangen sein. Ein siebenjähriger Wallach von Belissmio M aus einer Jazztime Mutter. Ausgestattet mit aufwendigen Bewegungen, entsprechend groß, noch nicht im Gleichgewicht und mit sich (seinen Bewegungen) und seiner Größe schon mehr als ausreichend gefordert, wenn nicht überfordert.

Die übersteigerten Anforderungen des Eigentümers und Ausbilders brachten das Pferd an den Rand seiner körperlichen und mentalen Möglichkeiten. Um ihn zu schützen, hat der Züchter ihn wieder zurückgekauft. Welch ein Glück für Bamboo!

Jetzt ist Bamboo bei los-gelassen und wir versuchen, die Fehler aus der Vergangenheit auszugleichen, ihm wieder Vertrauen zum Menschen zu geben. Wir möchten ihn in aller Ruhe – altersgerecht und seinen Möglichkeiten entsprechend  – ausbilden.

Ein langer Prozess, den wir mit Videos, Fotos und Dokumentationen begleiten um zu zeigen, wie sich dieses wunderbare junge Pferd entwickelt…..

P.S.: Die ersten Videos von Bamboo sind auch schon da…

Youtube Video 1

Youtube Video 2

Youtube Video 3

Sein Pferd richtig einschätzen können

Temperament, Charakter, Gebäude – Möglichkeiten des Pferdes und unsere Wünsche…

Die heutige Zucht bringt Pferde mit einer enormen Qualität, die allerdings oftmals nicht mehr so einfach zu bedienen sind. Die Bewegungen sind nicht selten so außerordentlich, dass sie der Reiter kaum mehr sitzen kann. Das Springvermögen ist so enorm, dass man geneigt ist, gerne mal eine Stange mehr drauf zu legen., da schon junge Pferde das alles spielerisch schaffen. Da die Pferde von heute auch noch einen tollen Charakter haben und mehr als gutmütig sind, machen sie vieles mit, was sie eigentlich nicht leisten können.

Kalibriges Pferd, vom Charakter eher gutmütig, seit 14 Monate unter dem Sattel. Die Muskulatur ist noch nicht sehr stark ausgeprägt. Jedoch verleitet das massige Exterieur dazu, schnell zu viel zu verlangen.

 

Im Rücken sehr langes Pferd mit gerade Hinterbein. Bei einem solchen Pferd das Hinterbein aktiv zu halten und es heranzuschließen bedarf einiges an reiterlichem Können.

 

Moderner Typ eines 4-jähriger Wallachs, hoch sensibel und schnell nervig, gerade acht Monate unter dem Sattel. Die Muskulatur ist noch wenig ausgeprägt, obwohl das Pferd schon aussieht, als wäre es weiter geritten. Die moderne Zucht täuscht! Hinzu kommt, dass dieses Pferd sehr kurz ist und für einen großen schweren Reiter nicht geeignet, da man allein schon keinen passenden Sattel finden könnte….

 

Wenn man alleine diese drei sehr unterschiedlichen Pferde sieht, wird einem bewusst, dass man Besonderheiten und Eigenschaften des jeweiligen Pferdes beim Reiten und Ausbilden berücksichtigen muss. Hinzu kommt der gute Charakter, der dazu verleitet, schnell zu viel zu verlangen. Wenn es dann nicht klappt, ist man leicht ungerecht. Da die wenigsten Pferde sofort widersetzlich werden, glaubt manch ein Reiter, den Pferden mache die eine kleine Ungerechtigkeit nichts aus. Das Pferd wehrt sich ja in den wenigsten Fällen und wenn es dann den Dienst quittiert, ist meist so viel in die falsche Richtung gegangen, dass man sich an die ersten Signale schon gar nicht mehr erinnern kann….

Heute ist es nicht mehr normal, ein unrittiges, hektisches und übersensibles, teilweise aggressives Pferd zu haben, das einem Fehler nicht verzeiht und diese dann sofort entsprechend mit Widersetzlichkeiten quittiert.

Studiert man die alte Literatur, fällt einem auf, dass es Pferde mit schwierigem Charakter früher sehr viel häufiger gab als heute. Charakter- und Temperamentsfehler galten damals zu den größten Probleme in der Ausbildung eines Pferdes. Sie machten schon einfache Dinge nicht selten schwierig. Die Zucht hat auf die Erkenntnisse der Vergangenheit reagiert und entsprechend gehandelt. Schwierige Charaktere wurden aussortiert. Um Reiter jedoch dazu zu veranlassen, wieder sorgfältiger zu reiten und auszubilden, wären solche Pferde sicherlich sehr vorteilhaft. Sie würden uns jeden Tag unsere Grenzen aufzeigen. Wenn man ein solches Pferd besitzt, ist man zwangsläufig in einem Prozess permanenter Selbst-Reflexion, denn was gestern funktioniert hat, muss bei einem solchen Pferd heute nicht mehr unbedingt richtig sein und morgen kann es dann vielleicht überhaupt nicht mehr zum Ziel führen!

Das Gebäude eines Pferdes ist sehr wichtig und sollte bei der Ausbildung berücksichtigt werden. Kurze Pferde neigen beispielsweise eher zu knöchernen Problemen und Erkrankungen. In der Rückenpartie längere Pferde eher zu Erkrankungen im Weichteilbereich. Man sollte seine Anforderungen also auch an die körperlichen Möglichkeiten des Pferdes anpassen.

 

Der gewaltige Hals des schönen Hengstes täuscht. Über viele Jahre falsch geritten, ist das Pferd fehlerhaft und zu wenig bemuskelt. Absolute Aufrichtung, das Gebiss nicht angenommen, der Rücken nicht hergegeben.

 

Einen fehlerhafte Muskelentwicklung beispielsweise, die ja immer ein Spiegel der dann ebenfalls fehlerhaften Ausbildung ist, fällt den meisten nicht sofort auf und so lange die Pferde noch laufen, wird das alles schon irgendwie stimmen. So wird oft frühzeitig an spektakulären Verstärkungen und höherer Versammlung gearbeitet, obwohl das Pferd dazu noch überhaupt nicht in der Lage ist. Was bei all der Leistungsbereitschaft der Pferde schnell vergessen wird: Die Geschwindigkeit des Muskelwachstums und die körperliche Belastbarkeit hat die Zucht in den letzten 30 Jahren nicht geändert. Das wird sie auch in Zukunft nicht schaffen. Das sollte man immer im Hinterkopf haben.

Für uns Reiter heißt das, dass wir sorgfältig, mit Ruhe und vor allem viel Zeit ausbilden müssen, wollen wir auch langfristig einen Partner Pferd, der körperlich und mental gesund bleiben kann. Wenn jedoch der Turniererfolg in jungen Jahren über den Preis entscheidet, dann müssen schon junge Remonten oftmals mehr leisten, als sie körperlich und mental verkraften können.

 

Gebäude und Temperament zu berücksichtigen sowie die Fähigkeit zu besitzen, ein Pferd dem Charakter entsprechend korrekt zu behandeln und reiten sind mit Voraussetzungen, um es gesund und leistungsbereit zu erhalten. Korrekte Ausbildung bedeutet immer: Die richtigen Übungen und Lektionen zu rechten Zeit, in der passenden Dosierung und mit der notwendigen Ruhe. Eben bedacht vorgehen. Manchmal ist weniger mehr. Wenn es an manchen Tagen nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten, kann es sinnlos sein, eine Lektion an die andere zu reihen. Dann können ein entspanntes Bummeln durchs Gelände oder nur ein korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen der bessere Weg sein.

Charakter, Gebäude und Temperament muss man bei der Ausbildung immer berücksichtigen. Wenn man das verinnerlicht, dann entstehen viele Probleme in der Ausbildung erst gar nicht!