Monthly:März 2022

Ausbilden bis Klasse S

Früher wurde Ausbildung sehr systematisch aufgebaut – so habe ich zumindest noch gelernt und dass nicht nur von Herrn Stecken. Die alten Ausbilder bei denen ich noch geritten bin verfolgten dieses Ziel, denn es hielt die Pferde bis in ein hohes Alter gesund.

Ich habe es bei meinen Pferden noch so gemacht und natürlich gelernt, dass ich – ganz H.Dv. 37 –  in den ersten beiden Ausbildungsjahren hauptsächlich mit meinen Pferden ins Gelände gegangen bin. In frischen Tempo fleissig vorwärts, die Zügel so lang, dass die Pferde die Anlehnung suchen konnten und das mit dem Ziel, die Qualität der Grundgangarten zu verbessern, alles zu stabilisieren. Wenn mal Reitplatz, dann ein riesig grosser  Geländeplatz. Dort habe ich nur grosse gebogenen Linien geritten und ein paar Übergänge, Handwechsel geübt, um so die Anlehnung zu verbessern und darüber hinaus gab es Zügel aus der Hand kauen lassen. Durch die unterschiedlichen Bodenverhältnisse, das viele Bergauf und Bergab immer mit dem Ziel, dass das Pferd durch das fleissige Vorwärtsreiten die Anlehnung sucht und mit dem Hinterbein aktiv abfusst, waren immer alle meine Pferde korrekt bemuskelt und blieben bis in ein hohes Alter gesund. Trotz der Zeit und Ruhe in der Ausbildung beherrschten meine Pferde spielerisch alle S-Lektionen. Selbst mein Rubinstein lief mit 21 Jahren noch immer taktrein, sprang wirklich schöner 1erWechsel und beherrschte Piaffe und Passage, war immer schmerzfrei und das mit einem Kissing Spines Befund Grad 5.

Mein Rubinstein mit 21 Jahren:

Mit dieser schon fast weltfremden Einstellung ging ich an die Ausbildung eines jeden Pferdes – und das bis heute.

 

In den letzten Jahren hat mich allerdings auch durch Bamboo, dann durch Quartertime und die vielen anderen Pferde die Realität eingeholt: Eine solche Ausbildung ist heute nicht mehr up to date. Das dauert viel zu lang und alles, was dauert kostet. Was allerdings schnell geht, kostet erst recht – nämlich die Gesundheit des Pferdes. Eine Milchmädchenrechnung ….

Bamboo früher:                                                                 Bamboo drei Jahre später:

          

Der normale Freizeitreiter schaut sich Veranstaltungen wie ein Bundeschampionat an oder aber auch internationale Prüfungen oder die vielen alternativen Methoden, bei denen Pferden schon in jungen Jahren irgendwelche komischen Lektionen eingetrichtert werden, die sie bei genauer Betrachtung aufgrund ihrer körperlichen Gesamtverfassung nicht leisten können und auch nicht lange leisten werden.

Jeder Mediziner wird es dem Besitzer bestätigen, dass es weder Abkürzungen gibt, noch das Ausbildung schnell geht und trotzdem scheinen immer mehr Menschen zu glauben, dass bei der modernen Zucht die Muskeln halt mal eben doppelt so schnell wachsen und die Pferde korrekt gymnastiziert auf die Welt kommen – oder noch besser: Jeder zweite Reiter ein Ausnahmepferd hat bei dem das geht.

Das Ergebnis dieser Einschätzung produziert die vielen vielen falsch bemuskelten und kaputt gerittenen Pferde. Selbst wenn dieser Punkt erreicht ist, stellen viele ihre reitereichen Fähigkeiten noch immer nicht in Frage. Warum eigentlich?

Ist es ein Fehler zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat? Ist es ein Fehler zuzugeben, dass man es vielleicht nicht alleine hinkriegt? In meinen Augen spricht das für wirkliche Grösse!

Nehmen wir Armani: Er kam im Februar letzten Jahres und war nicht reitbar. Er war Durchgänger und wirklich gefährlich. In seiner Ausbildung war vom ersten Tag alles aber auch alles falsch. Anstatt dann zurück auf Null zu gehen, kamen Überlegungen wie: Da muss er jetzt durch.

Heute nach einem Jahr bei mir kann ich gerade einmal aufsitzen und in einem kleinen abgesteckten Eckchen des Reitplatzes im Schritt im Kreis reiten. Mehr geht noch nicht. Das hätte nicht sein müssen, wenn der ein oder andere ein bisschen gewusst hätte, was er da tut. Hat er aber offensichtlich nicht, sonst wäre das nicht das Ergebnis….

Ein Einzelfall? Nein, einer von Tausenden.

Nehmen wir Bamboo: mit 7 Jahren war er abgemagert und reiterlich komplett geschrottet. Es hat drei Jahre gedauert, bis er wieder ein schönes und korrekt bemuskeltes Pferd war und trotzdem war es für seinen kaputten Körper zu spät. Ich musste ihn am 1.1.2021 einschläfern lassen. Hätte ich ihn ein Jahr früher bekommen, wäre es wahrscheinlich soweit nicht gekommen….
Auch das hätte nicht sein müssen, wenn der Vorbesitzer auch nur im Ansatz gewusst hätte, was er tut. Ein goldenes Reitabzeichen spricht heute nicht mehr für reitehrliches Kompetenz.

Diese Geschichten gehen mit Quartertime weiter. Wäre er nicht bei Veronika und dann über Claudija bei mir gelandet, wäre er mit diesem katastrophalen Rückenbefund jetzt schon beim Metzger.

Quartertime früher:                                               Quartertime zwei Jahre später:

         

 

Jetzt kommt der neue: Fleetwood. Eine Seele von Pferd. Eigentlich als Fürst Nympehnburg x Belissimo Qualität genug, aber so schlecht geritten, dass wir seit er bei uns ist nur Longieren können, ihm etwas gegen Schmerzen und Entzündungen geben und ihn erst einmal mehrfach ostertherapeutisch behandeln lassen müssen. Mit Longiergurt ist er mittlerweile schon wieder schön schwungvoll. Kommt der Sattel drauf ist er an der Longe zügellahm…. und das obwohl sein Sattel jetzt zu 100% perfekt liegt, denn den hat Frank Wohlhorn gemacht.

Er ist jetzt gerade einmal 10 Jahre alt, sieht aus wie ein Leid, hat eine so schlechte Oberlinie wie ich sie selten gesehen habe und ist mal eben 100kg zu dünn. Schmerzen und Stress. Als er kam, tat ihm sogar die Haut weh…. Aber er ist bis S-Dressur geritten und hat Platzierungen satt.

… er hat noch nicht einmal gelernt, den Hals reell fallen zu lassen. Die erste Woche lief er wie eine Giraffe. Jetzt schnaubt er immerhin schon ab und versucht sich nach abwärts zu dehnen…

 

 

 

 

Ich bin oft so entsetzt und frage mich, was sehen die Leute, was denken Besitzer und vor allem, was sagen und können eigentlich Ausbilder noch, wenn ihnen bei solchen Pferden nicht alle Alarmglocken angehen?

„Das Pferd soll durch richtiges Reiten schöner und gesünder werden!“ Dieser Satz ist heute wohl vielfach vergessen…

Fleeti – so nennen wir ihn liebevoll – ist ein ganz süsser Knopf. Er wird bleiben und wir werden ihn sicherlich wieder zu einem schönen Pferd machen. Eigentlich wollten wir ihn für gute Fotos und für Lehrvideos, da wir nicht wissen, wie lange Armani noch braucht bis er keine Angst mehr hat geritten zu werden.
Wir dachten, wir reiten ihn ein paar Wochen korrekt und dann klappt das schon… In dem Fall hat das jetzt mal nicht geklappt. Also mache ich mal ein Projekt daraus und schaue, was passiert und wo die Reise hingeht….

Wir halten Euch natürlich auf dem Laufenden! Ich bin selbst ziemlich gespannt….

Wie lernt mein Pferd auf feinste Hilfen zu reagieren?

Webinar am 20. Mai 2022 um 19.00

Gefühlvoll einwirken, auf feinste Hilfen reagieren, kein Druck, kein Zwang. Das wünscht sich jeder Reiter. Die Realität sieht oft anders aus: Pferde, die triebzig sind, gegen die Hand gehen, nicht durchlässig sind, die sich herausheben und vieles mehr.

Alles das muss nicht sein!

Eine gefühlvolle Einwirkung kann man erlernen. So schwer ist es nicht! In diesem Webinar zeige ich Euch anhand von Videos, Fotos und der Muskeltätigkeit des Pferdes wie das geht…

 

Ausbildung systematisch aufbauen – Teil 1

Webinar am 8. April um 19.00.

Die Ausbildung bei den durch die moderne Zucht so sensiblen, oft sehr elastischen und instabilen Pferden so zu gestalten, dass sie gesund bleiben, basiert meinem Unterricht auf Biomechanik und funktioneller Anatomie. So lernen Pferde auf feinste Hilfen zu reagieren und Reiten und Ausbilden erfolgen ohne Druck und Zwang.

Das Pferd lernt sich loszulassen und hat Freude an seiner Bewegung. Muskeln entwickeln sich an den richtigen Stellen, das Pferd ist geschmeidig und fühlt sich wohl unter seinem Reiter.

Die überlieferten Grundsätze der Ausbildung, die Herr Stecken bis zu seinem Tod mit Überzeugung gelebt und vertreten hat, sind die Grundlage für eine solche Ausbildung. Vom leichten zum Schweren immer unter dem Gesichtspunkt der Gesunderhaltung und Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Im Unterricht erkläre ich Zusammenhänge und den Zweck vom Übungen und Lektionen, vermittle das Gefühl für richtig und falsch und korrigiere Sitz und Einwirkung des Reiters bis ins Detail, so dass Harmonie zwischen Reiter und Pferd durch eine fast unsichtbare Kommunikation zwischen beiden entstehen kann.

Herr Stecken würde dazu sagen: “Das gut gerittenen Pferd erkennt man daran, dass die Hilfen so fein sind, dass sie vom Betrachter immer weniger wahrgenommen werden, für das Pferd jedoch immer deutlicher sind.”

Preis: 50 €

Das Webinar dauert ca. zwei Stunden.

 

Ausbildung systematisch aufbauen – Teil 2

Webinar am 29. April um 19.00

Die Ausbildung bei den durch die moderne Zucht so sensiblen, oft sehr elastischen und instabilen Pferden so zu gestalten, dass sie gesund bleiben, basiert meinem Unterricht auf Biomechanik und funktioneller Anatomie. So lernen Pferde auf feinste Hilfen zu reagieren und Reiten und Ausbilden erfolgen ohne Druck und Zwang.

Das Pferd lernt sich loszulassen und hat Freude an seiner Bewegung. Muskeln entwickeln sich an den richtigen Stellen, das Pferd ist geschmeidig und fühlt sich wohl unter seinem Reiter.

Die überlieferten Grundsätze der Ausbildung, die Herr Stecken bis zu seinem Tod mit Überzeugung gelebt und vertreten hat, sind die Grundlage für eine solche Ausbildung. Vom leichten zum Schweren immer unter dem Gesichtspunkt der Gesunderhaltung und Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Im Unterricht erkläre ich Zusammenhänge und den Zweck vom Übungen und Lektionen, vermittle das Gefühl für richtig und falsch und korrigiere Sitz und Einwirkung des Reiters bis ins Detail, so dass Harmonie zwischen Reiter und Pferd durch eine fast unsichtbare Kommunikation zwischen beiden entstehen kann.

Herr Stecken würde dazu sagen: “Das gut gerittenen Pferd erkennt man daran, dass die Hilfen so fein sind, dass sie vom Betrachter immer weniger wahrgenommen werden, für das Pferd jedoch immer deutlicher sind.”

Preis: 50 €

Das Webinar dauert ca. zwei Stunden

Aufrichtung und Versammlung

Thema unsers Webinares am 25. März 2022

Aufrichtung und Versammlung sind heute die Themen schlechthin. Für viele das grosse Ziel: Piaffe und Passage. Der Weg dahin ist jedoch weit… sehr weit. Man kann es nicht beschleunigen, denn Muskeln entwickeln sich über Jahre ganz langsam und das gleiche gilt für die Elastizität der HInerhandgelenke und für die Rippengeschmeidigkeit/Rippenbiegung.

In unserem Webinar beleuchten wir gängige Methoden und Ausbildungswege und zeigen auf, wie man Aufrichtung und Versammlung ohne Druck und Zwang und vor allem ohne Zirkusreiterei erreichen kann.

Das Webinar beginnt um 19.00 und dauert ca. zwei Stunden.

Preis: 50 €

Podcast: Osteopathie und richtiges Reiten!

Was kann die Osteopathie leisten und wo sind ihre Grenzen? Wie ergänzt die Osteopathie das Reiten? Was sollte man wissen?

Alle diese Fragen beantworten wir in unserem Podcast mit unserem Gast der Human Physiotherapeutin und Pferde-Osteotherapeutin Esther Feusi.

Viel Spass dabei!

 

Podcast: Warum ist der Sitz so wichtig?

Der Sitz ist die Basis allen Reitens. Aus diesem Grund s0llte man immer an seinem Sitz arbeiten, um diesen zu verbessern. In diesem kurzen Podcast weisen wir auf die wichtigsten Punkte hin.

Warum reden wir eigentlich immer über Losgelassenheit?

Was bedeutet Losgelassenheit wirklich und warum ist sie so wichtig?

Losgelassenheit

Losgelassenheit kann man ganz einfach beschreiben: Losgelassenheit ist ein Zustand der inneren Zufriedenheit, des absoluten Wohlbefindens eines Pferdes unter seinem Reiter und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass das Pferd gesund ist! Sie wird nur dann vollends erreicht, wenn alle Faktoren zusammenpassen: Fütterung und Haltung, das passende Equipment und das richtige Reiten. Nur dann kann sich ein Pferd wirklich loslassen – innerlich wie äußerlich. Zeigen kann es das mit zufriedenem Abschnauben, mit freudigem Mitarbeiten, mit Spaß an der eigenen Bewegung, mit Zuneigung und Vertrauen!
Am Pferd erkennt man sie auch am schwingenden Rücken, an der unverspannt arbeitenden Muskulatur, am zufriedenen Kauen mit geschlossenem Maul, an der Fähigkeit auf kleinste Hilfen zu reagieren und Lektionen ohne Druck und Zwang auszuführen. Losgelassenheit reduziert sich nicht nur auf das Reiten, sondern gilt auch für den Umgang. Losgelassene Pferde sind im Umgang mit uns Menschen vorsichtig, bedacht, wollen es richtig machen und suchen unsere Nähe und unseren Schutz!

 

Was behindert Losgelassenheit?

Jeder fehlerhafte Muskelbildung, jede dauerhafte Verspannungen, erste Rückenprobleme, Sehnenschäden oder auch der Befund Kissing Spine sind für das Bewegungstier Pferd, seine Bewegungsfähigkeit und seine Freude am Leben eine Katastrophe. Sie machen das Pferd nicht nur krank, sondern bedeuten Schmerzen, Angst, Unsicherheit und Vertrauensverlust gegenüber seiner Bezugsperson.

 

Wann muss Losgelassenheit erreicht werden?

Losgelassenheit steht am Anfang eines täglichen Reitens und sie ist das Ergebnis eines richtigen Reitens zum Ende einer Stunde, eines Trainings und einer richtigen Ausbildung und doch ist sie in der Skala der Ausbildung nur ein Punkt?
Sie ist aber vielmehr! Sie ist allumfassend!

Als die Skala der Ausbildung in den 1950ern entstand, wurde sie aus der H.Dv.12/1937 von den großen alten Meistern der Reitkunst hergeleitet. Für diese großen Könner war es eine Selbstverständlichkeit, dass Losgelassenheit erreicht werden musste, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, diese zur damaligen Zeit doch sehr vom Gebäude benachteiligten Pferde überhaupt zu einem bedienbaren  Reitpferd zu machen. Die Schulter nicht selten steil, der Rücken sehr kurz oder extrem lang, das Hinterbein sehr gerade. Alles keine guten Voraussetzungen.
Da haben wir es heute leicht – oder vielleicht eher schwerer? Die guten Zuchtergebnisse, der tolle Charakter, traumhafte Bewegungen und die Rittigkeit täuschen über vieles hinweg. Wenn das Pferd dann „brav den Kopf hinhält“, glaubt manch einer, damit sei die Kunst des Reitens erreicht…..

Dieses nicht mehr „Reiten-müssen“ wie das früher zwangsläufig der Fall war, macht uns manches mal auch nachlässig. Nachlässig gegenüber ersten Anzeichen und Signalen: Dabei ist der heute schon fast übliche unruhige Schweif ein deutliches Signal, dass sich die Katastrophe schon im Anmarsch befindet und das Pferd eben NICHT losgelassen. Der Schweif ist die Verlängerung des Rückens und wenn dieser nachhaltig schlägt, statt entspannt zu pendeln, dann ist das Pferd verspannt – und das nicht wenig!
Dauerhafte Verspannung ist dann ein erster Schritt in Richtung Krankheit.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich das erfühlen und somit erjagen konnte, um es im O-Ton mit Goethe zu beschreiben.

Dieses Verstehen können der Zusammenhänge ist auch ein Grund, warum es heute los-gelassen gibt. Wir wollen mit unserem Projekt richtige Wege in der Reiterei nachvollziehbar und fühlbar vermitteln und damit lebbar machen…..