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Hilfe! Mein Pferd kommt auf die Vorhand…

Was tun, wenn Pferde beim Reiten immer wieder auf die Vorhand und ans Laufen kommen? Zum Sitzen und zum Treiben kommt man als Reiter nicht, die Pferde lassen sich nicht los und der Rücken als Bewegungszentrum kommt nicht zum Schwingen. Lektionen sind mühsam, Übergänge nur mit Widerstand oder auslaufend, in den Wendungen verwirft sich das Pferd nicht selten und oft genug hat man Tonnen auf der Hand. Spaß macht das nicht ….

Der folgende Artikel erklärt, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Wenn Pferde auf Vorhand kommen,
…unter dem Reiter davonlaufen….

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Ist die Nase an der Senkrechten, kommt das Pferd nicht ans Laufen und somit nicht auf die Vorhand.
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Kommt die Nase – wie hier durch die vermehrte Außenstellung demonstriert – hinter die Senkrechte oder nimmt das Pferd das Gebiss nicht an, kommt es ans Laufen und auf die Vorhand.

Mit das schlimmste, was passieren kann, ist wenn Pferde unter dem Reiter davon laufen. Man kommt nicht zum Sitzen und zum Treiben, die Pferde geben den Rücken nicht her, die Pferde schwingen nicht. Wenn man Lektionen reitet, sind die Pferde schnell hektisch und übereilt, Übergänge sind ebenfalls laufend und bei den Verstärkungen kommen die Pferde auf die Vorhand. Beim Aussitzen im Mitteltrab ….. klemmen sich viele Reiter mit den Oberschenkeln fest und lehnen sich nach hinten, um den harten Wurf irgendwie abzufangen. Denn die Pferde laufen auf der Vorhand.

Im Gelände findet man oft „die Bremse nicht“. Nicht wenige Pferde sind schlecht zu kontrollieren.

Das macht alles keinen Spaß!

 

Wenn Pferde auf die Vorhand kommen oder/und unter dem Reiter davon laufen, kann das unterschiedliche Gründe haben.

Dazu gehören:

  • Unsicherheit bei (neuen) Übungen und Lektionen
  • Aufregung
  • Überforderung
  • massive Verspannungen
  • Schmerzen
  • mangelnde Losgelassenheit insgesamt,
  • nicht gerade gerichtet
  • Reiterfehler

Oder es liegt daran, dass

  • das Pferd noch nicht im Gleichgewicht ist
  • das Pferd das Gebiss nicht annimmt
  • Gebäudeprobleme die reiterlichen Anforderungen behindern
  • Und nicht zuletzt an mangelndem Vertrauen, oft auch auf schlechte Erfahrungen zurück zu führen.

Das Davon-Laufen ist also eine Reaktion oder auch Überreaktion auf eine Situation oder auf die Hilfen des Reiters, die das Pferd aus verschiedenen Gründen verunsichern können oder die es falsch versteht.

Wenn Pferde ans Laufen kommen hat das auch Auswirkungen auf die Anlehnung. Sie ist nicht konstant. Mal drücken die Pferde gegen die Hand, mal heben sie sich heraus und mal drücken sie gegen den Zügel. Auch dadurch und sie auf die Vorhand. Im Allgemeinen fußt dann das Hinterbein nicht ausreichend aktiv ab, der Rücken ist fest, die Pferde scheinen sich zu verkriechen. Versucht der Reiter fleißig vorwärts zu reiten, kommen sie noch mehr ans Laufen. Manche reagieren im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr auf die Hilfen. Einige Pferde werden sogar widersetzlich. Nicht selten können solche Situationen gefährlich werden.

Wenn man ein Pferd hat, das zu einem solchen Verhalten neigt, sollte man versuchen, die Ursachen zu ergründen und versuchen, diese abzustellen, denn eine korrekte Ausbildung, das richtige Ausführen von Lektionen ist bei einem Pferd, das unter dem Reiter davon läuft, nicht möglich. Würde man dann den Schwerpunkt auf das Erlernen weiter Lektionen setzen, wäre das genau der falsche Weg, denn meist ist in der Grundlagenarbeit schon etwas schief gelaufen.

Es geht aber nicht allein darum, dass Lektionen vielleicht nicht richtig geritten werden können, sondern auch darum, dass ein Pferd, „das nicht zu bedienen ist“, immer auch eine Gefahr bedeutet. Das unter dem Reiter davon laufen ist dann oft erst der Anfang einer negativen Entwicklung.

 

Charakterliche Gründe

Die heutige Zucht zeigt sich auf vielerlei Weise sehr positiv, was Rittigkeit und Leistungsbereitschaft sowie das mehr als vorteilhafte Gebäude eines Pferdes betrifft. Die Pferde sind aber auch sensibler geworden und manch ein Pferde reagiert auf zu viel, zu grobe oder fehlerhafte Hilfen auch schon mal hektisch.

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Wenn Pferde zum Schreiten kommen, sich vorwärts-abwärts dehnen, dabei entspannt abschnauben, ist das immer ein Zeichen für Losgelassenheit und für Vertrauen zum Reiter.

 

Was kann man tun?

In solchen Fällen hilft es, gerade zu Anfang des Trainings längere Schrittphasen zu reiten und das Pferd über gefühlvolle und vorsichtige Hilfen am Bein zwar sensibel zu halten, aber auch dafür zu sorgen, dass es sich durch seitwärts treibenden Hilfen beispielsweise nicht erschreckt.

Der Schritt muss fleißig und geregelt sein. Reitern fällt es oft schwer, zwischen fleißig und eilig zu unterscheiden. Ein eiliger Schritt führt zu Verspannungen und nicht selten machen Reiter dann den Fehler, die Eile durch einen kürzeren Zügel und das Abstrecken der Unterschenkel korrigieren zu wollen. Vorwärtstreiben vermeiden Reiter dann oft vollständig. Die Pferde werden dadurch jedoch noch unsicherer und nicht selten noch eiliger. Der Takt ist nicht mehr sicher geregelt. Die Pferde lassen sich nicht los. Der Rücken ist zunehmend fest. Viele Pferde zeigen Unzufriedenheit und Verspannung durch ein unruhiges Maul und einen unruhigen Schweif.

Wenn es dann an die Übergänge geht, sind vor allem die Übergänge von einer höheren in eine niedrigere Gangart schwierig und viele Reiter wissen sich nicht mehr anders zu helfen, als auch da die Unterschenkel vom Pferdeleib abzustrecken und am Zügel zu ziehen. Das macht die Sache allerdings noch schlimmer.

Tipp:

Bevor man nämlich einen korrekten Übergang reiten kann, muss das Pferd mit dem Hinterbein erst einmal wieder aktiv abfußen! Dafür müsste der Reiter fleißig vorwärtsreiten, damit das Pferd lernt, das Gebiss anzunehmen, sich davon abzustoßen. Die Halben Paraden  müssen dann alle zwei bis drei Tritte erfolgen. Bei manchen Pferden geht es recht schnell, bei anderen dauert es auch schon mal länger. Das hängt vom Charakter und auch von den Erfahrungen der Vergangenheit ab. Wenn die Pferde mit Hinterbein (wieder) durchtreten, kann man an den Übergängen arbeiten.


Übergänge auf dem Zirkel – das hiflt!

Bei Trab-Schritt-Übergängen ist das Reiten auf dem Zirkel, dem Reiten auf der ganzen Bahn erst einmal vorzuziehen, damit das Pferd gar nicht erst ans Laufen kommt und man es – den Vorteil der gebogenen Linie nutzend – an den äußeren Zügel herantreiben kann und mit dem treibenden inneren Schenkel dabei gleichzeitig die Längsbiegung verbessern kann. Sinnvoll ist beispielsweise, immer eine halbe Runde Schritt und eine halbe Zirkelrunde Trab abzuwechseln. In den Schrittphasen sollte man den Zügel so lang lassen, dass sich die Nase an der Senkrechten, Höhe Buggelenk befindet. Das Pferd muss dabei zum Schreiten kommen. Wichtig  ist, das Pferd zum Antraben dann korrekt über Halbe Paraden vorzubereiten und es nicht zu überfallen.

Mit solch einfachen Anforderungen kommt das Pferd dann auch innerlich zur Ruhe. Bei sehr sensiblen Pferden kann das jedoch seine Zeit in Anspruch nehmen und wenn sich das Pferd aus irgendeinem Grund aufregt, kann es in alte Verhaltensmuster zurück fallen. Wenn man dann die Ruhe behält und nicht ärgerlich wird, überträgt sich die Entspannung des Reiters auf das Pferd und dieses regt sich dann auch schnell wieder ab.

 

„Fleissig Vorwärts reiten, bis das Pferd mit dem Hinterbein (wieder) durchtritt!“

Das war vor langer Zeit einmal ein Tipp, den mir Herr Stecken gegeben hat. Zu Anfang dachte ich, wie mag das wohl gehen. Im ersten Moment war es auch sehr schwierig umzusetzen, denn das eilige und verspannte Pferd wurde noch eiliger, zog noch mehr aus der Vorhand. Wenn man dann allerdings beim Leichttraben etwas langsamer und weniger aufsteht, muss das Pferd irgendwann wieder aus der Hinterhand schieben und die Tritte vergrössern. Irgendwann ist das Laufen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Sitz und Einwirkung korrekt sind, die halben Paraden genau zu richtigen Zeit erfolgen. Also eine Sache der Übung!

 

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Pferde, die hinten überbaut sind oder einen tief angesetzten Hals haben, eine steile Schulter, ein gerades oder nach hinten heraus gestelltes Hinterbein mit einer wenig vorteilhaften Winkelung der Hinterhand neigen nicht selten dazu, ans Laufen und somit auf die Vorhand zu kommen, die ja sowieso schon von der Natur her ca. 60% des Körpergewichtes trägt.

Aber auch solche Pferde kann mit der Zeit bis zu einem gewissen Grad zu mehr Lastaufnahme der Hinterhand veranlasst werden und zwar dadurch, dass man die Kraft in der Hinterhand verbessert. Um die Aktivität de Hinterhand zu verbessern sollte man das Pferd allerdings nicht pausenlos versammeln wollen. Es git weitaus sinnvollere Möglichkeiten. Dazu findet Ihr Tipps in den Blogbeiträgen über die Aktivität der Hinterhand.

Je nach Ausmaß der Gebäudefehler sind einem Pferd Grenzen gesetzt und man sollte seine reiterlichen Anforderungen hinten anstellen, um dem Pferd nicht unrecht zu tun und um es nicht zu überfordern.

 

Unsicherheiten unter dem Sattel

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Schreckhafte Pferde sehen vieles, was sie aus der Fassung bringen kann. Manchmal auch Dinge, die nicht da sind…. Dann heißt es, Ruhe bewahren und darüber hinweg reiten…. Gespenster sollten Pferde übrigens immer in aller Ruhe inspizieren können. Meistens sind es nach eingehender Betrachtung keine Gespenster mehr.

 

Unsicherheit unter dem Reiter kann viele Gründe haben. Dazu zählen:

  • Reiterliche Fehler
  • Überforderung
  • Pferd nicht gerade gerichtet, schief
  • Pferde, die von Natur aus schreckhaft und hoch sensibel sind
  • unsichere und ängstliche Reiter

Um Unsicherheit des Pferdes unter dem Reiter mit der Zeit zu beseitigen, ist Vertrauen zwischen Reiter und Pferd das allerwichtigste. Ohne diese Basis geht nichts, denn das Pferd muss das Gefühl haben, von seinem Reiter in Notfällen “beschützt“ zu werden. Beim Reiten heißt das auch, dass der Zügel immer so lang sein sollte, dass „ein Vorlassen des Halses gestattet ist“ (Paul Stecken), die Pferde sich dehnen können. Ein zu kurzer Zügel führt bekanntlich zu Verspannungen und mit der Zeit zu Schmerzen… Reaktion: Die Pferde neigen dazu, unter dem Reiter davon zu laufen.

Man kann seinem Pferd auch beibringen, dass das Reiten am längeren Zügel – vor allem im Gelände im Schritt, in der Lösungsphase etc. – kein Freifahrtschein zum Gasgeben ist, sondern heißt: „Es ist alles gut!“

 

Daneben gibt es gute Übungen und Lektionen, die dosiert eingesetzt, helfen, das Problem zu lösen. Diese grundlegenden Lektionen sollte jedes Pferd beherrschen.

Zügel aus der Hand kauen lassen
Zügel aus der Hand kauen lassen ist die Problemlösung in allen Lebenslagen! Richtig geritten macht es den Rücken richtig locker. Die Pferde lassen sich innerlich und äußerlich. Zügel aus der Hand kauen lassen in die Arbeit mit dem Pferd konsequent eingebunden, hilft, dass sich auch Muskeln an den richtigen Stellen richtig entwickeln können und die Pferde lernen, sich loszulassen.

Übergänge von einer Gangart in die nächste
Reitet man viele Übergänge, werden die einzelnen Muskelgruppen unterschiedlich beansprucht. Das hilft, den Rücken als Bewegungszentrum zum Schwingen zu bringen und Abwechslung im Training zu schaffen. Nichts ist für das Pferd so ermüdend, wie ein Einheitstempo.
Darüber verbessert man auch Schub- und Tragkraft sowie die Hankenbeugung.

Halten-Rückwärtsrichten und daraus antraben
Halten-Rückwärtsrichten und daraus Antraben ist eine versammelnde Lektion, die Schub und Aktivität der Hinterhand verbessert.

Viele gebogene Linien und häufige Handwechsel
Verbessern die Rippengeschmeidigkeit beim jungen Pferd um beim weiter gerittenen Pferd die Rippenbiegung. Auch lernt das Pferd, sich bei gefühlvoller Hilfengebung immer wieder neu zu stellen und zu biegen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass das Pferd nicht über die Schulter oder Hinterhand ausweicht. Wenn Pferde noch nicht gerade gerichtet sind, fällt es ihnen schwer, sich korrekt auf die gebogene Linie einzustellen. Man sollte dann darauf achten, in einem ruhigen Tempo zu reiten, damit die Pferde nicht ans Laufen und damit wieder auf die Vorhand kommen.

Tempounterschiede innerhalb einer Gangart
Wenn das Zügel aus der Hand kauen lassen in allen Grundgangarten in korrekter Form geritten werden kann und Übergänge schon fehlerfrei funktionieren, helfen dosiert gerittene Tempounterschiede. Sie verbessern beim Zulegen die Schubkraft und beim Aufnehmen des Tempos die Tragkraft.
Beim jungen Pferd reitet man sie vom Arbeitstrab zum Tritte verlängern und beim weiter gerittenen Pferd vom versammelten über den Arbeits- bis hin zum Mitteltrab. Starken Trab sollte man nur phasenweise reiten.
Das gleiche gilt für die Arbeit im Galopp.
Wenn man bei dieser Arbeit realisiert, dass das Pferd doch noch wieder ans Laufen kommt, dann muss man den Anspruch etwas zurückschrauben und erst einmal wieder an innerer und äußerer Losgelassenheit arbeiten. Dazu hilft der „Alles-Problemlöser“ Zügel aus der Hand kauen lassen.

 

Gesundheitliche Gründe

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Ist der Sattel-  wie hier – etwas zu eng, kann das dazu führen, dass das Pferd ans Laufen kommt oder gar widersetzlich wird. Man sollte in einem solchen Fall seinen Sattler konsultieren.

 

Ein unpassender Sattel, der vielleicht zu eng oder zu weit ist, nicht richtig im Schwerpunkt liegt, kann beim Pferd zu Unwohlsein, Schmerzen und widersetzlichem Verhalten führen. In vielen Fällen kommen die Pferde im ersten Schritt unter dem Reiter ans Laufen und schlagen nachhaltig mit dem Schweif. Wenn man da unsicher ist, sollte man seinen Sattler konsultieren.

Schmerzen und nicht selten vorhandene Rückenprobleme können Gründe dafür sein, dass Pferde unter dem Reiter davon laufen und auf die Vorhand kommen. Die Pferde halten sich dann im Rücken fest. Der Rücken kommt nicht zum Schwingen. Bei nicht wenigen Pferden ist der Takt nicht sicher geregelt, bei den Verstärkungen kommen sie deutlich auf die Vorhand, der Reiter nicht zum Sitzen und zum Treiben und bei Lektionen weichen sie aus.

Zahnprobleme
können ebenfalls dazu führen, dass Pferde ans Laufen kommen, das Gebiss nicht annehmen oder sich nicht korrekt stellen oder biegen lassen. Auch das sollte man vom Tierarzt überprüfen lassen.

Je nach gesundheitlichem Zustand kann es sein, dass man seine reiterlichen Anforderungen reduzieren muss. Das sollte man allerdings mit dem Tierarzt absprechen.

 

Vertrauen

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Mangelndes Vertrauen zwischen Reiter und Pferd kann ein Grund sein, dass Pferde in Situationen, die für sie tressbelastend sind im ersten Schritt damit quittieren, dass sie unter dem Reiter „davonlaufen“. Es gibt viele vertrauensbildende Maßnahmen. Dazu gehören schon allein dem Pferd angenehme Berührungen und Streichenln, eine ruhige und tiefe Stimme.

Häufige Ursachen für mangelndes Vertrauen

  • Schlechte Erfahrungen
  • Unfaires oder grobes Verhalten des Reiters
  • Ein generelll ängstliches Pferd
  • ein ängstlicher und unsicherer Reiter

Hat das Pferd Angst oder vertraut es seinem Reiter nicht, da dieser vielleicht ungerecht ist oder in der Vergangenheit viele Dinge massiv in die falsche Richtung gelaufen sind, macht sich das immer durch Rittigkeitsprobleme bemerkbar.

Bei einem solchen Problem hilft nur Zeit, Geduld und Ruhe in der Arbeit und im Umgang, viel viel loben und Anforderungen nur sehr langsam steigern. Das kann je nach Situation Jahre dauern. Auch ein ängstlicher Reiter kann Probleme und schwierige Situationen begünstigen.

Ängstliche Reiter neigen nicht selten dazu, die Zügel zu kurz zu fassen, da sie glauben, ihre Pferde besser unter Kontrolle zu haben. Eine harte und rückwärts wirkende Hand, ein Reiter, der sich am Zügel festhält, schafft beim Pferd aber immer nur Verspannungen bis hin zu Schmerzen, Unsicherheit, Angst und Vertrauensverlust.

Wenn ein ängstlicher Reiter dann noch auf ein unsicheres oder auch dominantes Pferd trifft, kann das zu nicht ungefährlichen Situationen führen. In solchen Fällen ist es wichtig, sich Unterstützung zu suchen.

 

Man sieht, wenn Pferde ans Laufen und damit auf die Vorhand kommen, kann das vielerlei Gründe haben und wie immer ist Ursachenforschung angesagt.
In den meisten Fällen hilft schon richtiges Reiten, Probleme zu lösen.

 

 

Wenn man sich verdreht…

Alles schief?!

Korrekt auf die gebogene Linie eingestelltes Pferd. Sitz und Einwirkung der Reiterin sind richtig. Die Nase des Pferdes ist bei ausreichend vorgelassenem Hals an der Senkrechten.

 

 

 

Ein Satz, den mir mein alter Reitlehrer schon in meiner Kindheit beibrachte heißt: „Die Schultern des Reiters parallel zu den Schultern des Pferdes und die Hüften des Reiters parallel zu den Hüften des Pferdes.“

 

In den letzten Tagen habe ich mit einer guten Freundin Sitzübungen an der Longe gemacht. Der Grund: Sie hatte festgestellt, dass ihr Pferd an der langen Seite immer wieder nach innen drängt. Auch beim Durchreiten der Ecken machte sich das Pferd schief und versuchte auszuweichen. Sie versuchte das Pferd wieder nach außen in Richtung Hufschlag zu reiten, aber es wollte nicht gelingen. Im Gegenteil, das Pferd drängte immer weiter in die Mitte der Bahn…..

 

Wie kann es passieren, dass das Pferd an der langen Seite nach Innen in die Bahn drängt, Ecken nicht mit korrekter Stellung und Biegung durchritten werden können und Zirkel und Volten alles andere als rund werden, egal wie sehr man sich bemüht?

Nicht selten liegt es am Verdrehen im Oberköper. Schaut man die Richtlinien Reiten und Fahren hinein, wird da vom Einknicken in der Hüfte, von verdrehtem Oberkörper zwar gesprochen, welche Auswirkungen es allerdings auf den gesamten Sitz und die reiterliche Einwirkung hat, wird einem erst richtig bewusst, wenn es geradeaus nicht mehr geradeaus geht und Zirkel und Volten eher Eier als „Kreise“ sind, da das Pferd in alle Richtungen ausweicht oder schon lange vor Erreichen des Hufschlages in Richtung Bande drängt, sich dabei verwirft, sich heraushebt oder kaum mehr auf die Hilfen des Reiters reagiert.

Man muss es einfach einmal ausprobieren und wird überrascht sein, wie schnell das Pferd aus dem Gleichgewicht kommt, wenn der Reiter beim Reiten auf dem Zirkel oder auch auf der Geraden nur die innere Schulter nach vorne schiebt und sich dabei leicht nach Außen verdreht. Oft fällt es einem selbst nicht auf. Vor allem dann nicht, wenn man dabei nach vorne schaut. Allein durch das Verdrehen des Oberköpers beispielsweise nach Außen verändert sich das Zügelmaß. Die innere Hand geht zu weit nach vorne, die Anlehnung ist nicht mehr konstant und die äußere zu weit nach hinten. Das Pferd ist so nach außen gestellt. Die Hände stehen nicht selten unterschiedlich hoch. Halbe Paraden oder auch ein gefühlvolles Nachgeben mit der Bahn-inneren Hand sind nicht mehr möglich. Schulterpartie, Ellbogen und Handgelenke sind verspannt. Durch den verdrehten Oberkörper wirkt die äußere Hand rückwärts und das Pferd ist im Heben und Vorführen von äußere Hüfte und Schulter behindert, weicht dadurch dann zwangsläufig über die innere Schulter nach Innen aus. Auch die Lage der Schenkel verändert sich automatisch, die Beckenstellung des Reiters ebenfalls. Viele Reiter schieben dann unbewusst den Bahn-inneren Schenkel sehr weit zurück und der zur Bande hin liegt manchmal schon fast vor dem Gurt an der Schulter des Pferdes.

Andere wiederum verdrehen sich im Oberkörper und dabei wird die Hüfte zu weit nach hinten oder nach vorne geschoben. Das Becken kippt und der Schenkel schiebt sich in die falsche Richtung, die Fußspitze wird nach außen gedreht und das Knie liegt nicht mehr am Sattelblatt. Auch das zwingt das Pferd zum Ausweichen.
Oft macht man in dieser Situation dann genau das falsche: Man verkürzt den äußeren Zügel noch weiter und verdreht sich noch mehr im Oberkörper, um das Pferd zum Hufschlag zurückzureiten. Ergebnis: Das Pferd schiebt noch weiter schief in die Bahn.

Wenn solche Sitzfehler einmal verinnerlicht sind, ist es gar nicht so einfach, sie abzustellen.
Das Problem ist nicht selten, dass einem selbst das Verdrehen des Oberkörpers überhaupt nicht bewusst ist und man sicher ist, man sitzt gerade im Schwerpunkt. Sich dann zu zwingen, die innere Schulter unabhängig von der innere Hand beispielsweise wieder nach hinten zu führen, so dass auch in der Wendung die Schultern von Reiter und Pferd parallel sind, ist gar nicht so einfach, denn der verdrehte Sitz ist normal. Man hat anfangs sogar das Gefühl, dass diese Korrektur eher das Gegenteil bewirkt. Wenn man dann im Schwerpunkt und gerade sitzt, kommt es einem richtig „schief“ vor.

 

Das kann helfen!

Um das für sich selbst zu überprüfen oder an der Longe zu üben hilft es, eine Gerte mit beiden Händen zu fassen und diese in Höhe der Schulterpartie des Pferdes zu führen und den Wendungen entsprechend anzupassen. Dann kommt die Schulter des Reiters automatisch an den richtigen Platz. In dem Fall, die innere Schulter wieder nach hinten. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man sich durch die Konzentration auf die Gerte nicht in der Schulterpartie verspannt.

Neben Sitzübungen an der Longe, mit denen sich sehr gut eigene Verspannungen und fehlerhafte Haltung korrigieren lassen, hilft auch eine konsequente Sitzkorrektur durch einen guten Ausbilder.

Wenn man seinen Sitz bei täglichen Reiten selbst immer wieder überprüfen möchte, kann man folgende Lektionen reiten:

Die kleine Acht im Schritt geritten ist dabei eine sehr gute Lektion. Wenn man sie im Mittelschritt am langen Zügel reitet, sollte der Zügel bei vorgelassenem Hals so lang sein, dass sich das Pferd vorwärts-abwärts an die Hand herandehnen kann. Wenn man dann in den aufeinander folgenden Wendungen – auf den korrekten Sitz achtend –mehrere Achten hintereinander reitet, wird man nach einiger Übung zwei gleich große und gleich runde Bögen reiten könne. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, den inneren Bügel vermehrt auszutreten. Die Schultern sollten sich parallel zu den Schultern des Pferdes befinden, die Hände mit lockerem Handgelenk in der richtigen Position gehalten werden, so dass man dadurch Halbe Parade am äußeren Zügel alle zwei bis drei Schritte geben kann, die mit einem gefühlvollen Nachgeben der inneren Hand enden. Mit der Zeit wird das Pferd in der Rippenpartie geschmeidiger und wird sich in korrekter Stellung und Biegung auf den gebogenen Linien bewegen.

Wird die Acht auch nach regelmäßigem Übung nicht rund, weicht das Pferd immer wieder über Schulter nach außen oder auch mit der Hinterhand traversartig nach Innen aus oder wendet einfach überhaupt nicht ab, weiß man, dass man sich irgendwo und irgendwie verdreht.

Eine weitere sehr gut geeignete Lektion ist es, mehrere Volten hintereinander an der gleichen Stelle anzusetzen und Volten in den Ecken zu reiten. Zu Beginn sollte man die Volten mit einer Größe von 10 Meter reiten. Erst im Schritt und wenn diese gleichmäßig rund sind auch im Trab. Bei verbesserte Rippengeschmeidigkeit kann man sie mit der Zeit auf acht Meter verkleinern. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Pferd weder über die Schulter auszuweichen versucht noch den Zirkel mit der Hinterhand traversartig durchschreitet.

Die Volte in der Ecke hat dabei noch eine Besonderheit: Pferde, die noch nicht gerade gerichtet sind oder auch wenn der Reiter sich im Oberkörper verdreht, drängen – vor allem wenn die Hilfen nicht korrekt zusammenwirken – gerade dabei gerne in Richtung Bande weg oder kommen schon bei der Einleitung der Volte traversartig aus der Ecke. Stellt sich dieser Fehler ein, hat man da auch einen Hinweis, den Sitz nochmals zu überprüfen.

Hat man einen Helfer zur Verfügung kann man solche Momente auf Video aufnehmen, um anschließend zu überprüfen, woran es hängt. Das schult das eigene Auge und man bekommt ein Gefühl dafür, wann sich der Fehler eingestellt hat.

Bei engeren Wendungen wie Volten oder die Acht kann es bei Pferden mit Rückenproblemen vorkommen, dass sie versuchen auszuweichen wie oben beschrieben. Dann kann es notwendig sein, einen Tierarzt oder Osteotherapeuten zu konsultieren.

Beim Reiten und Ausbilden eines Pferdes kommen fast immer mehrere Faktoren zusammen, wenn es irgendwo hängt.

Rückenprobleme und die kalte Jahreszeit

 

 

Erste Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder sogar schon Kissing Spines! Das trifft hart, denn man hatte alles versucht, um es richtig zu machen.

Im Sommer kommen die Pferde mit dem Befund oft noch recht gut zurecht, aber im Winter wird es vielfach eng: Die Pferde unwillig, manchmal abweisend, sie sind empfindlich im Rücken beim Putzen und beim Sattel. Oft sind sie beim Reiten steif, zu Beginn hölzern oder sogar lahm. Sie haben offensichtlich Schmerzen. Man packt Decke über Decke drauf, aber die Muskeln wollen selbst nach langem Reiten irgendwie nicht locker werden.

Liegt das am Befund?

In den meisten Fällen entwickeln sich Kissing Spines und andere Rückenprobleme des Pferdes durch fehlerhaftes Reiten und Ausbilden: mit zu viel Handeinwirkung, fehlerhafte Aufrichtung, zu eng im Hals, die Nase dauerhaft hinter der Senkrechten, zu hohem Tempo oder permanentem Untertempo, zu wenig Aktivität aus der Hinterhand, falsch verstandener oder keiner Anlehnung, zu wenig Gymnastizierung.

Decken helfen da nicht. Medikamente können das Problem auch nicht lösen, denn die Ursache beseitigen sie nicht. Ein Pferd mit Rückenproblemen muss auch im Winter nicht lahm gehen. Sind Muskeln richtig entwickelt, dann macht ihnen die Kälte nicht mehr aus als einem gesunden Pferd.

 

Fütterung und Haltung

Viel Weide und Freilauf – auch im Winter

Der Freilauf ist für ein Pferd mit Rückenproblemen oder Kissing Spines sehr wichtig. Denn je mehr Bewegung das Pferd hat, umso schneller können sich auch Verspannungen lösen. Das Pferd ist ein Bewegungstier und deshalb sollte es die Möglichkeit haben, sich tägliche viele Stunden frei zu bewegen. Ein bekannter Satz lautet: „Heute stehen sich viele Pferde kaputt“. Daran ist leider viel Wahres dran. In einer Box nimmt das Pferd vielfach eine unnatürliche Haltung ein. Das führt alleine schon durch stundenlanges Stehen zu Fehlbelastungen und bei vielen Pferden zu Verspannungen.

Die Box sollte groß, hell und gut belüftet und mit Fenster oder besser noch einem Paddock ausgestattet sein. So kann das Pferd an seiner Umwelt teilhaben und sich wenigstens etwas bewegen.

Daneben sollte 24 Stunden täglich der Zugang zu Raufutter gegeben sein. Das Kraftfutter abgestimmt auf die Bedarfe des Pferdes und das Zusatzfutter auf das reduziert, was notwendig ist. Manchmal ist weniger mehr.

Ausreichend Weidegang ist unverzichtbar für die Gesunderhaltung des Pferdes.

 

Massage hilft!

Massage hilft, Muskeln zu entspannen und zu lockern. Es kurbelt die die Durchblutung an und hilft, angeregtes Gewebe zu entspannen. Mit Massage kann man das Pferd von Kopf bis zum Schweifansatz lockern und ihm eine wirkliche Entspannung bringen. Die Pferde genießen diese wohltuende Berührung.

In unserem Buch „Massage – so wird’s locker“ findet der Leser viele interessante Tipps, Erklärvideos und Massagetechniken, die helfen, dass auch Pferde mit Rückenproblemen und anderen gesundheitlichen Einschränkungen wieder ein entspanntes Pferdeleben führen können. Das Buch kann jetzt schon über massage@los-gelassen.com zu einem Preis von € 16,99 bestellt werden.

 

Es gibt viele Gründe, sein Pferd zu massieren:

Verspannungen

Verspannungen entstehen schnell und sie können vielfältige Ursachen haben. Massage kann helfen, diese zu reduzieren oder zu beheben. Es ist jedoch immer sinnvoll, nach den Ursachen für die Verspannungen zu suchen und diese dann nach Möglichkeit zu beseitigen.

Für Verspannungen durch Stress kommen viele Gründe in Frage: Der Umzug in einen neuen Stall, einer neuer Boxennachbar, an anderer Weidekumpel, ein neuer Sattel, der erste Hufbeschlag, eine Futterumstellung. Nicht jedes Pferd zeigt seinen Stress. Durch regelmäßiges Massieren entwickelt man ein Gespür für die kleinste emotionale Belastung seines Pferdes!

  

Hufe oder Beschlag

Stellungsfehler können beim Pferd genauso zu Fehlbelastungen führen wie ein fehlerhafter Beschlag, unpassende Hufschuhe oder eine falsch ausgeschnittener Huf. Das kann zu Überlastungen des Bandapparates, zu falscher Belastung von Gelenken und Muskeln führen. Verspannungen sind dabei meist die ersten Signale, die auf weitere Probleme hinweisen.

9-jähriges Pferd mit massiven Stellungsfehlern. Hier kann der Hufschmied nur noch Schadensbegrenzung betreiben und versuchen, über eine vorsichtige Hufkorrektur, weitere Schädigungen zu vermeiden.

Bild rechts: 8-jähriges Pferd mit korrekter Hufstellung und NBS-Eisen (Eisen ohne Aufzüge).

 

Werden Stellungsfehler über Jahre nicht korrigiert, dann entstehen auch Belastungen auf andere Strukturen im Körper des Pferdes. Das können Fesselträger- oder Sehnenschäden sein oder auch eine sich fehlerhaft entwickelnde Muskulatur. Selbst Rückenprobleme können ihren Ursprung in einer fehlerhaften Hufbearbeitung haben.

Daneben ist natürlich auch der Sattel und seine Passform eine riesen Thema. Der Markt bietet heute sehr viele unterschiedliche Produkte und man steht schon allein aufgrund der Menge der Angebote nicht selten davor und weiß überhaupt nicht, wie man sich entscheiden soll…

 

Sattel und Zaumzeug

Der Sattel muss passen und das immer und egal in welchem Alter des Pferdes. Ein nicht passender Sattel führt zu Verspannungen, Schmerzen und irgendwann auch zu Entzündungen. Da das Pferd dem Schmerz nicht ausweichen kann, wird es sich selbst falsch belasten, um dem Druck zu entgehen. Das führt dann zu Überlastungen auch an anderen Stellen im Körper.

Los-gelassen-Dressursattel. Entwickelt mit Frank Wohlhorn auf Passier.de unter Private Labels

Der Sattel muss zum Pferd, aber auch zum Reiter passen. Dabei ist ein Sattel mit einer flachen und breiten Sitzfläche und wenig Pauschen besser geeignet, unverspannt im Schwerpunkt des Pferdes zu sitzen, als ein Sattel, der den Reiter in eine unbewegliche Sitzposition manövriert und ihn dazu verleitet, sich an dicken Pauschen mit den Oberschenkeln festzuklemmen…

Das Gleiche gilt für ein unpassendes Zaumzeug oder ein Gebiss, das nicht zum Pferd passt oder die falsche Legierung hat. Schon die Größe und Passform des Stirnbandes entscheidet über Verspannungen oder Unverspanntheit am Kopf. Verspannungen am Kopf führen dann zu Verspannungen am ganzen Körper.

Gut passende Trense und dem Pferdemaul entsprechend richtig liegendes Gebiss.

 

Massage bei Verletzungen

Das Pferd hat sich gezerrt, vertreten, es sind Blockaden vorhanden oder es ist verletzt. Das alles kann zu Verspannungen führen und kann eine Massage notwendig machen oder aber auch genau das Gegenteil bewirken.

In einem solchen Fall sollte man zuerst mit seinem Tierarzt klären, ob die Situation des Pferdes eine Massage erlaubt. Das gleiche gilt für Arthrosen oder Kissing Spines. Bei einem Pferd mit Spatbefund sollte man auf bestimmte Dehnungsübungen verzichten. Sie könnten dem Pferd massive Schmerzen bereiten und in Verletzungen enden.

Bei Entzündungen sollte man weder Massieren noch Dehnungsübungen machen. Manchmal braucht der Körper erst einmal Ruhe, damit er sich erholen kann.

 

Noch mehr Vertrauen schaffen

Ein Grund ist, das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd zu stärken und ein noch besseres Gefühl für sein Pferd und seine Bedürfnisse zu entwickeln. Dann ist es natürlich eine tolle Wellnesseinlage, wenn da einer steht, der einen einmal so richtig durchwalkt, alles wieder gut durchblutet ist und Pferd sich wieder locker und elastisch fühlt.

 

Solarium, Magnetfeld und Co.

Solarium und Magnetfeld sind gute Möglichkeit, Muskeln zu erwärmen, die Durchblutung anzukurbeln und Entspannung zu schaffen. Beides kann man vor und nach dem Reiten sehr gut einbinden.

 

Das richtige Longieren

Bei Rückenproblemen verspannen sich bei Fehlern beim Longieren und Reiten die mit Pfeilen markierten Bereiche.

 

Beim Longieren gibt es so viele unterschiedliche Ansätze und Überzeugungen, dass es fast nicht möglich ist, den richtigen Weg zu gehen. Ganz zum Schluss entscheidet die Gesundheit des Pferdes, was richtig und was falsch ist. Bei Pferden mit Rückenproblemen kommen immer viele Komponenten zusammen, die es möglich machen, dass sich ein Pferd wieder schmerzfrei bewegen kann oder aber auch nicht. Egal, welche Überzeugung man haben mag, man kommt nicht daran vorbei, dass der Rücken zum Schwingen kommt und das geht nur über Gebiss, Trense, Longierfutt oder Sattel und Dreiecks- oder Lauferzügel.

Pferde mit Rückenproblemen müssen in den meisten Fällen erst wieder lernen, dass der Rücken als Bewegungszentrum zum Schwingen kommen muss und dazu braucht es ein Gebiss, die korrekte Anlehnung, die richtige Halsfreiheit, das richtige Tempo und ein Hinterbein, das wieder durchtritt. Darüber lässt sich nicht disktutieren!

https://los-gelassen.com/gallery/aufbautraining-beim-pferd-so-bereite-ich-es-vor/

 

Die Reiteweise entscheidet!

Das Ziel ist immer die Losgelassenheit des Pferdes. Wird diese erreicht, verspannt sich ein Pferd nicht! Sieht zufrieden, rund und gut bemuskelt aus.

 

Über die unterschiedlichen Reitweisen werden endlose Diskussionen geführt und jeder glaubt, für sein Pferd den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Was richtig war und was nicht entscheidet die Gesundheit des Pferdes.

Neben Rückenproblemen gehören heute auch Fesselträger- und Sehnenschäden, frühzeitiger Verschleiß zu den Erkrankungen, die in ganz vielen Fällen auf falsches Reiten und eine fehlerhafte Ausbildung zurückzuführen sind.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit richtigen und falschen Wegen in der Ausbildung des Pferdes und habe Bücher über die Losgelassenheit, die korrekte Ausbildung und Rückenprobleme veröffentlicht. Die Erfahrung zeigt, dass man bei dem eingeschlagenen Ausbildungsweg immer auch die Aspekte der funktionellen Anatomie berücksichtigen muss, wenn man sein Pferd gesund erhalten will.

Unter diesem Gesichtspunkt ist ein Reiten nach den überlieferten Grundsätzen der Ausbildung sicherlich der einzige Weg, um ein Pferd langfristig gesund zu erhalten. Daneben ist der Faktor Zeit unverzichtbar. Nichts muss heute vom Pferd erlernt werden. Alles hat auch Zeit für die nächste Woche oder den nächsten Monat.

Regelmäßiges Ausreiten, viel Weidegang und alle 4-5 Tage einen Tag ohne Training helfen dem Pferd, sich zwischendurch immer wieder zu erholen. Das ist wichtig für die Psyche und auch für den Körper des Pferdes.

 

Überlastungen

Eine solche Reitweise führt schon bei jungen Pferden zu massiven Fehlbelastungen.

 

Wenn es dauerhaft zu einer Überlastung des Muskelapparates durch zu viel oder fehlerhaftes Training kommt, ist das neben einer Fehlbelastung von Gelenken, Bändern, Sehnen und Verspannungen auch mit extremem Stress für das Pferd verbunden. Verspannte Muskeln sind verhärtete und auch verkürzte Muskeln. Massage und Dehnungsübungen können dem Pferd helfen, eine körperliche Entspannung herbeizuführen. Unverzichtbar ist es, das Trainingspensum und die Anforderungen den Möglichkeiten des Pferdes anzupassen und gegebenenfalls zu reduzieren.

Auch sollte man sich nicht zu hohe Ziele setzen und immer wieder daran denken, dass auch ein Pferd viel Zeit braucht, um Gelerntes zu verinnerlich, auch schlechte Tage hat und vielleicht nicht alles das leisten und erreichen kann, was wir uns wünschen und vorstellen.

Wenn es einmal so ist, kann es sinnvoll und richtig sein, einen Tag Wiesenpause einzulegen, vielleicht einfach nur im Gelände Bummeln zu gehen, damit sich das Pferd auch innerlich loslassen kann. Nicht immer ist es angebracht Lektionen, Sprünge oder Reiten im schweren Gelände zu trainieren.

Pferde lernen langsam und so müssen die Anforderungen den Möglichkeiten des Pferdes angepasst sein. Die Muskeln des Pferdes wachsen ebenso langsam. ‚Viel Training hilft viel‘ ist also nicht unbedingt richtig. Deshalb sollte man immer wieder Pausen einlegen und dem Pferd Ruhe und Entspannung gönnen.

 

 

Wenn man es schafft, ein solches System zu initiieren, dann sind Rückenprobleme auch im Winter kein Problem und die Pferde bewegen sich innerlich und äußerlich losgelassen und unverspannt…

 

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Wenn Pferde ausweichen

Ein Satz, den mir mein alter Reitlehrer schon in meiner Kindheit beibrachte heißt: „Die Schultern des Reiters parallel zu den Schultern des Pferdes und die Hüften des Reiters parallel zu den Hüften des Pferdes.“

Korrekt auf die gebogene Linie eingestelltes Pferd. Sitz und Einwirkung der Reiterin sind richtig. Die Nase des Pferdes ist bei ausreichend vorgelassenem Hals an der Senkrechten. Die innere Hand ist allerdings leicht verdreht und kann ein gefühlvolles Nachgeben aus dem Handgelenk stören.

 

 

In den letzten Tagen habe ich mit einer guten Freundin Sitzübungen an der Longe gemacht. Der Grund: Sie hatte festgestellt, dass ihr Pferd an der langen Seite immer wieder nach innen drängt. Auch beim Durchreiten der Ecken machte sich das Pferd schief und versuchte auszuweichen. Sie versuchte das Pferd wieder nach außen in Richtung Hufschlag zu reiten, aber es wollte nicht gelingen. Im Gegenteil, das Pferd drängte immer weiter in die Mitte der Bahn…..

Wie kann es passieren, dass das Pferd an der langen Seite nach Innen in die Bahn drängt, Ecken nicht mit korrekter Stellung und Biegung durchritten werden können und Zirkel und Volten alles andere als rund werden, egal wie sehr man sich bemüht?

Nicht selten liegt es am Verdrehen im Oberköper. Schaut man die Richtlinien Reiten und Fahren hinein, wird da vom Einknicken in der Hüfte, von verdrehtem Oberkörper zwar gesprochen, welche Auswirkungen es allerdings auf den gesamten Sitz und die reiterliche Einwirkung hat, wird einem erst richtig bewusst, wenn es geradeaus nicht mehr geradeaus geht und Zirkel und Volten eher Eier als „Kreise“ sind, da das Pferd in alle Richtungen ausweicht oder schon lange vor Erreichen des Hufschlages in Richtung Bande drängt, sich dabei verwirft, sich heraushebt oder kaum mehr auf die Hilfen des Reiters reagiert.

 


Die Reiterin ist im Oberkörper verdreht, die rechte Schulter hochgezogen, die Hände über den Kamm geführt. Das Pferd wird so ausweichen/über die Schulter wegdrängen, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen.

 

Warum Pferde ausweichen (müssen)

Man muss es einfach einmal ausprobieren und wird überrascht sein, wie schnell das Pferd aus dem Gleichgewicht kommt, wenn der Reiter beim Reiten auf dem Zirkel oder auch auf der Geraden nur die innere Schulter nach vorne schiebt und sich dabei leicht nach Außen verdreht. Oft fällt es einem selbst nicht auf. Vor allem dann nicht, wenn man dabei nach vorne schaut. Allein durch das Verdrehen des Oberköpers beispielsweise nach Außen verändert sich das Zügelmaß. Die Bahn-innere Hand geht zu weit nach vorne, die äußere Hand zu weit nach hinten. Das Pferd ist so nach außen gestellt. Die Anlehnung ist nicht mehr korrekt. Die Hände stehen nicht selten unterschiedlich hoch. Halbe Paraden oder auch ein gefühlvolles Nachgeben mit der Bahn-inneren Hand sind nicht mehr möglich. Schulterpartie, Ellbogen und Handgelenke sind verspannt. Durch den verdrehten Oberkörper wirkt die äußere Hand rückwärts und das Pferd ist im Heben und Vorführen von äußerer Hüfte und Schulter behindert, weicht dadurch dann zwangsläufig über die innere Schulter nach Innen aus. Auch die Lage der Schenkel verändert sich automatisch, die Beckenstellung des Reiters ebenfalls. Viele Reiter schieben dann unbewusst den Bahn-inneren Schenkel sehr weit nach zurück und der zur Bande hin, liegt manchmal schon fast vor dem Gurt an der Schulter des Pferdes.

Andere wiederum verdrehen sich im Oberkörper und dabei wird die Hüfte zu weit nach hinten oder nach vorne geschoben. Das Becken kippt und der Schenkel schiebt sich in die falsche Richtung, die Fußspitze wird nach außen gedreht und das Knie liegt, meist hochgezogen nicht mehr am Sattelblatt. Auch das zwingt das Pferd zum Ausweichen.

Oft macht man in dieser Situation dann genau das falsche: Man verkürzt den äußeren Zügel noch weiter und verdreht sich noch mehr im Oberkörper, um das Pferd zum Hufschlag zurückzureiten. Ergebnis: Das Pferd schiebt noch weiter schief in die Bahn hinein.

Wenn solche Sitzfehler einmal verinnerlicht sind, ist es gar nicht so einfach, sie abzustellen. Einem selbst ist das Verdrehen des Oberkörpers nicht bewusst und man ist sicher, man sitzt gerade im Schwerpunkt. Sich dann zu zwingen, die innere Schulter nach hinten und die innere Hand unabhüngig von der Schulterbewegung gefühlvoll im Nachgeben zu erhalten, so dass auch in der Wendung die Schultern von Reiter und Pferd parallel sind, die innere Hüfte nach vorne zu führen, ist gar nicht so einfach, denn der verdrehte Sitz ist normal. Man hat anfangs sogar das Gefühl, dass diese Korrektur eher das Gegenteil bewirkt. Wenn man dann im Schwerpunkt und gerade sitzt, kommt es einem richtig „schief“ vor.


Die rechte Schulter zu weit nach vorne geschoben, der rechte Schenk ist für den Rechtsgalopp zu weit nach hinten verlagert.

 

Das kann helfen, wenn Pferde ausweichen!

Um das für sich selbst zu überprüfen oder an der Longe zu üben hilft es, eine Gerte mit beiden Händen zu fassen und diese in Höhe der Schulterpartie des Pferdes zu führen und den Wendungen entsprechend anzupassen. Dann kommt die Schulter des Reiters automatisch an den richtigen Platz. In dem Fall, die innere Schulter wieder nach hinten. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man sich durch die Konzentration auf die Gerte nicht in der Schulterpartie verspannt.

Mit dieser Übung kann man überprüfen, ob man dazu neigt, sich im Oberkörper zu verdrehen  und ob die Handhaltung korrekt ist. Das lässt sich auch sehr gut bei Sitzübungen an der Longe einbinden.

 

Neben Sitzübungen an der Longe, mit denen sich sehr gut eigene Verspannungen und fehlerhafte Haltung korrigieren lassen, hilft auch eine konsequente Sitzkorrektur durch einen guten Ausbilder.

Wenn man seinen Sitz bei täglichen Reiten selbst immer wieder überprüfen möchte, kann man folgende Lektionen reiten:

Die kleine Acht im Schritt geritten ist dabei eine sehr gute Lektion. Wenn man sie im Mittelschritt am langen Zügel reitet, sollte der Zügel bei vorgelassenem Hals so lang sein, dass sich das Pferd vorwärts-abwärts an die Hand herandehnen kann. Wenn man dann in den aufeinander folgenden Wendungen – auf den korrekten Sitz achtend –mehrere Achten hintereinander reitet, wird man nach einiger Übung zwei gleich große und gleich runde Bögen reiten könne. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, den inneren Bügel vermehrt auszutreten. Die Schultern sollten sich parallel zu den Schultern des Pferdes befinden, die Hände mit lockerem Handgelenk in der richtigen Position gehalten werden, so dass man dadurch Halbe Parade am äußeren Zügel alle zwei bis drei Schritte geben kann, die mit einem gefühlvollen Nachgeben der inneren Hand enden. Mit der Zeit wird das Pferd in der Rippenpartie geschmeidiger und wird sich korrekter Stellung und Biegung auf den gebogenen Linien bewegen.

Wird die Acht auch nach regelmäßigem Übung nicht rund, weicht das Pferd immer wieder über Schulter nach außen oder auch mit der Hinterhand traversartig nach Innen aus oder wendet einfach überhaupt nicht ab, weiß man, dass man sich irgendwo und irgendwie verdreht.

 

Eine weitere sehr gut geeignete Übung ist es, mehrere Volten hintereinander an der gleichen Stelle anzusetzen und Volten in den Ecken zu reiten. Zu Beginn sollte man die Volten mit einer Größe von 10 Meter reiten. Erst im Schritt und wenn diese gleichmäßig rund sind auch im Trab. Bei verbesserter Rippengeschmeidigkeit kann man sie nach einiger Zeit auf acht Meter verkleinern. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Pferd weder über die Schulter auszuweichen versucht noch den Zirkel mit der Hinterhand herein traversartig durchschreitet.

Die Volte in der Ecke hat noch eine Besonderheit: Pferde, die noch nicht gerade gerichtet sind oder auch wenn der Reiter sich im Oberkörper verdreht, drängen – vor allem wenn die Hilfen nicht korrekt zusammenwirken – gerade dabei in Richtung Bande weg oder kommen schon bei der Einleitung der Volte traversartig aus der Ecke. Stellt sich dieser Fehler ein, ist das ein Hinweis, seinen Sitz nochmals zu überprüfen.

Hat man einen Helfer zur Verfügung kann man solche Momente auf Video aufnehmen, um anschließend zu überprüfen, woran es hängt. Das schult das eigene Auge und man bekommt ein Gefühl dafür, wann sich der Fehler eingestellt hat.

Bei engeren Wendungen wie Volten oder die Acht kann es bei Pferden mit Rückenproblemen vorkommen, dass sie versuchen auszuweichen wie oben beschrieben. Dann kann es notwendig sein, einen Tierarzt oder Osteotherapeuten zu konsultieren.

Beim Reiten und Ausbilden eines Pferdes kommen fast immer mehrere Faktoren zusammen, wenn es irgendwo hängt.

Mein Pferd ist viel zu dünn…..

Man füttert und füttert – ausgewogen – mit Mineralfutter, Kraftfutter, Zusatzfuttermitteln, Raufutter und und und….. Und es passiert nichts! Das Pferd nimmt nicht zu. Das Blutbild scheint keinen Hinweis auf Mangelerscheinungen zu geben, auch die Zähne sind gemacht… Was kann man dann noch tun? Woran mag es liegen?

Das ist mein erster Fall vor vielen Jahren gewesen. Da wir das kontinuierlich dokumentiert haben, veranschaulicht das Bildmaterial, dass es möglich ist, aus einem einstmals kranken Pferd wieder ein „gesundes“ und zufriedenes Pferd zu machen!

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Stark abgemagertes Pferd, dem immer ausreichend Kraft- und Raufutter zur Verfügung steht!

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Das gleiche Pferd fünf Wochen später! Wie mag das gehen?

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Das gleiche Pferd weitere drei Monate später!

Je nach gesundheitlicher Situation hat ein Pferd irgendwann einen Punkt erreicht, wo es den Körper so viel Kraft kostet, gegen Fehlbelastungen, Schmerzen und Entzündungen sowie Stress anzukämpfen, dass ihm quasi keine Kraft mehr bleibt, sich selbst zu versorgen. Das ist dann Alarmstufe rot!

In dem Fall dieses Pferdes haben wir versucht, alle Rahmenbedingungen zu berücksichtigen:
– tierärztliche und röntgenologische Untersuchung, um den exakten Befund abzuklären (in dem Fall: Kissing Spines im fortgeschrittenen Stadium)
– Vergabe von Schmerz- und Entzündungshemmenden Medikamenten über einen mit dem behandelnden Arzt abgeklärten Zeitraum
– einen passenden Sattel
– passendes Gebiss und Zaumzeug
– der richtige Beschlag
– kontinuierliche Behandlungen durch den Osteotherapeuten
– tägliche Übungen, Massage und Gymnastik

Das alles haben wir mit dem auf die Möglichkeiten des Pferdes abgestimmten Trainings- und Aufbauprogramm verbunden. Viel ins Gelände ausreiten, Klettern gehen, Zügel aus der Hand kauen lassen, erste grundlegende Dressurlektionen und dem Pferd die Zeit geben, die es braucht.
Das ist bei jedem Pferd unterschiedlich. Der eine nimmt früher zu, der andere braucht länger. Wenn dann keine massiven organischen Schäden vorliegen, dann kann jedes Pferd wieder zunehmen und sich wohlfühlen in seinem Körper und mit seinem Menschen 🙂

 

So wird der Galopp so richtig GUT!

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Ein Pferd zu besitzen, das von Natur aus mit einem guten Galopp ausgestattet ist, ist natürlich das einfachste. Da muss man nur noch versuchen, diesen während der Ausbildung zu erhalten. Galopp kann man mit den richtigen Übungen und Lektionen jedoch auch verbessern … Durch reiterliche Fehler allerdings leider auch verschlechtern.

 

 

Zu viel zu früh versammelt…

Spätestens, wenn es an die Versammlung geht, leidet bei vielen Pferden die Qualität des Galopps. Es wird versammelt, versammelt und nochmals versammelt. Bis von dem einstmals gut durchgesprungenen Galopp nur noch ein laues „Hüpfen“ bleibt.

Das nicht zuletzt auch, da das Pferd durch dauernde Versammlung schneller ermüdet und ihm die Muskeln schmerzen. Über zu viel und falsch verstandene Versammlung stehen die Muskeln dauerhaft unter falscher Spannung (Verspannung), werden schlechter durchblutet und Stoffwechselprodukte werden nicht ausreichend ausgeschwemmt.

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Nach jeder Versammlung sollte eine Verstärkung erfolgen! Das macht den Rücken locker, Spaß an der Bewegung und den Galopp so richtig ausdrucksstark!

 

 

Ein Muskel wächst durch Übung und zwar immer dann, wenn er gemäß seiner natürlichen Funktion beansprucht wird. Er wird gleichmäßig durchblutet und dadurch besser ernährt. Er wird mit der Zeit dicker, was man Arbeitswachstum nennt. Wird er hingegen über einen längeren Zeitraum einer falschen Belastung und damit verbunden falscher Spannung ausgesetzt, zu einer Tätigkeit veranlasst, die er auf Sicht nicht vollbringen kann, wird er nicht wachsen. Fehlerhafte Belastungen haben Ernährungsstörungen im Muskel zur Folge. Es kommt zu keinem weiteren Aufbau von Muskelsubstanz. Der Muskel nimmt trotz permanenten Reitens und Trainierens ab. Darüber hinaus verliert der Muskel an Elastizität, er verhärtet und ist verkrampft.

Pferde, die kontinuierlich einer solchen Muskelbelastung ausgesetzt sind und dazu gehört auch die fehlerhafte Arbeit im Galopp werden dünner, kantiger. Selbst eine gute Fütterung kann das nicht aufhalten.

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Die Nase muss vor. Ein Pferd, vor allem ein 3-jähriges Pferd, auf diese Art zu reiten ist ein absolutes No-Go. Auch das Aussehen des rechten Pferdes (von hinten) spricht Bände. Eine komplett fehlerhafte Bemuskelung als Ergebnis falschen Reitens!

 

 

Was läuft falsch, wenn der Galopp immer schlechter wird?

Wie auch bei allen anderen Dingen in der Reiterei hat es meist mehrere Gründe, warum die Qualität der Grundgangarten leidet. Der Schritt nicht mehr geregelt ist, der Trab hölzern bis hin zur Zügellahmheit, der Galopp ohne klaren Dreitakt, die Sprünge flach ohne Durchsprung, teilweise bis hin zu Vierschlag.

Es hängt an mangelnder Losgelassenheit, an Verspannungen, an der fehlerhaften Anlehnung, am zu kurzen Zügel, an der nicht vorgelassenen Nase, an der mangelnden Dehnung des Halses, an dem Hinterbein, was nicht aktiv abfußt, an der mangelnden Elastizität des Pferdes insgesamt – fast immer herbeigeführt durch reiterliche Fehler!

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Die Nase an der Senkrechten, zur Kontrolle immer wieder überstreichen und sein Pferd loben, unterstützen ehrliche Losgelassenheit und schaffen Freude an der Zusammenarbeit mit dem Reiter!

 

 

Gerade wenn es um Versammlung geht, machen Reiter elementare Fehler, die dann darin enden, dass die Pferde entweder ihre gesamte Bewegungsfreude verlieren oder hochgradig explosiv werden, durchgehen, bocken, widersetzlich sind. Viele Reiter versuchen das dann damit zu unterbinden, dass die Zügel noch eine Idee kürzer genommen werden, damit die Pferde nicht von der Fahne gehen und der Galopp noch weiter zurück genommen wird – von Hand. Charakterlich schwierige Pferde werden dadurch noch widersetzlicher, unsichere Pferde ängstlich, wieder andere galoppieren gar nicht mehr an. In allen Fällen geht nicht nur der gute Galopp verloren, sondern die Pferde werden mit Zeit krank!

_DSC3424Foto: Katja Stuppia

Die Nase ist ausreichend vorgelassen. Der Galopp ist gut durchgesprungen

 

 

Den Galopp und seinen korrekten Durchsprung muss man „fordern“ (im positiven Sinne). Man muss jeden Sprung so reiten, als wollte man in dem Moment angaloppieren. Alle zwei bis drei Sprüngen eine halbe Parade geben und darauf achten, dass das Hinterbein durch den treibenden inneren Schenkel aktiv unter den Schwerpunkt springt. Das erreicht man durch das richtige Zusammenwirken der Hilfen. Das gilt für die Versammlung genauso wie für den Arbeits-, Mittel- oder Starken Galopp.

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Das Pferd ist verspannt. Unruhiger Schweif, Rücken weg gedrückt, Nase hinter der Senkrechten, Maul offen, Reiterhand wirkt rückwärts. Das Pferd steht unter Stress. Das rechte Hinterbein kann nicht nach vorne springen, das Pferd weicht deshalb mit der Kruppe nach oben aus.

 

 

Wie erreicht man, dass der Galopp wieder ausdrucksvoller – also besser – wird?

Nach jeder Versammlung muss eine Verstärkung erfolgen sowie nach jedem Zulegen ein Einfangen. Wie bei einem Blasebalg muss man sich das vorstellen.

Häufige Trab- Galopp-Übergänge unterstützen die Losgelassenheit und verbessern die Schwungentwicklung aus der Hinterhand.

Beim weiter gerittenen Pferd kann man die Anforderung in den Übergänge steigern, indem man Übergänge vom versammelten Trab in den versammelten Galopp oder angaloppieren aus dem Schritt reitet. Das macht den Galopp ausdrucksvoller, das Pferd lässt sich los und der Muskelaufbau wird unterstützt. Allerdings nur, wenn auch die Nase immer ausreichend vorgelassen wird, die Anlehnung konstant erhalten bleibt, der Zügel nicht durchhängt. Ein durchhängender Zügel ist in dem Zusammenhang immer ein Hinweis, dass das Pferd das Gebiss nicht annimmt, den Rücken nicht hergibt, das Hinterbein nicht ausreichend aktiv abfußt, die Hinterhand also nicht tätig ist und so der Schwung aus der Hinterhand nicht sichergestellt ist.

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Im Gelände im leichten Sitz im frischen Galopp vorwärts reiten, dabei Zügel aus der Hand kauen lassen und/oder bergauf zu galoppieren, verbessern nicht nur die Qualität der Grundgangart, sie schaffen auch (wieder) Bewegungsfreude beim Pferd und das ist der erste Schritt zu einem guten Galopp.

Geht man nicht häufig ins Gelände oder ist noch ein wenig unsicher, sollte man ein routiniertes Begleitpferd mitnehmen. Wichtig ist, nicht aus der eigenen Unsicherheit heraus den Zügel immer kürzer fassen oder wenn das Pferd übermütig einmal „Gas geben“ will, es mit groben Hilfen oder gar Schlaufzügeln zurückführen zu wollen. Dadurch wird sich das Pferd umso mehr verspannen. Außerdem etabliert sich in seinem Gedächtnis, dass ein Ausritt Stress bedeutet und es wird dann für die Zukunft nicht einfacher.

Bei sehr gespannten Pferden kann es helfen, bergauf zu galoppieren und bis zu einer gewissen Steigung auch zulegen. Wenn das Pferd oben angekommen ist, ist die Luft im Allgemeinen raus J.

Wenn es dann noch zufrieden und entspannt abschnaubt, hat man alles richtig gemacht.

Genau wie Schritt und Trab helfen darüber hinaus natürlich alle Übungen und Lektionen, die die Geschmeidigkeit in der Rippenpartie, das Geraderichten und die Lastaufnahme der Hinterhand verbessern.

Die Arbeit an der Longe kann helfen, den Galopp zu verbessern, wenn das Pferd mit Dreieckszügeln oder Laufferzügeln so lang ausgebunden ist, dass sich in korrekter Dehnungshaltung in die Tiefe strecken kann.

 

Es ist die Vielseitigkeit in der Ausbildung und die Abwechslung, die man für sein Pferd sicherstellen sollte. Dann leidet auch kein Galopp, die Pferde haben Freude an der Bewegung und bleiben bis in hohes Alter gesund!

 

Wir freuen uns auf Eure Kommentare 🙂

 

Pferde denken anders …..

So denkt unser Partner Pferd!

„Die Wertschätzung zwischen Reiter und Pferd muss auf Gegenseitigkeit beruhen; in diesem Sinne unterwerfen auch wir uns dem Pferd.“

Charles de Kunffy
„Ethik im Dressursport“

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Die Psyche des Pferdes verstehen …

… Ist der Weg zu Harmonie und Vertrauen…

Denkprozesse, psychische Befindlichkeiten und daraus entstehende Handlungsweisen eines Pferdes zu verstehen, macht den Umgang und die Ausbildung eines Pferdes einfacher. Lässt man Gefühle und Bedürfnisse des Partners Pferd außer Acht oder berücksichtigt sie in der Ausbildung nicht in der notwendigen Weise, kann dies schnell zu unüberwindbaren Hindernisse, größeren Problemen und langfristig zu gesundheitlichen Schäden führen. Auch der Aufbau der Muskulatur eines Pferdes ist bis zu einem bestimmten Grad von einer stressfreien Ausbildung abhängig.

 

Wenn man sich mit der Psyche des Pferdes, seinen Denk- sowie Handlungsprozessen etwas intensiver auseinandersetzt, kann man lernen, das Pferd, seine „Wünsche“ und Bedürfnisse, Ängste und „Sorgen“ besser zu verstehen und mit diesem Wissen eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Aus dem System Mensch – Pferd kann so eine richtige und gut funktionierende Partnerschaft geschaffen werden. Die Zuneigung seines Pferdes zu erlangen und Leistungen abzufragen, die oft nur möglich sind, wenn das Pferd Spaß, Freude und Vertrauen zu seinem Reiter/Besitzer hat.

Das Verständnis für die Psyche des Pferdes hilft beim Reiten und Ausbilden außerordentlich. Man kann auf einfache Weise Missverständnisse und Fehler vermeiden. Das bedeutet bei der täglichen Arbeit, dass sich Übungen und Lektionen vom Pferd leichter verinnerlichen lassen und dass beispielsweise das erste Einüben neuer Lektionen beim Pferd zu wenig oder keinem Stress führen. Im Gegenteil, das Pferd ist dann mit Elan und Freude bei der Sache! Motivation pur!

Keinen Stress zu haben heißt auf das Reiten bezogen auch, dass das Pferd bei passenden Rahmenbedingungen wie korrekt liegendem Sattel, passendem Zaumzeug und einem richtig und losgelassen auf dem Pferd sitzenden Reiter, der über eine korrekte und gefühlvolle Einwirkung und Hilfengebung verfügt, es schneller zu ehrlicher innere Losgelassenheit kommt, die dann wiederum die Basis für die äußere Losgelassenheit ist. Das Pferd macht beim Reiten und Ausbilden vertrauensvoll und motiviert mit, lässt sich los.

Über die richtige Arbeit und die ehrliche Losgelassenheit werden dann auch Muskeln an den richtigen Stellen korrekt aufgebaut. Die Muskeln spannen unverspannt an und ab. Das Pferd gibt den Rücken her. Der Rücken ist das Bewegungszentrum eines Pferdes. Er kann nur unverspannt arbeiten, wenn das Pferd zu innerer und äußerer Losgelassenheit kommt.

 

Vertrauen ist die Basis

„Die Ausbildung als Reitpferd sollte für das Pferd Sinn ergeben und motivierend sein, wobei auch mit Belohnung und Berücksichtigung der Instinkte und der Natur, aber vor allem auch der Beziehung und spezifischen Fähigkeiten des Pferdes gearbeitet wird. Ebenso darf der Gewöhnungsaspekt und der systematische Trainingsaufbau nicht vergessen werden sowie die genaue Kenntnis anatomischer, physiologischer Gegebenheiten, der Trainingslehre und der Biomechanik, also der Psychomotorik von Pferd und Mensch. Eine pferdegerechte Ausbildung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz.“

(Dr. Ulrike Thiel, „Die Psyche des Pferdes“).
Pferde denken anders als wir Menschen. Ihre Möglichkeiten zu denken, Zusammenhänge und Abhängigkeiten aufzubauen, sind auf die Lebensbedingungen eines Pferdes angepasst und haben sich über Jahrmillionen entwickelt. Von einem Pferd komplexe Gedankengänge zu erwarten, wie beispielsweise das Abwägen von Für und Wider und das Denken um Ecken, um sich selbst Vorteile zu verschaffen oder zu glauben, das Pferde Dinge tun, um uns Menschen zu schikanieren oder um uns „eins auszuwischen“, ist mehr als weit hergeholt. Das können Pferde nicht und sie können es auch nicht erlernen.

Pferde sind zu einer analogen Kommunikation und zu analogem Denken fähig und nicht mehr. Um ihr Leben zu meistern und um mit uns Menschen umzugehen, reichen diese Fähigkeiten allemal aus.  Pferde sind in diesem Zusammenhang äußerst anpassungsfähig.  Sie arrangieren sich mit dem Reiter auf ihrem Rücken. Sie stellen sich angsterregenden Umständen und furchterregenden und lauten Maschinen. Sie sind in der Lage bei richtigem und liebevollem Umgang eine innige Beziehung aufzubauen und sich auf das komplett anders funktionierende und anders denkende Lebewesen Mensch einzulassen. Sie sind dann sogar bereit – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – mit dem Menschen an Problemlösungen zu arbeiten. Dazu gehört unter anderem, dass sie sich darauf einlassen, den Reiter auf ihrem Rücken zu akzeptieren und mit ihm gemeinsam Freude an der Bewegung entwickeln und das obwohl der Reiter auf dem Rücken im ureigentlichen Sinne erst einmal das Raubtier ist (überliefert aus der Zeit als Steppentier, als das Pferd noch als wirkliches Fluchttier lebte), dass sich festkrallt, um das Pferd durch einen gezielten Biss ins Genick zu töten.

Pferde sind in der Lage, ihr ganzes Leben lang zu lernen und dabei auch ein gewisses Geschick zu entwickeln. Diese Fähigkeit kommt dem Menschen bei der Ausbildung des Pferdes sehr entgegen, denn es erlernt Übungen und Lektionen, Sprünge zu überwinden oder sich auf unkomplizierte Art und Weise auf neue Dinge einzulassen.

Diese Lernfähigkeiten können Pferde auch auf andere Dinge übertragen. Sie lernen mit dem geschickten Einsatz von Maul und oder Lippen die tollsten Dinge anzustellen. Das heißt, sie denken bis zu einem gewissen Grad auch komplex. Es gibt Meister im Boxentüren- und Weidezäune-Öffnen und Genies im Halfter ausziehen und unauffällig „Stiftengehen“. Diese Fähigkeiten erfordern die Intelligenz in einfachen Zusammenhängen zu denken und zu handeln. Nämlich: Wenn dieser Weidezaun offen ist, komme ich an das hohe Gras nebenan. So sind machen Pferde in der Lage mit endloser Geduld so lange mit Lippen und Maul an einem Zaun herumzubasteln, bis sich Tür oder Tor oder sogar die Litze öffnen lassen, ohne dass sich Pferde dabei verletzten oder gar einen Stromschlag einkassieren würde.

Um die Denkfähigkeiten eines Pferdes für den täglichen Umgang und in der Arbeit zu nutzen und um eine intensive Beziehung Mensch-Pferd aufzubauen, ist es wichtig zu lernen, Instinkte, Emotionen und Denken auseinanderzuhalten und bewusst mit den Dimensionen des Verhaltens des Pferdes umzugehen.

Das heißt für den Menschen unter anderem, dass er seine Anforderungen an das Lernen von beispielsweise Lektionen oder Übungen auf das Maß abstimmen und reduzieren muss, die das Pferd auch umsetzen kann, ohne dass die psychische Belastung zu hoch wird. Lernen beim Pferd geht wie beim Menschen. In kleinen Schritten vom Einfachen zum Schweren. Wer zu schnell und zu viel fordert, die Denkmöglichkeiten seines Pferdes überschätzt oder unberücksichtigt lässt, wer eigene Denkprozesse auf das Pferd überträgt und dann entsprechende Reaktionen und Verhaltensweisen erwartet und fordert, wird auf ganzer Linie scheitern.
Dieses Scheitern muss sich nicht unbedingt sofort in Widersetzlichkeiten wie Bocken, Steigen, Beißen oder Treten zeigen. Es kann sich in Unsicherheiten, Schreckhaftigkeit, Blockieren, in Darmproblemen, Verspannungen, Rückenproblemen bis hin zu Erkrankungen des Knochen- und Bandappartes darstellen und auch – wie heute leider immer häufiger – in Magengeschwüren und neurotischen Verhaltensweisen äußern. Klare Hinweise darauf, dass etwas grundverkehrt gelaufen ist.

Ein Pferd, dass sich wohlfühlt, dass Sicherheit in der Beziehung zu seinem Menschen findet, hat in den allermeisten Fällen schon ein ganz anderes Auge als ein Pferd, dass dauerhaft unter Stress steht, da beispielsweise die reiterlichen Anforderungen viel zu hoch sind!

 

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Junges Pferd mit entspanntem Gesichtsausdruck und aufmerksamem aber ruhigem Auge. Immer ein auch ein Hinweis darauf, dass das Pferd in der Ausbildung die Zeit hat, die es braucht, um die gestellten Anforderungen zu verarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

stress_blickPferd gleichen Alters wie das Pferd auf dem vorherigen Foto, dass aufgrund der reiterlichen Anforderungen und der fruchteinflössenden Umgebung (großes Turnier, viele Menschen, Gerüche und Geräusche) massiv unter Strom steht. Überforderung und Angst sind auch am Auge des Pferdes deutlich zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Pferd zu konditionieren… Ist das ein sinnvoller Weg in der Ausbildung?

„Wollen wir einem Pferd begreiflich machen, was es tun soll, und wollen wir auch, dass es dies umsetzt, dann müssen wir das am besten auf der Grundlage einer guten Beziehung und einer artspezifischen Grundlage tun….. Das ist etwas anderes, als nur auf künstiliche erzeugte „Knöpfe“ zu drücken, um eine Reaktion zu bekommen.“ (Dr. Ulrike Thiel)

Pferde sind in einem gewissen Maße in der Lage mitzudenken und bis zu einem bestimmten Grad „den Sinn einer Sache“ zu erkennen und Freude daran zu entwickeln. In der Ausbildung sollte man diese Möglichkeit nutzen und im Rahmen des Machbaren eines Pferdes auch weiterentwickeln. Dies alles muss natürlich in einem stressfreien Rahmen geschehen, damit das Pferd die Chance hat, sich auf das zu konzentrieren, was wir von ihm fordern.  Wann immer Stress und Unruhe entstehen, kann sich das Pferd nicht mehr in dem notwendigen Maß auf uns konzentrieren, da ihm die Fähigkeit fehlt, das eine vom anderen zu trennen. Es hat Stress und versucht den Auslöser der Stresssituation loszuwerden. Das geschieht in Form von Flucht. Flucht heißt nicht unbedingt, dass es in wilder Panik davon stürzen wird. Flucht kann auch bedeuten, einfach nur unruhig oder unkonzentriert zu sein.

Unter dem Gesichtspunkt richtiger und falscher Wege im Reitsport, gibt es heute sehr viel, was als pferdegerecht, Stress- und traumafrei verkauft wird. Wir wollen, dass es unseren Pferden gut geht und damit gehen wir gerne auch neue und andere Wege.
Sind diese Wege im Sinne der psychischen Belastung richtig oder falsch?
Kann sich das Pferd damit wohlfühlen?
Das entscheidet sich leider meist erst, nachdem man es über einen gewissen Zeitraum ausprobiert hat. Das Ergebnis kann dann ein positives sein, dem Pferd aber auch mehr schaden, als es ihm gut tut….

 

Im Sinne des Pferdes?

Diese Frage stellt man sich meist nicht.
Psychologen und Veterinärmediziner haben über Tests und Versuchsreihen festgestellt, dass alle Methoden, bei denen Pferden (auch Tiere allgemein) durch reine Geräusch-, Bewegungs-, Handhaltungs- etc. Systeme etwas beigebracht wird, ausschließlich ein „ Knopfdruckgehorsam“ etabliert wird. Dabei wird vernachlässigt, dass dem Pferd das Mitdenken unmöglich gemacht wird, denn es versteht den Sinn einer Handlung oder einer geforderten Verhaltensweise nicht. Es wird einfach nur konditioniert. Beispiel: „Wenn ich stehenbleibe, kriege ich ein Leckerli.“

Sein Verhalten wird also nur automatisiert und es kann sich in das System nicht einbringen. Die individuelle Pferdepersönlichkeit bleibt bei diesen Vorgehensweisen vollkommen unberücksichtigt. Man muss sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie stressfrei ist ein Ausbildungsweg, bei dem dem Tier das Denken abgewöhnt wird?

Auch sind solche Lernmethoden nicht geeignet, einem Tier unerwünschte Verhaltensweisen abzugewöhnen. Unerwünschtes Verhalten lässt sich nur durch „Löschung“ der Alten/fehlerhaften Verhaltensweise und dem Etablieren von Alternativen schaffen. Mit einem System aus Geräusch und Belohnung schafft man nur ein Reiz- und Reaktionssystem. Das Pferd lernt nicht zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist. Es lernt nur: Ich mache das und dafür kriege was….

Für eine Ausbildung unter dem Reiter sind solche Methoden und Systeme sicherlich wenig sinnvoll. Denn das Pferd lernt darüber nicht, sich mit Hilfen und Einwirkung des Reiters auseinanderzusetzen.

Pferde lernen sehr schnell, eine korrekte Einwirkung und Hilfengebung entsprechend umzusetzen und den „Vorschlägen“ ihres Reiters Folge zu leisten. Man wird überrascht sein, wie schnell ein junges Pferd das Angaloppieren lernt und wie schnell es begreift, wie eine Kehrtwendung funktioniert. Dabei wird der natürliche Impuls eines Pferdes etwas zu tun (z.B. mehr Bewegung durch Galoppieren, aktiver zu werden), durch den Impuls des Reiters unterstützt. So wie andere auf der Weide galoppierende Pferde den Außenreiz liefern, selbst anzugaloppieren, so liefert beim Reiten der Reiter diesen Außenreiz. Das Pferd führt den Impuls nur fort.

Wenn beide auf einander eingespielt sind, erscheint es für Außenstehende oft so, als würde der Reiter keine Hilfen erteilen, das Pferd auf das reine Denken seines Reiters reagieren. Es ist jedoch so, dass Reiter und Pferd in einem permanenten Dialog stehen und beide auf den kleinste Veränderung der Muskelanspannung oder Gewichtsverlagerung, minimale Veränderung in der Lage der Schenkel, halbe Parade reagieren können. Beide verarbeiten das Reiten also auch geistig, denken quasi gemeinsam nach und verarbeiten das getane und zu tuende gemeinsam. Sie ergänzen sich und das Pferd greift den Vorschlag seines Reiters zum Angaloppieren auf und setzt ihn um, da das Galoppieren ja unter anderem der natürlichen Bewegungslust des Pferdes entspricht.

Ein gefühlvoll einwirkender Reiter unterstützt somit die Bewegungsfreude seines Pferdes.

 

Richtig Reiten ist die Basis für Vertrauen!

Mit einem korrekten Sitz, bei dem der Reiter in der Bewegung des Pferdes losgelassen mitschwingt und im Schwerpunkt sitzt, ohne mit dem Oberkörper nach vorne oder nach hinten, nach links oder rechts zu schaukeln und das mit einer ruhigen und gefühlvoll einwirkenden Hand, die unabhängig vom Sitz eine elastische Verbindung zum Pferdemaul darstellt, stört der Reiter sein Pferd bei seiner Bewegungsaufgabe nicht.

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Korrekter Sitz und gefühlvolle Einwirkung sind die Basis für das Vertrauen unter dem Reiter! (Foto: Katja Sutppia)

 

Schleichen sich jedoch Fehler in Sitz und Einwirkung ein, nehmen diese immer Einfluss auf die unterschiedlichen Körperteile des Pferdes und damit auf Haltung und Bewegungsablauf. Je nachdem, wie groß die fehlerhafte Einwirkung ist, führt es nicht nur zu Takt- und im weiteren Verlauf zu Gangfehlern, sondern auch zu Verspannungen, körperlichen Problemen und mit der Zeit zu irreparablen Schäden. Neben den körperlichen Erscheinungen haben reiterliche Fehler natürlich auch Einfluss auf die psychische Verfassung des Pferdes.

Die Einwirkung auf das empfindliche Pferdemaul sollte immer sehr gefühlvoll erfolgen. Ist die Nase an der Senkrechten, die Verbindung konstant und federnd, Hilfen und Sitz korrekt, fühlt sich das Pferd wohl. Es ist innerlich wie äußerlich losgelassen.

Die Nase dauerhaft hinter der Senkrechten, eine absolute Aufrichtung, eine rückwärtswirkende und harte Hand und ein nach hinten verlagerter Oberkörper – wie man es heute allenthalben sieht – schränken nicht nur die Bewegungsmöglichkeiten ein, machen übermäßigen Druck auf das Pferdemaul, sondern sie stören auch die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.
Es kommt zu Missverständnissen. Viele Pferde haben in solchen Situationen Angst. Angst vor grober Einwirkung, eventuell auftretender Ungerechtigkeit oder auch Angst vor dem Schmerz. Diese Angst geht mit einem Vertrauensverlust einher. Das Pferd wird unsicher. Reiter und Pferd „reden aneinander vorbei“.
Viele Pferde werden in solchen Situation oft hektisch, sind unkonzentriert und reagieren auf alles, nur nicht mehr auf ihren Reiter.

Wenn aus einer solchen Situation eine negative Spirale wird, wird für das Pferd das Reiten schon zu einer furchterregenden Angelegenheit bevor der Reiter überhaupt aufgestiegen ist. Beim Putzen tut der verspannte Rücken weh, die Pferde zucken und weichen mit dem Rücken nach unten aus. Wenn der Reiter mit dem Sattel kommt, werden Pferde mit schlechten Erfahrungen oft schon unruhig, manche äppeln übermäßig viel. Beim Nachgurten weichen sie aus, sind unruhig, manche treten sogar. Das sind Hinweise auf eine viel zu hohe psychische und physische Belastung. Die daraus nicht selten folgenden Widersetzlichkeiten sind immer Symptome dafür, dass die Dinge einheitlich in eine falsche Richtung laufen. Es ist dann an der Zeit, nach Ursachen zu forschen und nach Lösungen zu suchen, denn auf einer solchen Basis ist die Beziehung zwischen Reiter und Pferd dauerhaft gestört.

Auch für gefühlvoll einwirkende Reiter ist ein Pferd, das schlechte Erfahrungen gemacht hat eine Herausforderung. Er muss dafür sorgen, das Pferd beim Reiten nicht mehr zu stören und unkontrollierte Bewegungen und Verspannungen durch einen sehr elastischen Sitz aufzufangen. Das Pferd muss erst wieder lernen, sich auf den Reiter/Menschen einzulassen und erkennen, dass es keine Angst zu haben braucht und das es sich auf den Menschen auf seinem Rücken einlassen kann.

In allen Stresssituationen hilft dem Pferd die Ruhe von Reiter oder Besitzer. Unsere Unruhe überträgt sich genauso auf das Pferd, wie wenn wir uns etwas ärgern oder gereitzt sind. Pferde sind hochsensibel und sie finden in uns Sicherheit und das Gefühl beschützt zu sein oder wir sind ein Grund für Angst und Unsicherheit.

Viel zu Loben, Vertrauen zu schaffen und eine gut funktionierende Partnerschaft aufzubauen, sind der beste Weg, dass das Pferd bei einer korrekten Ausbildung und einem gefühlvoll einwirkenden Reiter bis in ein hohes Alter gesund bleiben kann! Die Pferde danken uns das mit Zuneigung! Sie danken uns das auch mit Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft und mit einem entsprechend handelbaren Verhalten auch in gefährlichen Situationen.
Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare zu unseren Artikeln und Post!
Vielen Dank im Voraus

 

 

 

 

Traurig! Wo ist das Wissen geblieben?

In den letzten Tagen haben uns einige Mails und Kurzvideos von Reitern erreicht, deren Pferde massive Rückenprobleme haben und deren Pferde unter dem Reiter auf den Videos lahm waren.

Auf meine Frage an eine verzweifelte Besitzerin, ob denn keinem aufgefallen sei, dass das Pferd nicht faul, sondern LAHM ist, meinte sie, der Reitlehrer hätte ihr gesagt, sie solle darüber hinweg reiten. Das Pferd müsse sich erst einlaufen. Nach einiger Zeit sei es dann auch besser. Die Stute wäre nicht mehr „stöckerich“ und nicht mehr ganz so faul!

Wann immer ein Pferd zu Beginn des Reitens hölzern geht, hat es massive Probleme – meist Rückenprobleme. Es hat Schmerzen und diese sind nicht unerheblich. Ein Pferd muss vom ersten Moment an fleißig vorwärts gehen ohne zu eilen und der erste Trabtritt muss taktrein sein.

Leider wird dann noch immer von Tierärzten einfach nur gespritzt und das Pferd bewegt sich erst einmal wieder etwas besser! Das ist aber nicht die Lösung! Damit bekämpft man nicht die Ursache, sondern nur das Symptom! Man sollte ganz konsequent nach den Ursachen suchen!

Passt der Sattel? Steht das Pferd korrekt/ist es richtig beschlagen? Mache ich reiterlich etwas falsch? Wie ist mein Sitz? Meine Einwirkung? Das Zügelmaß?

So wichtig ist das richtige Zügelmaß!!!

Der Fehler beginnt meist schon im Schritt! Heute haben die meisten Reiter ihre Zügel viel zu kurz und das schon im Schritt. Wenn schon in der Lösungsphase oder während des ersten Schrittreitens zu Beginn des Trainings oder der Reitestunde der Zügel so kurz ist wie auf dem folgenden Foto, dann ist das schon grundlegend falsch und eine Ursache für Rückenprobleme.

_DSC3312Foto: Katja Stuppia

Der Zügel auf diesem Foto ist VIEL zu kurz.

Ein solches Zügelmaß führt mit der Zeit immer zu Rückenprobleme. Das Pferd kann den Rücken nicht hergeben. Das führt zu Verspannungen.

_DSC3302Foto: Katja Stuppia

Der Zügel sollte mindestens diese Länge haben, so dass das Pferd den Rücken heben kann und sich vorwärts-abwärts dehnen kann.

Wichtig ist, dass eine Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul vorhanden ist. Wenn der Zügel bei dieser Länge durchhängt, dann stimmt etwas nicht. Meist sind Verspannungen der Grund, dass das Pferd mit der Nase nicht vorkommt und das Gebiss nicht annimmt!

_DSC3335Foto: Katja Stuppia

Zügel aus der Hand kauen lassen bis zur Schnalle macht den Rücken richtig locker!

 

In jeder Reitstunde sollte man im Schritt drei bis viermal Zügel aus der Hand kauen lassen bis zur Schnalle reiten und das 1-2 lange Seiten hintereinander. Das macht den Rücken locker und die Pferde schnauben zufrieden ab.

Das gleiche gilt für den Trab und den Galopp. Wenn man es sich zum Grundsatz macht, dass nach jeder Lektionenfolge, nach jeder Versammlung ein Zügel aus der Hand kauen lassen folgt und die Pferde dabei das Gebiss annehmen und sich davon abstoßen, Sitz- und Einwirkung korrekt sind, dann entstehen Rückenprobleme nicht!

Bei Fragen und Sorgen, einfach eine Mail schicken! Wir helfen, wenn wir können!

 

Alles Ansichtssache …. Wir mögen es halt etwas enger!

Ich bin ja immer wieder überrascht über die unterschiedlichen Realitäten, die es im Reitsport gibt…. Manch einer/eine scheint auch noch an das zu glauben, was er/sie so erzählt. Eine Dame mit einem ganzen Schrank voll Pferden (davon die Hälfte kaputt geritten) stand in meiner Nähe am Reitplatz und schaute ihrem Bereiter beim Reiten zu. Da Reiter und Besitzer ja gerne über ihre Pferde berichten, hatte auch die Dame das dringende Bedürfnis mit ihre Überzeugungen und Erkenntnisse darzubringen. Wer mich kennt weiß, dass ich in solchen Momenten „sehr“ interessiert zuhöre …. und mich dann bei rhetorischen Fragen im Allgemeinen mit dem Satz: „Wissen Sie, ich bin da nicht so im Thema!“ äußere.

Die Dame berichtete wie folgt: “ Wissen Sie, wir haben die Pferde ja gerne ein bisschen enger im Hals. Also das mit dieser Nase an der Senkrechten wird ja im Allgemeinen überbewertet. In der Ausbildung gibt es so viele Wege, die zum Ziel führen und es ist ja auch Ansichtssache, wie man ein Pferd reitet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Sportpferde mit diesem langen Zügel (Hinweis von mir, gemeint war: Nase an der Senkrechten…) ja überhaupt nicht zurecht kommen. Sportpferde und Freizeitpferde kann man nicht über einen Kamm scheren. Unsere Sportpferde sind viel sensibler und brauchen auch eine starke Hand (Einwurf von mir: Aha ?????).“

Darauf die Dame weiter: „Reiten Sie auch?“ Ich: „Ja“. Die Dame: „Freizeitreiter?“, Ich: „Ja“. Die Dame: „Soso, was reiten Sie denn so?“ Antwort von mir: „Ich falle beim Leichttraben meistens nicht runter!“ (Hinweis hier: Ich bin einmal beim Einreiten im hohen Bogen von meinem Jungen runter gesegelt und so ist die Ausführung „…falle meistens nicht runter…“ ja mehr als richtig).

Diese Information schien die Dame zu einem wahren Höhenflug zu animieren.

Die Dame:“ Es gibt ja Leute, die glauben und vertreten mit aller Überzeugung, dass der Zügel lang sein muss, damit die Pferde sich loslassen können. Auch dieser Begriff Loslassen ist ja so eine Sache. Man muss das immer von allen Seiten betrachten. Was ist denn überhaupt Losgelassenheit? Woran will man das denn überhaupt erkennen und außerdem, wenn man im Sport erfolgreich sein will, dann müssen die Pferde auch ein bisschen unter Spannung stehen…..!“

Während die Dame das mit aller Inbrunst erklärte, ausschmückte und mir im Detail erläuterte, wurde das Pferd auf dem Platz, das gerne ein bisschen enger geritten wird, immer widersetzlicher, denn die Verspannungen waren dann doch so massiv, dass der Schritt passartig, das Pferd im Trab zügellahm war und dem Profi im Galopp von der Fahne ging.

Die Dame darauf: „Sehen Sie, das meine ich! Der braucht eine starke Hand! Das kann unsere Tochter noch gar nicht leisten. Da muss der Ausbilder drauf und ab und zu einfach klären, wer das Sagen hat.
Wir kaufen ja regelmäßig junge Pferde und bilden diese aus. In den letzten Jahren hatten wir leider nicht so viel Glück. Ständig ist was. Die Pferde sind ja heute so empfindlich. Der eine steht mit Fesselträgerschaden, ein anderer hat schon das zweite Mal Probleme mit den Sehnen und mein eigener hat ja immer wieder Rückenentzündungen. Also die Zucht heute… Es ist ja schon schwierig, da überhaupt noch ein Pferd gesund zu erhalten.“

Mittlerweile war ich mehr als aufgebracht darüber, wie sehr das arme Pferd traktiert wurde und meinte, ob es denn nicht besser wäre, den Zügel länger zu lassen und den Hals vorzulassen, damit sich das Pferd etwas entspannen könne und nicht ganz so viel Stress hätte…

Daraufhin die Dame: „Na, wo haben Sie denn diese Weisheiten her?“

Meine Antwort: „Aus 300 Jahren Fachliteratur, aus meinen Büchern, meinen internationalen Veröffentlichungen und aus der Pferdefachzeitschrift, die ich als Chefredakteurin verantworte… ach ja und aus 44 Jahren Reiten und jahrelangem Training bei unserem früheren Bundestrainer!“

 

Daraufhin bin ich gegangen: Es war für alle gesünder…..

 

Pampi

Zum Nachdenken

So reitet man ein dreijähriges Pferd?!

Als allererstes: Ein dreijähriges Pferd – auch wenn das überall mit Überzeugung vertreten wird – sollte man überhaupt nicht reiten! Für was auch? Es ist noch ein Baby.
Bevor jetzt alle auf die Barrikaden gehen, ist es sinnvoll über diese Aussage einmal in der Tiefe nachzudenken!
Gehen wir einfach einmal 50-60 Jahre zurück. Da wurden dreijährige Pferde überhaupt nicht geritten und das tat man nicht, weil die Pferde vor 50-60 Jahre noch anderes funktioniert haben oder ein anderes Skelett hatten, sondern man tat das nicht , da die jungen Pferde einfach noch zu unfertig waren. Knochen und Gelenke noch in der Entwicklung, die Muskulatur noch unterentwickelt und die Pferde massiv im Wachstum sind. Die logische Überlegung dahinter: Wenn ich später anfange, dann bleibt es länger gesund, da alles schon mehr gefestigt ist. Heute weiß man das alles besser?
Da schreiben Leute über 3,5 jährige Pferde die bei jedem Reiten klemmen. Dann ist es wohl zu viel und der Reiter macht (zu viel) falsch. Warum stellt man ein so junges Pferd dann nicht einfach wieder oder noch ein halbes Jahr länger auf die Weide. Vielleicht ist es nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf zu viel….
Da reden Leute beim vierjährigen Pferd über Außengalopp und andere haben den vier-fünf-jährigen schon anpiaffiert. Ist das alles noch richtig? Wenn sich diese Äußerungen dann wenigstens auf die Bereiche reduzieren würden, in denen die „Profis“ ihr Geld verdienen müssen, da Kunden es fordern oder weil sie einfach irgendwie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Dann kann ich das zwar noch immer nicht akzeptieren, aber noch irgendwie verstehen. Irgendwie muss der Kühlschrank gefüllt werden und die Miete bezahlt….
Man hört das aber vielfach von Menschen, die ihre Pferde nur für sich in der Freizeit reiten. Freizeit heißt für mich auch, wenn jemand irgendwo auf einem ländlichen Turnier herumreitet und sein Glück in einer A- oder L-Dressur versucht.
Warum muss also alles so schnell gehen? Und warum lässt sich kaum einer mehr Zeit?
Das Olympia-Pferd Stephan der Schweizer Reiterin Marianne Fankhauser-Gossweiler, die in den Jahren 64-68 eine der erfolgreichsten Reiterinnen weltweit war, ging seine erste Pirouette mit 13 Jahren… Dafür lief er dann mit 29 Jahren immer noch…..

Für mich ist es kein Zeichen für reiterliches Können, wenn jemand sein Pferd in jungen Jahren zu wie auch immer geartete Lektionen abrichtet. Reiterliches Können zeichnet sich dadurch aus, dass sich Menschen Zeit lassen und ihre Wünsche und Ziele den Möglichkeiten ihres Pferdes anpassen und vor allem auch begreifen, wo die Grenzen ihrer Pferde sind!
Die Qualität eines Reiters macht sich nicht durch den aufwendigen Trab eines Pferdes in der Diagonale bemerkbar oder durch die Zusammengezupfte hoppelnde Piaffe.
Qualität zeiget sich in der Losgelassenheit und Durchlässigkeit, in der Freude an der Bewegung und daran, dass sich Lektionen spielerisch und ohne Widerstand reiten lassen.
Widerstand heißt nämlich nicht, dass das Pferd keine Lust hat, sondern: ES LÄUFT ETWAS FALSCH!