Tag:Pferdeausbildung

Der Pferdesport heute…

Sollten wir nicht alles noch mehr hinterfragen?

Ein Bild, das Baum, draußen, Pferd, Säugetier enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Vieles, was über Jahrhunderte funktioniert hat und für die Pferde mehr als richtig war und ist, wird heute in Frage gestellt oder als überholt abgetan.

Es kommen neue Methoden und Auffassungen auf den Markt, die bei genauer Betrachtung zu der Erkenntnis führen müssen, dass sie nicht funktionieren können!

Es werden Hilfsmittel auf den Markt geworfen, die an sich nichts erreichen sollen, als reiterliche Unzulänglichkeiten aufzufangen – wobei diese Dinge dann teils ebenso Sinn-entleert sind, dass man sich schon an den Kopf fassen muss, wenn man die dazu gehörigen Werbebotschaften unter dem Gesichtspunkt der Biomechanik liest oder sich die vielen unmöglichen Videos anschaut. 

Trotzdem werden diese Dinge gekauft, da sie vordergründig eine Problemlösung versprechen – in der Praxis jedoch in den allermeisten Fällen eigentlich nur noch weitere Probleme schaffen.

Ich frage mich schon fast täglich:

Warum muss man mit einem Sattel ohne Sattelbaum reiten? Wenn man ein bisschen tiefer in die Materie einsteigt, wird man zu der Erkenntnis kommen, dass es für das Pferd schon fast nichts Schädlicheres gibt. Das Marketing dieser Sitzprotesen ist allerdings der absolute Hit…

Warum braucht man einen Sattel mit dicken Pauschen und einer tiefen Sitzfläche? Weil man sein extrem verspanntes und festgezogenes Pferd sonst gar nicht mehr sitzen kann???? 

Wäre die Alternative nicht, sein Pferd richtig und über den Rücken zu reiten, anstatt sich in einen Klemmsitz hinein zu manövrieren?

Warum glauben Leute heute, dass Zügel aus der Hand kauen lassen schädlich ist? Vielleicht einfach, weil sie es nicht hinkriegen, das richtig zu reiten?

Warum reiten immer mehr Menschen nach Methoden aus dem Stierkampf und labern etwas von VERTIKAL?Was ist das überhaupt? Braucht das die Welt? Sicherlich nicht. 
Es sei denn, man will jeden Tag aufs Neue eine Härtetest für sein Pferd schaffen, um darüber zu überprüfen, wie lange das Pferd diese Misshandlungen durchhält?
Diese einzig wahre Reitweise stellt ihre Pferde nicht mal auf die Weide. Die Erklärung dafür ist mit abstrus noch nett umschrieben. Trotzdem läuft eine nicht Nicht denkende Masse diesem Wahnsinn hinterher und labert unreflektiert nach, was man ihnen vorbetet.

Warum wickeln Leute ihren Pferden ein Gummiband um die Hinterhand, um das Hinterbein zu aktivieren? Hat mal einer darüber nachgedacht, dass das nicht funktionieren kann? Sicherlich wird das Pferd das Hinterbein durch das lästige Band in der Anfangszeit mehr nach vorne führen. Einfach, weil es dem Druck durch das störende Band entfliehen will. Irgendwann hat es sich daran gewöhnt, dass das Ding da ist. Und dann???

Wäre es nicht viel richtiger, das Hinterbein durch gutes und richtiges Reiten aktiv zu machen und zu erhalten? Frei nach dem Zitat von Paul Stecken: «Das junge Pferd muss bei richtigem Zügelmass so lange fleissig vorwärts geritten werden bis es mit dem Hinterbein (wieder) durchtritt!»

Natürlich ist richtiges Reiten schwierig und fordert sehr viel Kritikfähigkeit und Selbstreflektion. Es ist mühsam, sich immer wieder die Frage zu stellen, was man hätte anders oder besser machen müssen, damit dieses oder jenes Problem nicht entsteht oder entstanden wäre. Das ist nachvollziehbar und geht jedem so.

Sicher ist auch, dass die überlieferten Grundsätze der Ausbildung, die Paul Stecken sein ganzes Leben vertreten hat, sehr vielfältig sind und sehr viele Dinge richtig ineinandergreifen müssen. Sie funktionieren aber und sind – wenn man sich mit der Psyche des Pferdes befasst – eigentlich das, was das Pferd braucht. 

Lest dazu einfach einmal einen Auszug aus dem Buch von Dr. Ulrike Thiel über die Psyche des Pferdes. Die korrekten Hilfen ermöglichen dem Pferd nämlich – kurz zusammengefasst – ein Fortführen des sowieso vorhandenen Bewegungsimpulses, was bei sinnvollem und richtigem Aufbau der Ausbildung absolutes Wohlbefinden hervorruft….

Das Pferd ist durch die Zucht eine Herausforderung geworden und man muss sich mit allem mehr und mehr Zeit lassen, damit sie gesund bleiben können und vor allem muss man es richtig machen.

Diese Liste kann man endlos weiterführen. Sie wird einem immer wieder zu dem gleichen Ergebnis bringen:

«Es gibt nichts Neues zu erfinden, nur Bewährtes zu bewahren!» (Horst Niemack)

Hier noch ein Link zu meinem neuen Video:
https://www.youtube.com/watch?v=VJX-h5QE-3c

Warum reden wir eigentlich immer über Losgelassenheit?

Was bedeutet Losgelassenheit wirklich und warum ist sie so wichtig?

Losgelassenheit

Losgelassenheit kann man ganz einfach beschreiben: Losgelassenheit ist ein Zustand der inneren Zufriedenheit, des absoluten Wohlbefindens eines Pferdes unter seinem Reiter und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass das Pferd gesund ist! Sie wird nur dann vollends erreicht, wenn alle Faktoren zusammenpassen: Fütterung und Haltung, das passende Equipment und das richtige Reiten. Nur dann kann sich ein Pferd wirklich loslassen – innerlich wie äußerlich. Zeigen kann es das mit zufriedenem Abschnauben, mit freudigem Mitarbeiten, mit Spaß an der eigenen Bewegung, mit Zuneigung und Vertrauen!
Am Pferd erkennt man sie auch am schwingenden Rücken, an der unverspannt arbeitenden Muskulatur, am zufriedenen Kauen mit geschlossenem Maul, an der Fähigkeit auf kleinste Hilfen zu reagieren und Lektionen ohne Druck und Zwang auszuführen. Losgelassenheit reduziert sich nicht nur auf das Reiten, sondern gilt auch für den Umgang. Losgelassene Pferde sind im Umgang mit uns Menschen vorsichtig, bedacht, wollen es richtig machen und suchen unsere Nähe und unseren Schutz!

 

Was behindert Losgelassenheit?

Jeder fehlerhafte Muskelbildung, jede dauerhafte Verspannungen, erste Rückenprobleme, Sehnenschäden oder auch der Befund Kissing Spine sind für das Bewegungstier Pferd, seine Bewegungsfähigkeit und seine Freude am Leben eine Katastrophe. Sie machen das Pferd nicht nur krank, sondern bedeuten Schmerzen, Angst, Unsicherheit und Vertrauensverlust gegenüber seiner Bezugsperson.

 

Wann muss Losgelassenheit erreicht werden?

Losgelassenheit steht am Anfang eines täglichen Reitens und sie ist das Ergebnis eines richtigen Reitens zum Ende einer Stunde, eines Trainings und einer richtigen Ausbildung und doch ist sie in der Skala der Ausbildung nur ein Punkt?
Sie ist aber vielmehr! Sie ist allumfassend!

Als die Skala der Ausbildung in den 1950ern entstand, wurde sie aus der H.Dv.12/1937 von den großen alten Meistern der Reitkunst hergeleitet. Für diese großen Könner war es eine Selbstverständlichkeit, dass Losgelassenheit erreicht werden musste, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, diese zur damaligen Zeit doch sehr vom Gebäude benachteiligten Pferde überhaupt zu einem bedienbaren  Reitpferd zu machen. Die Schulter nicht selten steil, der Rücken sehr kurz oder extrem lang, das Hinterbein sehr gerade. Alles keine guten Voraussetzungen.
Da haben wir es heute leicht – oder vielleicht eher schwerer? Die guten Zuchtergebnisse, der tolle Charakter, traumhafte Bewegungen und die Rittigkeit täuschen über vieles hinweg. Wenn das Pferd dann „brav den Kopf hinhält“, glaubt manch einer, damit sei die Kunst des Reitens erreicht…..

Dieses nicht mehr „Reiten-müssen“ wie das früher zwangsläufig der Fall war, macht uns manches mal auch nachlässig. Nachlässig gegenüber ersten Anzeichen und Signalen: Dabei ist der heute schon fast übliche unruhige Schweif ein deutliches Signal, dass sich die Katastrophe schon im Anmarsch befindet und das Pferd eben NICHT losgelassen. Der Schweif ist die Verlängerung des Rückens und wenn dieser nachhaltig schlägt, statt entspannt zu pendeln, dann ist das Pferd verspannt – und das nicht wenig!
Dauerhafte Verspannung ist dann ein erster Schritt in Richtung Krankheit.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich das erfühlen und somit erjagen konnte, um es im O-Ton mit Goethe zu beschreiben.

Dieses Verstehen können der Zusammenhänge ist auch ein Grund, warum es heute los-gelassen gibt. Wir wollen mit unserem Projekt richtige Wege in der Reiterei nachvollziehbar und fühlbar vermitteln und damit lebbar machen…..

 

Wohin man schaut – Ausbildungsspezialisten

Wohin man schaut, es gibt nur noch Profis und Spezialisten – in allen Bereichen. Nicht selten stehe ich dann am Platz oder an der Hallenbande und denke so bei mir: „Aha…! Mal wieder ein ganz neuer (abenteuerlicher) Ansatz“. Und wupp, ist die Brille runter und bei 6 Dioptrien dann alles wieder mega….

Interessanterweise gibt es für die kuriosesten Ideen gerade im Pferdesport Abnehmer. Früher sagte man: Es steht jeden Tag ein Dummer auf, der das kauft. Das bestätigt sich mittlerweile täglich Hundertausendfach….
Oft frage ich mich, ob man nicht nachdenkt, die Zusammenhänge nicht begreift oder ob man da mitmacht, weil alle mitmachen … oder ob das Richtige zu schwierig ist. Reiten heute eher etwas für Wenig-Denker?

Felix Bürkner hat einmal gesagt: Ein Leben reicht nicht aus, um Reiten zu lernen. Das ist heute so richtig wie vor mehr als 100 Jahren. Vielleicht ist es heute noch Richtiger und wichtiger sich zu engagieren, das Richtige zu lernen. Wobei: Wer weiss bei der Menge der Angebote eigentlich noch, was richtig ist?

Ein Beispiel:
Nehmen wir ein 5-jähiges Dressurpferd. Gross, schlaksig, fast hypermobil, wenig und falsch bemuskelt, noch immer im Wachstum, nicht ausbalanciert – wie auch. Warum um Himmelswillen muss man so ein Pferd versammeln und aufrichten und das natürlich mit dem heute üblichen viel zu kurzen Zügel? Den fehlerhaften Sitz und das schon leicht rückenlahme Pferd scheinen dabei alle auszublenden/nicht zu sehen?
Der dazu passende Trainer findet es mega!
Das sieht man schon fast täglich auf Facebook und Co.
Denkt der stolze Reiter und/oder Besitzer vielleicht darüber nach, dass der der das für mega befindet, dass vielleicht a) nur tut, damit er weiter Umsatz generieren kann oder b) weil er von Biomechanik und funktioneller Anatomie, der Reitlehre, einem korrekten Sitz noch weniger als NULL Ahnung hat.

Ein anderes Beispiel:
Eine junge Remonde, vielleicht 3-4Monate unter dem Sattel lernt Seitengänge. Der dazu gehörige Trainer findet natürlich auch das mega. Das Pferd dagegen stolpert eigentlich nur durch die Bahn, bemüht sich, sich dabei nicht die Haxen zu brechen.
Die Zuschauer an der Bande sind begeistert vom Ausnahmetalent des Pferdes, der Reiter sieht sich schon im internationalen Kontext.
Denkt irgendeiner darüber nach, dass das für jedes Gelenk, Sehne, Knochen eigentlich eine vorsätzliche Verschrottung ist?

Ein weiteres Beispiel:
Da longiert jemand sein junges Pferd mit Dreieckszügeln und reitet die ersten 12-15 Monate meist nur im Leicvhttraben und übt Zügel aus der Hand kauen lassen, um die Grundgangarten zu verbessern, geht viel ins Gelände, um die Sehnen zu stärken, die Rezeptoren zu unterstützen.
Der gemeine Pöbel findet es öde, weil der kann ja nix und man muss sich anhören, dass das Pferd nur auf der Vorhand latscht. Ach und das Longieren am Dreieckszügel ist Tierquälerei. Befindet sich am Zaumzeug dann noch Nasen- und Sperrriemen, dann ist man der typische FN-Quäler.
Eines muss man ja zugeben: Diese Reit- und Ausbildungweise hält zwar gesund, ist aber nicht spektakulär. Und es ist keiner da, der das mega nennt.

Beispiele dieser Art könnte man zu Tausenden aufzählen. Tierärzte, die darauf hinweisen, dass das eigentlich nicht geht (die ersten beiden Beispiele) und die gesundheitlichen Risiken und Konsequenzen aufzeigen, müssen sich im schlimmsten Fall anhören, dass sie vom Reiten ja keine Ahnung haben.
Das mag oft durchaus so sein, nichts desto trotz haben die das studiert. Viele Semester lang. Der geniale Ausbilder in der Mitte im Allgemeinen nicht und richtig reiten kann er wohl auch nicht, sonst würde er so einen Humbug nicht verzapfen….
Trotzdem hört man lieber auf den Schwätzer in der Mitte als auf den Tierarzt oder den Ostetherpeuten der dann ständig versuchen muss die massiven Verspannungen irgendwie zu lösen, um dem Pferd die Schmerzen einigermassen erträglich zu machen.

Ausbildung ist in den ersten Jahren nie spektakulär. Auch wenn sich manch einer von (Verkaufs)Veranstaltungen wie Bundeschampionat und Co. blenden lässt. Ausbildung hat in den ersten Jahren nur ein Ziel: Das Pferd gesund zu erhalten, indem man Muskeln aufbaut, Sehnen und Bänder stabilisiert, für sorgt, dass Gelenke so arbeiten können, wie sie sollen und unterstützt, dass sich das Pferd im Laufe der Zeit im Gleichgewicht bewegen kann.
Das klappt übrigens wunderbar, indem man den Schub aus der Hinterhand aktiviert und die Rippen geschmeidig macht. Auf der Stelle hoppeln muss man dafür nicht…
Es sei denn, der sich reell entwickelnde Schwung ist für den „Mega“-Reiter nicht mehr zu sitzen. Der sollte dann nicht anfangen rückwärts zu reiten, sondern den eigenen Sitz verbessern.

Das ist dann wirklich echt mega!

 

Klassische Reitkunst – was soll das sein?

Pferdeausbildung heute…

Der Reitsport ist heute nahezu unüberschaubar geworden.
Wenn man sich die vielen Auffassungen und Methoden betrachtet, die nahezu perfekt aufgebauten Darstellungen der vielen selbsternannten Fachleute und Spezialisten mit allen ihren Vorgehensweisen, dann ist es fast unmöglich, den richtigen Weg einzuschlagen – bei dem das Pferd gesund bleiben kann.

Wenn es zu gesundheitlichen Problemen kommt und man erkennt, dass man mit der bisher vertretenen Vorgehensweise nicht mehr weiterkommt, sucht man Hilfe und landet in einem Wirr-Warr von Meinungen, Methoden und teils mehr als kreativen Ideen. Nach eingehender Analyse, dem Kampf durch Chats und Foren ist man meist mehr als ernüchtert: Die Verwirrung und Unsicherheit sind grösser geworden als je zuvor und so wendet man sich schon fast verzweifelt an den, der seine Ideen mit den tiergerechtesten Worten verpackt und hofft inständig, dass der jetzt eingeschlagene Weg bitte bitte der richtige sein mag….

Die Klassische Reitkunst

Was ist eigentlich klassische Reitkunst? Vor allem, wieso klassisch? Fällt unter klassisch ein Francois Baucher, die Legerete, akademische Reitkunst, die Skala der Ausbildung oder die überlieferten Grundsätze der Ausbildung niedergeschrieben in der H.Dv.12/1937?

Geht klassisch in Richtung eines Baucher oder der neuen Interpretation der Legerete, dann ist dieser Weg genauso gescheitert wie zu Zeiten eines Baucher, da weder erste noch die zweite Manier auch nur im Ansatz pferdegerecht waren. Die heutigen Ableger dieser Auffassung und das damit verbundene Reiten und Ausbilden ohne Schub aus der Hinterhand, ohne korrekte Anlehnung, ohne Zügel aus der Hand kauen lassen etc. enden fast immer in einem Pferd, das neben den ständig zunehmenden Rückenproblemen, einer schlecht entwickelten Muskulatur auch noch jede Freude an der eigenen Bewegung verloren hat.

Klassisch heute = frühe Versammlung?

Wenn klassische Reitkunst gleichgesetzt wird mit früher Versammlung, dann ist auch das der falsche Weg, denn dann arbeiten Muskeln irgendwann in Dauerverspannung und das führt bekanntlich zu massiven gesundheitlichen Problemen. Mit dem jungen Pferd frühzeitig mit Versammlung, Seitengängen und „setzender“ Arbeit zu beginnen bedeutet immer eine Fehlbelastung und Überlastung von Gelenken, Bändern und Sehnen, denn dem Pferd fehlt die notwendige Elastizität und die Kraft, die sich bekanntermassen erst über Jahre langsam schaffen lässt.

Klassisch = Seitengänge, Seitengänge, Seitengänge?

Seitengänge sind gut und wichtig, aber sie gehören nicht in die Ausbildung der Remonte. Da führen sie nämlich nur zum Ausweichen und zu Überforderung. Vor allem auch MENTAL! Rippengeschmeidigkeit kann man genauso gut über grosse gebogene Linien, Achten, häufige Handwechsel und Schlangenlinien verbessern. Das ist dann auch pferdegerecht und entspricht dem Ausbildungsstand der jungen Remonte: BASICS schaffen…

Klassisch = ein schleppendes Tempo ohne Schub aus der Hinterhand?

Schaut man sich die Pferde an, die heute nach der Methode der „klassischen Reitkunst“ geritten werden, hat das mit den überlieferten Grundsätzen der Ausbildung nichts zu tun. Diese sind in der H.Dv.12/1937 niedergeschrieben und sind in meinen Augen die wirkliche klassische Reitkunst.
Aufgebaut auf den Grundlagen der funktionellen Anatomie findet hier Schwungentwicklung auf dem richtigen Weg statt. Aus den Verstärkungen oder wie man es früher nannte aus den „freien Gängen“. „Fleissiges Vorwärtsreiten bei angenommenem Gebiss und hergegebenem Rücken bei an die Senkrechte vorgelassener Nase“ – so Herr Stecken – ermöglichen es, dass alle Muskeln richtig arbeiten, ausreichend mit Sauerstoff und damit mit Nährstoffen versorgt werden. Schleppende Gänge mit durch den Sand gezogenen Hinterbeinen machen irgendwann jedes Pferd krank.

 

Mit könnte die Aufzählungen noch über viele Seiten weiterführen und auch die in diesem Bereich vielfach gepriesene Piaffe im Detail betrachten. Auch da käme man dann zu er Erkenntnis, dass das Leben eines Pferdes a) nicht an der Piaffe hängt und b) die wenigsten diese heute wirklich noch richtig reiten können, aber gerne viel darüber reden.

Vielleicht sollten wir heute mit weniger Superlativen und wohlklingenden Worten arbeiten und uns nicht mit neuen Methoden und Auffassungen schmücken. Diese braucht der Reitsport nicht und das Pferd braucht sie noch viel weniger. Warum halten wir es nicht wie Horst NiemacK? Der würde nämlich jetzt sagen: „Es gibt in der Reiterei nichts Neues zu erfinden, nur Bewährtes zu bewahren“.

Dehnungshaltung … das Wort an sich heute schon ein Missverständnis!

Vor einigen Jahren noch habe ich gedacht, dass man Begriffe, die seit Jahrhunderten definiert sind eigentlich nicht falsch verstehen kann. Das ist ein Irrtum.

Vor einigen Tagen erklärte mir eine Trainerin, dass Dehnungshaltung und vorwärts-abwärts sowie Zügel aus der Hand kauen lassen, dass Reiten mit hingegebenem Zügel alles ein dasselbe ist und man das nicht machen soll beim weiter gerittenen Pferd, da es dabei grundsätzlich und immer auf die Vorhand kommt und man dadurch automatisch Verschleisserscheinungen in den Vorderbeinen produzieren würde. Beim weiteren gerittenen Pferd also nur noch Aufrichtung und Versammlung. Das allerdings für den Reiter aufgrund des logischerweise kurzen Zügels sehr anstengend.

Heute sage ich zu soabenteuerlichen Ideen wenn überhaupt nur: „Ah, sehr interessant!“
Das Gegenüber ist dann zufrieden, wächst vor sich hin und ich habe meine Ruhe. Genauer betrachtet ist eine solche Aussage allerdings Käse oder wie es Herr Stecken nennen würde: „reiterlicher Unsinn!“
Schauen wir uns das einfach einmal nacheinander an….

Vorwärts-abwärts und Dehnungshaltung ist nicht dasselbe!

Herr Stecken hat mir zu seinen Lebzeiten immer einem Satz eingebläut, der bis heute in meinem Kopf eingemeißelt ist: „Ein Vorlassen des Halses und damit die Dehnung des Halses muss immer zugelassen werden.“
Also: Das Pferd nutzt seinen Hals als Balancierstange und somit muss es eine gewissen Halsfreiheit haben, will es sich denn ausbalancieren uns sich nicht auf die Hand des Reiters stützen und damit logischerweise wieder auf die Vorhand kommen.
Die Dehnung des Halses bei angenommenem Gebiss ist auch wiederum wichtig, damit sich das Pferd tragen kann, mit dem Hinterbein aktiv abfassend in Richtung unter den Schwerpunkt treten kann und somit bei hergebenem Rücken von Hinten nach Vorne und von Vorne nach Hinten durch den Körper schwingen kann.
Alles das geht mit einem zu engen Hals und kurzen Zügel nicht, denn der Rücken ist verspannt und fest und das Pferd kann nicht ausreichend weit in Richtung unter den Schwerpunkt treten und entsprechend gebeugten Hinterhandgelenken Last aufnehmen, da das komplett durch die fehlerhafte Einwirkung des Reiters behindert wird.
Mit der eben erwähnten Lastaufnahme kommen wir auch schon bei der Versammlung an. Damit das Pferd korrekt versammelt werden kann, muss die Nase bei ausreichend langem Zügel an die Senkrechte. Also auch hier braucht es eine gewisse Dehnungshaltung.

Versammlung hat also nichts mit Kraftaufwand, kurzem Zügel und Druck zu tun, sondern damit, dass das Pferd – da es nicht in seinem natürlichen Bewegungsablauf behindert wird – spielerisch und mit kleinsten Hilfen reagierend (beim gut gerittenen Pferd nämlich allein über das Aufrichten des eigenen Oberkörpers, ein/zwei halbe Paraden und über das Anspannen der Beckenbodenmuskeln. Dabei kann man dann sogar überstreichen…) Last aufnehmen kann.

ERGO: Dehnung also auch bei der Versammlung

 

Vorwärts-abwärts und Zügel aus der Hand kauen lassen ist nicht dasselbe!

Wenn ich so gedanklich durch die alte Literatur gehe, waren das Reiten am langen Zügel, das Reiten mit hingegebenem Zügel, die Gebrauchshaltung und das Zügel aus der Hand kauen lassen als Lektion oder Übung genau definiert. Vorwärts-abwärts allerdings ist eigentlich ein Wischt-Waschi, wenn Pferde irgendwie den Kopf runter nehmen und sich die Nase irgendwo in Höhe des Buggelenkes oder darunter befindet. Ob sie dabei an der Senkrechten ist oder nicht hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren.
Eine namhafte Tierärztin sagte einmal zu mir: „Wenn der Kopf unten ist, gehen sie über den Rücken.“
Auch zu einem solchen Käse sage ich heute nichts mehr, denn es Menschen gibt, die es aus Prinzip besser wissen und dabei lässt man es dann am besten bewenden.

Korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen
Demonstration von irgendwie “ Vorwärts-abwärts“ mit viel Hand
Demonstration!! Das ist keine Dehnungshaltung
Ausreichendes Vorlassen des Halses im starken Galopp
Korrekte Gebrauchshaltung von Andrew Hoy in Luhmühlen 2014 (übrigens der Einzige ….)
Korrekte relative Aufrichtung im Galopp bei ausreichend langem Zügel
Falsche Aufrichtung bei viel zu kurzem Zügel und zu engem Hals
Der Rücken ist weggedrückt und das Hinterbein stemmt hinten heraus

Schlagen? Keine Option!

Es sind die Beispiele aus dem Unterricht, die Erfahrungen mit den Pferden, bei denen in der Ausbildung falsche Wege eingeschlagen wurde und es sind die Überzeugungen manch eines Reiters, die mich dazu veranlassen, Artikel zu schreiben oder wieder in neues Buch in Angriff zu nehmen. Auf unserem Los-gelassen-YouTube Kanal berichten wir immer wieder von Pferden und ihren Geschichten. Das machen wir auch über unseren @schmatelka.losgelassen Instagram Account oder aber über Facebook. Vor einigen Wochen haben wir begonnen, die Geschichte von Luca zu erzählen. Bei Luca ist vieles falsch gelaufen, die Art und Weise wie er geritten und abgerichtet wurde, ist mir absolut zuwider. Durch eine aktuelle Auseinandersetzung mit einer heute ehemaligen Schülerin ist mir eine seiner früheren Verhaltensweisen wieder eingefallen.

Wenn Luca etwas sah, was ihn verunsichert hat, dann hat er auf dem Absatz kehrt gemacht und war nicht mehr in die Richtung zu manövrieren, in der sich – vermutlich – die Ausserirdischen verschanzten, um ihn zu fressen. Man merkte, dass er wirklich Angst hatte. Er riss die Kopf hoch, fixierte den Punkt, sein Herz schlug fühlbar und war mit fast nichts in die entsprechende Richtung zu bewegen.
In der vorherigen Ausbildung wurde das mit folgender Aussage gelöst: „jetzt darfst Du Dich mal durchsetzen, der ist jetzt weit genug, der sollte das jetzt wissen.“ Da es bei diesem „er sollte das jetzt wissen“ um, die Phase 4 einer Erhöhung von Druck handelte, wurde dann einfach drauf gehauen oder dem Pferden vollkommen sinnlos im Maul herumgerissen. Für mich ist ein solches Verhalten nicht nachvollziehbar und ein absolutes No Go.

Das Pferd versteht nicht, was es soll. Es lernt daraus auch nichts – positives. Es kann nicht so logische Folgerungen schliessen, dass es weiss, dass man vor einem Monster in der Ecke eben keine Angst haben muss. Es ist leider so, dass in manchen Situationen etwas von links kommend nicht wichtig ist und wenn es von rechts kommt, dem Pferd fast das Herz stehen bleiben kann… Pferde nehmen Dinge anders wahr als wir… Pferde werden durch jede nicht nachvollziehbare Bestrafung unsicherer und verlieren das Vertrauen zu Mensch und Reiter. Dieser Vertrauensverlust überträgt sich dann auch auf andere Situation. Diese Pferde wenden sich ab, lassen sich nicht mehr auf der Weide einfangen, kommen nicht, wenn man sie ruft etc. Was haben wir also von einem solch unbeherrschtes Verhalten?

In dem genialen Buch „Von der Koppel bis zur Kapriole“ von Waldemar Seunig habe ich vor vielen Jahren eine sehr aufschlussreiche Passage gefunden, die mich so viel hat verstehen lassen. Waldemar Seunig beschreibt einen Vorfall (O-Ton): Ein Mann reitet mit seinem Pferd eine Strasse entlang und es kommt (auf heute übertragen) ein LKW. Das Pferd gerät in Angst und versucht davon zu stürmen. Der Mann ist sichtlich erbost und schlägt sein Pferd, da es ja wissen sollte, dass man sich vor einem LKW nicht erschreckt und es sich gefälligst benehmen soll. Beim nächsten anfahrenden LKW macht das Pferd natürlich noch mehr Spektakel…. Logisch oder?!

Was lernt das Pferd, wenn wir grob reagieren? Da ist eine Gefahr. Davor hat es Angst und versucht als Fluchttier zu fliehen. Im ersten Schritt ein natürlicher Instinkt. Dafür wird es dann geschlagen. Bei der nächsten Gefahr ergreift es erst recht die Flucht. a) vor der Sache, die ihm Angst macht und b) vor der Strafe. Es lernt, dass ihm der Mensch Schmerzen zufügt, wenn es Angst hat.
Man muss sich als Pferdemensch natürlich fragen, ob man ein solches Ergebnis braucht???

Wie kann man es besser lösen? Wie löse ich eine solche Situtiaon?
Ich warte! Warten hilft immer!

Wenn sich ein Pferd erschreckt und sagen wir nach linkst zur Seite wegspringt und auch nach links kehrt macht. Dann drehe ich es zurück nach rechts. Ich lobe es und lasse es stehen. Ich lasse den Zügel recht lang, da es lernen soll: Der lange Zügel ist kein Freifahrtschein zum davonlassen, sondern er heisst: es ist alles gut! Ich spreche mit dem Pferd. (Zu Luca habe ich immer gesagt: „Luci, die Luca-Fresser haben heute frei, Du kannst da also problemlos dort hingehen. Sie werden Dir kein Loch in Dein dickes Bäuchlein beissen 😉“ ). Ich treibe das Pferd erst einmal auch nicht vorwärts, ich schlage es nicht, ich ziehe auch nicht am Zügel. Ich lasse es stehen und warte. Im Allgemeinen dauert ein solches Abwarten nicht einmal eine Minute und dann geht das Pferd wieder ein paar Schritte vorwärts.
Bei Luca war es so, dass er dann nach einigen Metern wieder auf dem Absatz kehrt gemacht hat. Dann habe ich das Prozedere wiederholt und so konnte der Weg bis zu einer Ecke auch schon mal drei bis vier Minuten dauern.
Wenn man diese Zeit und Ruhe nicht einmal hat, um ein Problem zu lösen, dann sollte man sich sowieso grundsätzlich hinterfragen.

Es hat nur wenige Mal Reiten gebraucht und dieses Verhalten ist bis heute nicht wieder aufgetreten. Natürlich bleibt er noch stehen, reisst den Kopf hoch und regt sich tierisch auf, wenn er etwas sieht, was ihn aus dem Konzept bringt, aber das ist sein Charakter. Man sollte die Souveränität haben, darüber hinwegzusehen. So etwas wird sich nicht ganz vermeiden lassen. Damit kann ich persönlich jedoch besser leben, als mit der Vorstellung, mein Pferd ständig verprügeln zu müssen oder mir einreden zu müssen, dass der das mit Absicht macht, weil es keinen Bock hat oder mich schikanieren will….

 

Hilfe! Mein Pferd ist entsetzlich triebig…

Was tun mit einem triebigen Pferd?

Ein ausreichend langer Zügel ist schon im Schritt sehr wichtig, damit Pferde ihre Bewegungsfreude behalten.

Manch einer wird sich diese Frage nicht nur einmal gestellt haben! Warum ist mein Pferd nur so entsetzlich triebig? Vor allem in der Halle und auf dem Reitplatz! Man treibt und treibt, nimmt irgendwann in seiner Verzweiflung Gerte und Sporen. Das Ergebnis ist auch dann eher ernüchternd, denn viele Pferde sind ein bis zweimal reiten etwas aktiver und dann werden sie genauso „faul“ wie zuvor. Das Reiten wird für Reiter und Pferd eine sehr mühsame Angelegenheit.

In ganz seltenen Fällen ist es so, dass ein Pferd triebig auf die Welt kommt oder schon in den ersten Jahren als Reitpferd eine „Aversion“ gegen die Arbeit in der Reithalle oder auf dem Platz hat. Oft ist es ein schleichender Prozess, der mit vielen anderen für das Pferd negativen und schwierigen Dingen unauffällig einhergeht und Ursachen hat. 

Oft sind es Kleinigkeiten, die sich verändern, einem aber gar nicht so sehr auffallen oder denen man nicht die Bedeutung beimisst: 

  • Pferde bleiben schon beim Aufsitzen nicht mehr stehen. 
  • Auf einer Hand lassen sie sich mit Zeit schlechter stellen. Man hat das Gefühl, dass sie beispielsweise auf der linken Hand immer schlechter. 
  • Auf dem Zirkel galoppieren sie vielleicht nur noch an, wenn man sehr viel Druck macht. 
  • Beim Durchreiten der Ecke häuft es sich, dass sie hinten umspringen oder ganz ausfallen, in eiligen Trab übergehen und der Galopp nicht mehr richtig durchgesprungen ist. 
  • Nicht selten galoppieren Pferde auch einfach gar nicht mehr an. 
  • Nicht wenige gehen gegen die Hand.
  • Das ein oder andere Pferd wird sogar widersetzlich. 
  • Der Trab wird hölzern, die Pferde klemmen, schlagen mit dem Schweif und wollen einfach nicht mehr fleißig vorwärts.

Kaum geht man jedoch ins Gelände, reitet aus, scheinen alle Probleme wie weggeblasen! Auf einmal geht das Pferd wieder fleißig vorwärts. Es scheint Spaß an der Bewegung zu haben und ist richtig gut gelaunt! 
Wie soll man das einschätzen? 
Woran liegt das? 
Ist nicht jedes Pferd dafür geeignet, dressurmäßig geritten zu werden? 
Ist die Arbeit zu eintönig oder findet das ein oder andere Pferd dieses Training einfach doof und man sollte ihm das nicht antun? 
Ganz auf die dressurmäßige Arbeit verzichten?

Vor ein paar Tagen erzählte mir eine gute Bekannte genau diese Geschichte. Der Rat ihres Ausbilders dazu: „Dann will der das einfach nicht und Du solltest nur springen und ausreiten. Ich springe mit meinen Pferde auch nur, da die Dressur und Training in der engen Halle langweilig finden!“

Das ist natürlich auch ein Weg! Aber sicher nicht die Lösung?

Nach Ursachen suchen

Wie bei allem, was mit Pferd und Reiten zu tun hat, ist es wichtig, nach den Ursachen zu suchen, wenn es ein Problem gibt und dabei helfen oft schon die richtigen Fragen, um Hintergründe zu erkennen:

  1. War das Pferd schon immer so oder hat es vielleicht einen Anlass gegeben, dass das Pferd sich verändert hat? 
    1. Ist es vielleicht hingefallen oder hat es sich in der Box festgelegt?
    1. Hat man einen neuen Sattel?
    1. Hat man Trense und Gebiss gewechselt?
  2. Hat sich das Pferd im Umgang verändert?
    1. Ist es schreckhafter geworden?
    1. Vielleicht beim Putzen unfreundlich oder weicht immer zur Seite aus, wenn man an bestimmten Stellen mit dem Striegel beispielsweise aufrauen möchte?
  3. Hat sich an Fütterung und Haltung etwas verändert?
    1. Ist das Pferd seltener auf der Weide?
    1. Wurde das Futter umgestellt?
    1. Wie ist das Fressverhalten des Pferdes?
    1. Hat es vielleicht einen neuen Nachbarn bekommen, mit dem es sich nicht versteht?
  4. Was ist mit dem Reiten?
    1. Hat man die Anforderungen verändert?
    1. Erscheint das Pferd kraftloser/matter?
    1. Hat der aktuelle Reitlehrer andere Vorstellungen als der davor?
    1. Scheint es unter- oder überfordert?
    1. Scheint das Pferd verspannt?
    1. Wie lange dauert die Lösungsphase? 15-20 Minuten sollte sie im Optimalfall nicht überschreiten. Dann sollte sich das Pferd ehrlich loslassen können.
    1. Schnaubt das Pferd immer wieder zufrieden ab?
    1. Pendelt der Schweif ruhig hin und her oder schlägt das Pferd nachhaltig mit dem Schweif?
  5. Wie sieht das Pferd an sich aus?
    1. Hat es sich von der Muskulatur her verändert?
    1. Wirkt es runder oder eher kantiger?
    1. Hat es zu- oder abgenommen?
    1. Wie wirkt das Auge? Ruhig oder gestresst?
    1. Was ist mit dem Fell? Geschmeidig oder eher struppig?
  6. Sollte der Tierarzt hinzugezogen werden?
    1. Kann es sinnvoll sein, eine Blutprobe zu nehmen?
    1. Kann eine Kotuntersuchung sinnvoll sein?
    1. Sollte der Tierarzt nach Schmerzen, Entzündungen, Lahmheiten schauen?

Hat man die Fragen für sich selbst, mit Hilfe des Tierarztes oder einer anderen Person beantworten können, kann man daran gehen, die einzelnen Punkte abzuarbeiten und so nach und nach einen Punkt nach dem anderen auszuschließen.

Wenn man zu der Erkenntnis kommt, dass man reiterlich etwas ändern muss, dann besteht der erste Schritt darin zu schauen, ob das Pferd Schmerzen, Entzündungen oder vielleicht Rückenprobleme hat. Ein Wegdrücken des Rückens beim Putzen, ein Wegzucken, wenn man mit dem Finger auf den Rücken drückt, ein unwilliges Schweifschlagen beim Satteln, was vielleicht früher nicht da war oder ein Nicht-mehr-Stehen-wollen beim Aufsteigen können Hinweise für erste Rückenprobleme und auf jeden Fall für Verspannungen sein. 

Mögliche Ursachen

Der Zügel

Nicht selten ist ein zur kurz gehaltenen Zügel im Schritt eine Ursache. Der zu kurze Zügel ist nämlich nicht nur der Grund für einen schlechter werdenden und nicht mehr taktreinen Schritt, sondern oft auch Grund für gesundheitliche Probleme. Das richtige Zügelmaß gilt dann natürlich für alle Grundgangarten, denn es ist mit eine Voraussetzung dafür, dass sich das Pferd loslassen kann.

Das Pferd nimmt den Zügel noch nicht an. Der Zügel hängt bei vorgelassener Hand phasenweise noch durch. Ein fleißiges Vorwärtsreiten hilft. Die Pferde lernen so wieder mit dem Hinterbein aktiv abzufußen und nach vorne zu springen, anstatt auf der Stelle zu „hoppeln“.

 

Das Tempo

Manchmal kommt es vor, dass Pferde ihre Bewegungsfreude verlieren, da sie vielleicht schon seit Beginn ihrer Ausbildung in einem zu langsamen Tempo geritten werden, weil man davon ausging, dass sich junge Pferde schon setzen können und müssen und sie darüber eine wie sich das auch immer einstellen sollende Selbsthaltung erreichen können. Das kann ein junges Pferd generell nicht. Die fehlerhafte Belastung führt zu Verspannungen, vielleicht Schmerzen, Unwohlsein und dazu führen, dass das Pferd irgendwann schon von sich aus nicht mehr vorwärts möchte.

Der Sitz

Ein fehlerhafter Sitz des Reiters, eine rückwärts wirkenden Hand, unruhige Unterschenkel können das Pferd im Laufe der Zeit stark verunsichern, so dass es nicht mehr vorwärts gehen möchte.

Die Elastizität des Pferdes

Ist das Pferd steif und wurde nicht daran gearbeitet, es auf beiden Händen gleich geschmeidig zu machen, also es geradezurichten, kann diese Steifheit dazu führen, dass ihm Wendungen – vor allem engere Wendungen – nicht nur schwerfallen, sondern auch Muskelschmerzen hervorrufen. Wirken dann Sitz und Einwirkung nicht in korrekter Weise zusammen, schleudern die Pferde bei Wendungen mit der Hinterhand nach außen. Beherrschen sie zudem nicht grundlegende Lektionen, die die Rippengeschmeidigkeit verbessern, dann werden sie mit der Zeit unelastischer und somit steifer. Das eine Pferd weicht dann über ein Davon-Eilen der unangenehmen Situation aus und das andere wird immer triebiger, was manch einer unwissend „faul“ nennen könnte. Dann einfach nur mehr zu treiben oder sich  Gerte und Sporen zur Unterstützung hinzu zu nehmen, lässt die Pferde weiter abstumpfen.

Triebige Pferde oder Pferde mit Schmerzen springen im Galopp meist nicht mehr richtig durch so wie das Pferd auf dem Foto. Sie müssen das „erst wieder lernen“. Dazu muss die Nase vorgelassen werden!

 

Der Rücken

Rückenprobleme oder auch Kissing Spines können dazu führen, dass das ein Pferd nicht mehr fleißig vorwärts gehen möchte, da ihnen der Befund Schmerzen bereitet.

Je nach Ausprägung verändert sich die Oberlinie des Pferdes massiv. Das ist immer mit Scmerzen verbunden und manch ein Pferd will einfach nicht mehr vorwärts….

 

Organische Gründe

Bei Pferden, die über eine lange Zeit mit körperlichen Problemen belastet sind oder gewesen sind, können auch organische Probleme der Grund für wenig Vorwärtsdrang unter dem Reiter sein, so dass ihnen einen fleißiges Vorwärtsgehen einfach schwerfällt. 

Wenn dann noch bei verhärteter und steifer Muskulatur engere Wendungen hinzukommen, wird es für diese kranken Pferde zunehmend schwerer. Eine in dem Moment zu enge Wendung muss dann nicht einmal zwingend sehr eng oder klein sein. Manchmal ist schon das Reiten auf einem Zirkel eine Schwierigkeit.

 

Fazit:

Auch hier sind die Hintergründe wieder sehr vielfältig und können in Bezug auf die einzelnen Punkte noch weit tiefer gehen, als wir uns das im ersten Schritt vorstellen können. Ursachen zu finden und diese wenn möglich zu beseitigen ist ein unverzichtbares Muss, wenn das Pferd wieder freudig mitarbeiten und fleißig vorwärts gehen soll.

Richtig Reiten ist heute relativ…

Du reitest noch mit Nasen- und Sperrriemen und mit einem doppelt gebrochenen Gebiss? Was für eine Tierquälerei!
Du reitest noch über den Rücken, versuchst Deinen Sitz und Einwirkung kontinuierlich durch Sitzübungen und Sitzkorrektur zu verbessern? Was für ein Quatsch!
Du übst Zügel aus der Hand kauen lassen, damit Dein Pferd lernt, das Gebiss anzunehmen und sich vorwärts-abwärts zu strecken, um darüber den Rücken zu heben und mit dem Hinterbein aktiv in Richtung unter den Schwerpunkt zu treten und sich loszulassen? Na, das ist aber alles ganz falsch und fällt unter Tierschutzrechtlich relevantes Verhalten und FN-Hinrichterei!

 

Wenn man sich alleine diese Einleitung des Artikels durchliest, dann „packt sich an den Kopp“ – um das hessisch zu formulieren!

Heute bist Du richtig aufgestellt, wenn Du Gebisslos reitest, wie ein Irrer als Isi-Vertreter durch die Ovalbahn schredderst, Dein Pferd irgendwie schief und krumm vertikal durch die Bahn stolpert und Du innerhalb eines Jahres vom Anfänger zum Reiter der hohen Schule avancierst. Dein Pferd irgendwie auf der Stelle zappelt und du ständig am Gebiss reissend den Kopf Deines Pferdes nach oben zerrst. Das ist dann Reiten in Perfektion.

Der gute Dressursattel mit wenig Kniepauschen und flacher breiter Sitzfläche bei der man sich nicht festklemmen kann, ist genauso verpönt, wie der ganz stinknormal englisch kombinierte Trensenzauzum. Im Gegenteil: bei einem solchen Foto unterstellt man Dir schon Misshandlung durch das zugeschnürte Maul – egal wie locker derselbe verschallt ist.
Heute reitet man mit Glücksrad und hockt in Sitzprotesen, die Hinten und vorne so hoch sind, dass man auf jeden Fall eingeklemmt ist wie Schillers Glocke – festgemauert in der Erden…. Mitschwingen im Becken – wie auch bei den vielen festen und kaputten Pferderücken…

Die überlieferten Grundsätze der Ausbildung sind dann heute misshandelnde FN-Rieterei und nur wunderliche Leute haben das Reiten in Wahrheit begriffen. Alle anderen sind Schwätzer und Stümper…..

Wenn ich mich morgens so durch Facebook und Instagram zippe, dann verstehe ich immer öfter die Welt nicht mehr und frage mich , wann Reiten wegen Tierquälerei endlich verboten wird, da die Tierschutzorganisationen für diesen Bereich einen Fachmann einkaufen, der das dann auch alles wissenschaftlich belegen kann…

Die FN hat mal einen Satz auf ihre Fahnen geschrieben: „Richtig reiten ist gelebter Tierschutz!“ Was für ein genialer und treffender Satz. Nur findet man ihn heute kaum noch in gelebter Form! Vermutlich nur noch ganz selten – wenn überhaupt….

Im internationalen Sport geht es um Erfolge und um das Spektakuläre. Springpferde mit einer fundierten Dressurmässigen Grundausbildung findet man gar nicht mehr. Wenn man beim Kauf oder beim Probereiten mal einen findet, der nicht komplett falsch bemuskelt oder aus dem Rücken nicht lahm ist, dann liegt das vermutlich daran, dass er ein paar Monate auf der Weide stand und nicht unter dem Sattel war.
Wenn man ein Dressurpferd sieht, was nicht Pass geht und die Vorderbeine hochreisst, dann ist es vermutlich noch nicht angeritten oder stand wegen eines Sehnenschadens ein paar Jahre irgendwo rum.
Wenn man bei den vielen Alternativen mal einen findet, dessen Reiter nicht von der grossen und einzigen Wahrheit labert, dann hat er vermutlich nur einfach kein Facebook oder YouTube und hat von der bayrischen Irrenanstalt noch nichts gehört.

Eine korrekte Ausbildung von Reiter und Pferd dauert leider einfach Jahre und lässt sich durch nichts beschleunigen. Leider ist dass dann nicht spektakulär und Öffentlichkeits-wirksam, denn man muss lange Zeit an den Grundlagen arbeiten.
Beim Reiter arbeitet man als guter Ausbilder Jahrelang am korrekten Sitz und am richtigen Zusammenwirken der Hilfen und beim Pferd am Muskelaufbau, am Geraderichten und an der Beweglichkeit der Gelenke. Das geht alles nicht in ein paar Monaten.
Würde man das erzwingen wollen, wäre es für beide mehr als unfair. Das Gefühl für den richtigen und dosierten Einsatz der Hilfen kann man nur über jahrelange Übung lernen. Keiner ist ein solches Genie, dass er das in ein paar Wochen begreift.
Das Pferd kann zwar mit Pudeldressur irgendwas irgendwie eingetrichtert bekommen. Das hat aber nichts mit Ausbildung zu tun.

Warum macht man das dann trotzdem? Will man als Genie in die Geschichte eingehen? Will man zum nächsten grossen Guru werden? Geht es um das schnelle Geld? Sind die Leute vielleicht einfach nicht mehr ganz dicht? Weiss Dr. Google mehr als der über Jahre studierte Tierarzt? ist es bequemer, die ganz aufwendige Reitausbildung über den Haufen zu werfen, um einen einfachen und schnellen Weg zu gehen, der die Eingenen reiterlichen und intellektuellen Defizite nicht ganz so deutlich werden lässt?
Ich weiss es nicht! Darauf habe ich bisher keine Antworten gefunden…..

 

Der erfahrene Reiter würde…

Ein Bild, das Gebäude, Zaun, Pferd, Boden enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

In den letzten Monaten sind die Diskussionen über Dehnungshaltung und Zügel aus der Hand kauen lassen etwas – sagen wir es freundlich – aus dem Ruder gelaufen. Das zumindest in Bezug auf die Interpretation über richtig und falsch. Vermutlich kommt das bei manch einer Reitauffassung auch eher daher, dass die reiterlichen Fähigkeiten einfach nicht ausreichen, um das Hinterbein ausreichend aktiv und fleissig zu halten, damit die Pferde das Gebiss bei ausreichend langem Zügel auch annehmen können, der Rücken als Bewegungszentrum zum Schwingen kommt . Die Pferde also so zu reiten und auszubilden, dass sie sich loslassen können. Loslassen kann sich ein Pferd immer dann, wenn Muskeln unverspannt arbeiten und das Pferd nicht unter Stress steht. 

Schweif- und Kopfschlagen, ein aufgesperrtes Maul, ein Ziehen aus der Vorhand mit heraus gedrücktem Unterhals, nicht taktreine, tippelnde Bewegungen, Kopfnicken im Galopp vor allem bei fehlerhaften und zur falschen Zeit verlangten Versammlungsversuchen und Klappern auf dem Gebiss sind Hinweise, dass alles ziemlich falsch ist. Das weiss jeder Reiter, der wirklich weiter reiten und ausbilden kann. Dieser arbeitet beim Auftreten solch gravierender Fehler dann auch eher daran, dass sie wieder verschwinden, als das er sich das passend reden würde. Ihm wäre bewusst, dass auch anderen bewusst ist, dass diese Fehler eben nur auftreten, wenn man gravierende Fehler macht. 

Es wird also mehr am Nicht-Vermögen Einzelner liegen, dass die so wichtige Lektion Zügel aus der Hand kauen lassen nicht geritten und verteufelt wird und die Notwendigkeit der Dehnungshaltung (Zitat Paul Stecken: ein Vorlassen des Halses und damit eine Dehnung desselben muss immer zugelassen werden) in Abrede gestellt wird.

Wenn man sich intensiv mit der Ausbildung eines Pferdes von der jungen Remonte bis zur Klasse S befasst, dann weiss der erfahrene Reiter, dass das a) will man ein gesundes und unverspanntes Pferd erhalten nicht schnell geht und dass man sich b) nicht mit dem (schlechten) Reiten von Lektionen befassen sollte, die das Pferd nicht leisten kann, da es dazu weder muskulär – also von der Kraft her – in der Lage ist, noch dass es ausreichend ausbalanciert ist. 

Den Stress und die Unsicherheit, die ein solches Reiten für das Pferd bedeuten und den täglichen Vertrauensverlust der damit verbunden ist, dem muss dabei noch eine ganz besondere Bedeutung beimessen.

Seitengänge oder gar die Versuche, sie dem noch unausbalancierten Pferd beizubringen erspart man sich bis zu dem Zeitpunkt, bis das Reiten von Wendungen auf der geraden und gebogenen Linie so gut funktioniert, dass die Anlehnung auf beiden Hànden gleich gut ist, das Pferd sich nicht mehr raushebt und zufrieden kauend und immer wieder abschnaubend schwungvoll vorwärts gehend das Gebiss annimmt.

Wenn man dann irgendwann mit Seitwärtsverschiebungen beginnt, dann arbeitet man erst einmal am ersten Übertreten und vielleicht am Schenkelweichen, anstatt sich mit Schulterherein oder gar Travers, Renvers oder Traversalen zu brüsten. Die können vielfach nämlich weder Reiter noch Pferd. Reiter, die es wirklich können, versuchen es nämlich erst gar nicht, da sie wissen, dass es nicht funktionieren kann und nur zu Ausweichbewegungen, Verspannungen und Fehlbelastungen führt….

Da die jungen Pferde – vor allem die bewegungsstarken Pferde von heute – als Remonte noch nicht in der Lage sind auf einem Hufschlag zu galoppieren, da sie noch nicht geradegerichtet sind und sein können, schleudert der denkende Reiter nicht mit der Hinterhand auf dem fünften Hufschlag herum und stellt das Pferd irgendwie schief nach aussen. Es sei denn der Sitz ist so grob fehlerhaft und der Reiter im Oberkörper so verdreht, dass dem armen Pferd nichts anders übrig bleibt, will es nicht gleich umfallen. Ein wirklich guter Reiter würde so etwas niemals als weiterführende Lektion verkaufen. Das wäre ihm zu peinlich.
Er würde sich eher über wahre Fortschritt in der Grundlagenarbeit freuen.

Wenn die Pferde in einem schleppenden und kratzenden Galopp schief durch die Bahn hüpfen, nennt kein guter Reiter das Traversale. 
Der erfahrende Ausbilder weiss, was zum korrekten Ausführen einer Traversale alles notwendig ist. Wer sich intensiver mit der Materie befasst, weiss, dass das, was man heute bei manch einer Vereinigung Gleichgesinnter sieht alles ist, nur sicherlich keine Traversale. Von den armen Pferden ist es vermutlich eher der Versuch, nicht umzufallen oder sich gar die Beine zu brechen.

Die Frage, die man sich als ganzheitlich denkender Mensch stellt ist natürlich: Warum macht manch einer eine solchen reiterlichen Unsinn?

Nach langem Überlegen und Abwägen drängt sich einem der Gedanke auf, dass der eine oder andere im tiefsten innersten vermutlich lange erkannt hat, dass ihm die reiterlichen Fähigkeiten, das Körpergefühl und vielleicht auch die Fähigkeiten in komplexen Zusammenhängen zu denken fehlen und er sich deshalb, wie es schon Louis Seeger nannte, «der hohen Schule zu kleinen Preisen» – nämlich dem Pfusch widmet und die um sich scharrt, denen das Richtige zu anstrengend und zu langwierig ist oder die das einfach intellektuell ebensowenig können.

Udo Bürger würde dazu jetzt so passend formulieren: «… und dann gibt es das grosse Heer selbstzufriedener Dilettanten, die all`ihr Tun schön finden und nie begreifen werden, worum es geht.»

Ach ja, so war er … einfach unfassbar treffend genial…

Schritt richtig reiten und nutzen…

Wie man Schritt verbessern und Losgelassenheit erreichen kann

Durch das gute Gebäude und die Veränderung der Zucht wurden in den letzten Jahren Pferde geschaffen mit einem teils überragenden Schritt. Die Pferde schieben aus der Hinterhand, treten vielfach drei bis vier Huf über. Einen solchen Schritt zu erhalten, ist für viele Reiter schwierig. 

Das sicherlich ein Grund für viele interessante Argumente, warum im Laufe der Zeit der Schritt angeblich schlechter werden muss oder Pferde erst im Zuge der Ausbildung lernen können, sich taktrein zu bewegen. So finden Reiter immer wieder kreative Erklärungen für die eigenen Unzulänglichkeiten oder reiterliches Unwissen.

Schon beim Einreiten der jungen Pferde werden sehr oft elementare Fehler gemacht. Wenn mit dem Einreiten begonnen wird, nehmen Reiter und Ausbilder die Zügel auch im Schritt frühzeitig auf und argumentieren das damit, dass die jungen Pferde an den Zügel «herantreten sollen», was sie – befasst man sich mit der funktionellen Anatomie – überhaupt nicht können. 

Der Hals ist die Balancierstange des Pferdes und über die Nick – und Pendelbewegung von und Kopf und Hals geht auch im Schritt die Bewegung von hinten nach vorne durch den Körper. Um das Fallenlassen des Halses und das Ausbalancieren überhaupt zu ermöglichen, ist das richtige Zügelmass das A und O. Das bedeutet, der Zügel muss so lang sein, dass die Nase im Mittelschritt zum Beispiel an die Senkrechte Höhe des Buggelenkes kommen kann. Nur so bleibt der gute (Mittel-)Schritt erhalten.

Das bedeutet auch, dass man versammelten Schritt nicht dauerhaft üben sollte oder muss und das sowieso erst ab einem entsprechenden Ausbildungsstand. Das heisst ebenso, dass das Reiten mit hingegebenem Zügel zum täglichen Reiten und Training dazu gehören sollte.

Egal, wohin man heute schaut, überall sieht man Pferde mit einem gebundenen und vielfach auch passartigen Schritt. Die Ursache ist einfach: Der Zügel zu kurz, die halben Paraden fehlen oder werden nicht richtig gegeben, die Hilfen wirken nicht richtig zusammen und die Reiter treiben und schieben mit dem Oberkörper, da ihnen das auch von international erfolgreichen Reitern vorgemacht wird.
So kommt es auch beim Schrittreiten zu sehr interessante Interpretationen über richtig und falsch…
Viele Ausbilder der alternativen Reitmethoden argumentieren nicht nur für den Schritt die Aufrichtung und Versammlung und das natürlich ebenfalls mit dem zu kurzen Zügel und einer Aufrichtung, die nicht aus der Kraft der Hinterhand und über die sich verbessernde Hankenbeugung kommt, sondern ausschliesslich über die Einwirkung der Hand, was ja bekanntermassen falsch ist… 
Auch auf diese Weise wird der Schritt in einer Geschwindigkeit kaput geritten, so schnell kann man gar nicht schauen. 

Bei einem jungen Pferd reichen dafür oft schon die ersten Male Reiten und man korrigiert hinterher Wochen, wenn nicht Monate daran herum.

Als Fellini (Pampi) 4 ½ war und ich mit dem Einreiten begann, dachte ich, ich hole mir Unterstützung von einem erfahrenen Ausbilder, um keine Fehler zu machen. Ich konnte zusehen, wie der Bereiter vom Landgestüt es schon beim ersten Reiten schaffte, mein junges Pferd in den Pass zu reiten. Auf meinen Wunsch hin, den Zügel doch 20-30 cm länger zu lassen, kam die Antwort, dass ich von diesen Dingen keine Ahnung hätte und er damit erreichen wolle, dass Pampi das Gebiss frühzeitig annehmen lernt. Einigermassen verstimmt über soviel reitereichen Unsinn habe ich das Einreiten-lassen durch den Bereiter mit diesem ersten Testlauf dann auch wieder beendet und mir überlegt, dass ich mein Pferd so auch selbst zu Schott reiten kann und eine Hinrichtung dann wenigstens nicht auch noch Geld kosten muss…

Ab dem Zeitpunkt gab es im Schritt nur noch ein Reiten mit hingegebenem Zügel und das ganze 12-15 Monate. Das Ergebnis war ein taktreiner Schritt der aus der Hinterhand kommt, der bis heute mit 14 Jahren noch immer erhalten ist. Der Schritt also – wie würde es Herr Stecken so schön formulieren – «im Takt sicher geregelt ist».

Reiten mit hingegebenem Zügel mit Genickkontrolle erhält den unverspannten Rücken des Pferdes…

 

Das Reiten am langen Zügel oder mit hingegebenem Zügel mit Genickkontrolle hat in Verbindung mit den Halben Paraden eine logischen Hintergrund, der den Ausbildern zu früheren Zeiten bekannt war und wie vieles Wichtige im Zusammenhang mit der Ausbildung eines Pferdes heute wohl leider in Vergessenheit geraten ist.

Ziele richtigen Schritt Reitens:

  1. Die Pferde sollen lernen, den Hals fallen zu lassen,
  2. im Genick nachzugeben und 
  3. so durch den Schub aus der Hinterhand das Gebiss bei vorgelassenem Hals anzunehmen.

Vielen mag das im ersten Schritt der längere Weg sein; ist es aber nicht.

Befasst man sich mit der Bewegungslehre, ist es eigentlich vollkommen logisch, diesen Weg zu gehen.

Der Rücken des Pferdes ist das Bewegungszentrum und die Muskeln müssen unverspannt arbeiten. Dazu müssen sie sich dehnen und zusammenziehen können wie eine Zieharmonika und es darf nicht durch beispielsweise zu viele schiebende Hilfen, durch zu viel Einwirkung durch die Hand oder einen zu kurzen Zügel falscher Zug auf die einzelnen Strukturen und Verspannungen der Muskulatur entstehen.

Auch müssen Nick- und Pendelbwegung von Hals und Kopf zugelassen werden. Reitet man beispielsweise Schritt am langen Zügel, dann kommt – wirken die Hilfen richtig zusammen – die Nase bei vorgelassenem Hals an die Senkrechte, die Rücken hebt sich oder wölbt sich und die Hinterbeine können weiter in Richtung Schwerpunkt vortreten. Dadurch arbeiten alle Muskeln unverspannt. Die Muskeln werden ausreichend durchblutet, das Pferd kann sich lösen, kaut und schnaubt zufrieden ab. Der Schweif pendelt. Die Muskulatur bildet sich richtig.

Mit diesem Schritt am langen Zügel kann man dann auch Schlangenlinien durch die ganze Bahn, grosse gebogene Linien sowie die grosse und die kleine Acht der auch Vollen reiten. 

Sitzt man dabei korrekt in der Bewegung, erfolgen die Halben Paraden gefühlvoll alle zwei bis drei Tritte, bleiben nicht im 2./3. Halswirbel stecken (das entsteht unter anderem durch den zu kurzen Zügel), sondern erreichen das Hinterbein, was wiederum das Annehmen des Gebisses und Nachgeben im Genick zur Folge hat, dann wird man feststellen, dass man beispielsweise in einer Wendung den inneren Zügel «quasi» gar nicht braucht und man auch in jeder Wendung innen überstreichen kann und das Pferd bleibt korrekt auf die gebogene Linie eingestellt ohne auszuweichen oder gar zum Hufschlag hin wegzudrängen. Das Überstreichen-können ist dabei die Bestätigung für den korrekten Sitz. 

Verdreht man sich hingegen im Oberkörper, knickt in der Hüfte ein, hat die Unterschenkel nicht an der richtigen Position, die innere Hüfte nicht in die Bewegungsrichtung vorgeschoben, funktioniert das alles leider nicht.

 

Das Lösen der Pferde…

Um die Aktivität des Hinterbeines und die Taktsicherheit zu erhalten sowie Losgelassenheit zu erreichen, sollte man auch in der weiteren Ausbildung zwischendurch Mittelschritt am langen Zügel reiten oder auch Leichttraben und dabei Zügel aus der Hand kauen lassen… Auf diese Weise wird mit der Zeit mehr und mehr die Dehnungsbereitschaft des Pferdes erreicht. Das sieht man dann auch an der Muskelbildung des Pferdes am Hals. 

Die Muskeln entwickeln sich an den notwendigen Stellen richtig und es entstehen keine Verhärtungen, Dellen und Beulen, die man heut fast nur noch sieht.

Starke Unterhalsbildung entstanden, da das 7-jährige Pferd durch fehlerhafte reiterliche Einwirkung gegen die Hand geht und aus der Vorhand zieht.

Ein Bild, das Pferd, Gras, Himmel, draußen enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Gut sichtbare Drosselrinne bei dem richtig entwickelten Hals von Pampi im Alter von sechs Jahren. Die Form des Halses weist darauf hin, dass das Pferd den Hals fallen lässt, im Genick nachgibt und das Zügel aus der Hand kauen schon gut umsetzen kann.

 

Die Muskulatur kann sich nur so gleichmässig entwickeln wie auf dem Foto von Pampi, wenn man sich viel Zeit lässt und von Anfang an versucht, auf eine gefühlvolle Einwirkung, das richtige Zügelmass und einen möglichst korrekten Sitz zu achten. 

Dabei sind weniger Lektionen und der Verzicht auf die Versammlung sicherlich der beste Weg, um beim jungen Pferd Freude an der eigenen Bewegung, Leistungsbereitschaft und Vertrauen zu erreichen…