Tag:Sehnenschaden

Hilfe! Mein Pferd ist entsetzlich triebig…

Was tun mit einem triebigen Pferd?

Ein ausreichend langer Zügel ist schon im Schritt sehr wichtig, damit Pferde ihre Bewegungsfreude behalten.

Manch einer wird sich diese Frage nicht nur einmal gestellt haben! Warum ist mein Pferd nur so entsetzlich triebig? Vor allem in der Halle und auf dem Reitplatz! Man treibt und treibt, nimmt irgendwann in seiner Verzweiflung Gerte und Sporen. Das Ergebnis ist auch dann eher ernüchternd, denn viele Pferde sind ein bis zweimal reiten etwas aktiver und dann werden sie genauso „faul“ wie zuvor. Das Reiten wird für Reiter und Pferd eine sehr mühsame Angelegenheit.

In ganz seltenen Fällen ist es so, dass ein Pferd triebig auf die Welt kommt oder schon in den ersten Jahren als Reitpferd eine „Aversion“ gegen die Arbeit in der Reithalle oder auf dem Platz hat. Oft ist es ein schleichender Prozess, der mit vielen anderen für das Pferd negativen und schwierigen Dingen unauffällig einhergeht und Ursachen hat. 

Oft sind es Kleinigkeiten, die sich verändern, einem aber gar nicht so sehr auffallen oder denen man nicht die Bedeutung beimisst: 

  • Pferde bleiben schon beim Aufsitzen nicht mehr stehen. 
  • Auf einer Hand lassen sie sich mit Zeit schlechter stellen. Man hat das Gefühl, dass sie beispielsweise auf der linken Hand immer schlechter. 
  • Auf dem Zirkel galoppieren sie vielleicht nur noch an, wenn man sehr viel Druck macht. 
  • Beim Durchreiten der Ecke häuft es sich, dass sie hinten umspringen oder ganz ausfallen, in eiligen Trab übergehen und der Galopp nicht mehr richtig durchgesprungen ist. 
  • Nicht selten galoppieren Pferde auch einfach gar nicht mehr an. 
  • Nicht wenige gehen gegen die Hand.
  • Das ein oder andere Pferd wird sogar widersetzlich. 
  • Der Trab wird hölzern, die Pferde klemmen, schlagen mit dem Schweif und wollen einfach nicht mehr fleißig vorwärts.

Kaum geht man jedoch ins Gelände, reitet aus, scheinen alle Probleme wie weggeblasen! Auf einmal geht das Pferd wieder fleißig vorwärts. Es scheint Spaß an der Bewegung zu haben und ist richtig gut gelaunt! 
Wie soll man das einschätzen? 
Woran liegt das? 
Ist nicht jedes Pferd dafür geeignet, dressurmäßig geritten zu werden? 
Ist die Arbeit zu eintönig oder findet das ein oder andere Pferd dieses Training einfach doof und man sollte ihm das nicht antun? 
Ganz auf die dressurmäßige Arbeit verzichten?

Vor ein paar Tagen erzählte mir eine gute Bekannte genau diese Geschichte. Der Rat ihres Ausbilders dazu: „Dann will der das einfach nicht und Du solltest nur springen und ausreiten. Ich springe mit meinen Pferde auch nur, da die Dressur und Training in der engen Halle langweilig finden!“

Das ist natürlich auch ein Weg! Aber sicher nicht die Lösung?

Nach Ursachen suchen

Wie bei allem, was mit Pferd und Reiten zu tun hat, ist es wichtig, nach den Ursachen zu suchen, wenn es ein Problem gibt und dabei helfen oft schon die richtigen Fragen, um Hintergründe zu erkennen:

  1. War das Pferd schon immer so oder hat es vielleicht einen Anlass gegeben, dass das Pferd sich verändert hat? 
    1. Ist es vielleicht hingefallen oder hat es sich in der Box festgelegt?
    1. Hat man einen neuen Sattel?
    1. Hat man Trense und Gebiss gewechselt?
  2. Hat sich das Pferd im Umgang verändert?
    1. Ist es schreckhafter geworden?
    1. Vielleicht beim Putzen unfreundlich oder weicht immer zur Seite aus, wenn man an bestimmten Stellen mit dem Striegel beispielsweise aufrauen möchte?
  3. Hat sich an Fütterung und Haltung etwas verändert?
    1. Ist das Pferd seltener auf der Weide?
    1. Wurde das Futter umgestellt?
    1. Wie ist das Fressverhalten des Pferdes?
    1. Hat es vielleicht einen neuen Nachbarn bekommen, mit dem es sich nicht versteht?
  4. Was ist mit dem Reiten?
    1. Hat man die Anforderungen verändert?
    1. Erscheint das Pferd kraftloser/matter?
    1. Hat der aktuelle Reitlehrer andere Vorstellungen als der davor?
    1. Scheint es unter- oder überfordert?
    1. Scheint das Pferd verspannt?
    1. Wie lange dauert die Lösungsphase? 15-20 Minuten sollte sie im Optimalfall nicht überschreiten. Dann sollte sich das Pferd ehrlich loslassen können.
    1. Schnaubt das Pferd immer wieder zufrieden ab?
    1. Pendelt der Schweif ruhig hin und her oder schlägt das Pferd nachhaltig mit dem Schweif?
  5. Wie sieht das Pferd an sich aus?
    1. Hat es sich von der Muskulatur her verändert?
    1. Wirkt es runder oder eher kantiger?
    1. Hat es zu- oder abgenommen?
    1. Wie wirkt das Auge? Ruhig oder gestresst?
    1. Was ist mit dem Fell? Geschmeidig oder eher struppig?
  6. Sollte der Tierarzt hinzugezogen werden?
    1. Kann es sinnvoll sein, eine Blutprobe zu nehmen?
    1. Kann eine Kotuntersuchung sinnvoll sein?
    1. Sollte der Tierarzt nach Schmerzen, Entzündungen, Lahmheiten schauen?

Hat man die Fragen für sich selbst, mit Hilfe des Tierarztes oder einer anderen Person beantworten können, kann man daran gehen, die einzelnen Punkte abzuarbeiten und so nach und nach einen Punkt nach dem anderen auszuschließen.

Wenn man zu der Erkenntnis kommt, dass man reiterlich etwas ändern muss, dann besteht der erste Schritt darin zu schauen, ob das Pferd Schmerzen, Entzündungen oder vielleicht Rückenprobleme hat. Ein Wegdrücken des Rückens beim Putzen, ein Wegzucken, wenn man mit dem Finger auf den Rücken drückt, ein unwilliges Schweifschlagen beim Satteln, was vielleicht früher nicht da war oder ein Nicht-mehr-Stehen-wollen beim Aufsteigen können Hinweise für erste Rückenprobleme und auf jeden Fall für Verspannungen sein. 

Mögliche Ursachen

Der Zügel

Nicht selten ist ein zur kurz gehaltenen Zügel im Schritt eine Ursache. Der zu kurze Zügel ist nämlich nicht nur der Grund für einen schlechter werdenden und nicht mehr taktreinen Schritt, sondern oft auch Grund für gesundheitliche Probleme. Das richtige Zügelmaß gilt dann natürlich für alle Grundgangarten, denn es ist mit eine Voraussetzung dafür, dass sich das Pferd loslassen kann.

Das Pferd nimmt den Zügel noch nicht an. Der Zügel hängt bei vorgelassener Hand phasenweise noch durch. Ein fleißiges Vorwärtsreiten hilft. Die Pferde lernen so wieder mit dem Hinterbein aktiv abzufußen und nach vorne zu springen, anstatt auf der Stelle zu „hoppeln“.

 

Das Tempo

Manchmal kommt es vor, dass Pferde ihre Bewegungsfreude verlieren, da sie vielleicht schon seit Beginn ihrer Ausbildung in einem zu langsamen Tempo geritten werden, weil man davon ausging, dass sich junge Pferde schon setzen können und müssen und sie darüber eine wie sich das auch immer einstellen sollende Selbsthaltung erreichen können. Das kann ein junges Pferd generell nicht. Die fehlerhafte Belastung führt zu Verspannungen, vielleicht Schmerzen, Unwohlsein und dazu führen, dass das Pferd irgendwann schon von sich aus nicht mehr vorwärts möchte.

Der Sitz

Ein fehlerhafter Sitz des Reiters, eine rückwärts wirkenden Hand, unruhige Unterschenkel können das Pferd im Laufe der Zeit stark verunsichern, so dass es nicht mehr vorwärts gehen möchte.

Die Elastizität des Pferdes

Ist das Pferd steif und wurde nicht daran gearbeitet, es auf beiden Händen gleich geschmeidig zu machen, also es geradezurichten, kann diese Steifheit dazu führen, dass ihm Wendungen – vor allem engere Wendungen – nicht nur schwerfallen, sondern auch Muskelschmerzen hervorrufen. Wirken dann Sitz und Einwirkung nicht in korrekter Weise zusammen, schleudern die Pferde bei Wendungen mit der Hinterhand nach außen. Beherrschen sie zudem nicht grundlegende Lektionen, die die Rippengeschmeidigkeit verbessern, dann werden sie mit der Zeit unelastischer und somit steifer. Das eine Pferd weicht dann über ein Davon-Eilen der unangenehmen Situation aus und das andere wird immer triebiger, was manch einer unwissend „faul“ nennen könnte. Dann einfach nur mehr zu treiben oder sich  Gerte und Sporen zur Unterstützung hinzu zu nehmen, lässt die Pferde weiter abstumpfen.

Triebige Pferde oder Pferde mit Schmerzen springen im Galopp meist nicht mehr richtig durch so wie das Pferd auf dem Foto. Sie müssen das „erst wieder lernen“. Dazu muss die Nase vorgelassen werden!

 

Der Rücken

Rückenprobleme oder auch Kissing Spines können dazu führen, dass das ein Pferd nicht mehr fleißig vorwärts gehen möchte, da ihnen der Befund Schmerzen bereitet.

Je nach Ausprägung verändert sich die Oberlinie des Pferdes massiv. Das ist immer mit Scmerzen verbunden und manch ein Pferd will einfach nicht mehr vorwärts….

 

Organische Gründe

Bei Pferden, die über eine lange Zeit mit körperlichen Problemen belastet sind oder gewesen sind, können auch organische Probleme der Grund für wenig Vorwärtsdrang unter dem Reiter sein, so dass ihnen einen fleißiges Vorwärtsgehen einfach schwerfällt. 

Wenn dann noch bei verhärteter und steifer Muskulatur engere Wendungen hinzukommen, wird es für diese kranken Pferde zunehmend schwerer. Eine in dem Moment zu enge Wendung muss dann nicht einmal zwingend sehr eng oder klein sein. Manchmal ist schon das Reiten auf einem Zirkel eine Schwierigkeit.

 

Fazit:

Auch hier sind die Hintergründe wieder sehr vielfältig und können in Bezug auf die einzelnen Punkte noch weit tiefer gehen, als wir uns das im ersten Schritt vorstellen können. Ursachen zu finden und diese wenn möglich zu beseitigen ist ein unverzichtbares Muss, wenn das Pferd wieder freudig mitarbeiten und fleißig vorwärts gehen soll.

Richtig Reiten ist heute relativ…

Du reitest noch mit Nasen- und Sperrriemen und mit einem doppelt gebrochenen Gebiss? Was für eine Tierquälerei!
Du reitest noch über den Rücken, versuchst Deinen Sitz und Einwirkung kontinuierlich durch Sitzübungen und Sitzkorrektur zu verbessern? Was für ein Quatsch!
Du übst Zügel aus der Hand kauen lassen, damit Dein Pferd lernt, das Gebiss anzunehmen und sich vorwärts-abwärts zu strecken, um darüber den Rücken zu heben und mit dem Hinterbein aktiv in Richtung unter den Schwerpunkt zu treten und sich loszulassen? Na, das ist aber alles ganz falsch und fällt unter Tierschutzrechtlich relevantes Verhalten und FN-Hinrichterei!

 

Wenn man sich alleine diese Einleitung des Artikels durchliest, dann „packt sich an den Kopp“ – um das hessisch zu formulieren!

Heute bist Du richtig aufgestellt, wenn Du Gebisslos reitest, wie ein Irrer als Isi-Vertreter durch die Ovalbahn schredderst, Dein Pferd irgendwie schief und krumm vertikal durch die Bahn stolpert und Du innerhalb eines Jahres vom Anfänger zum Reiter der hohen Schule avancierst. Dein Pferd irgendwie auf der Stelle zappelt und du ständig am Gebiss reissend den Kopf Deines Pferdes nach oben zerrst. Das ist dann Reiten in Perfektion.

Der gute Dressursattel mit wenig Kniepauschen und flacher breiter Sitzfläche bei der man sich nicht festklemmen kann, ist genauso verpönt, wie der ganz stinknormal englisch kombinierte Trensenzauzum. Im Gegenteil: bei einem solchen Foto unterstellt man Dir schon Misshandlung durch das zugeschnürte Maul – egal wie locker derselbe verschallt ist.
Heute reitet man mit Glücksrad und hockt in Sitzprotesen, die Hinten und vorne so hoch sind, dass man auf jeden Fall eingeklemmt ist wie Schillers Glocke – festgemauert in der Erden…. Mitschwingen im Becken – wie auch bei den vielen festen und kaputten Pferderücken…

Die überlieferten Grundsätze der Ausbildung sind dann heute misshandelnde FN-Rieterei und nur wunderliche Leute haben das Reiten in Wahrheit begriffen. Alle anderen sind Schwätzer und Stümper…..

Wenn ich mich morgens so durch Facebook und Instagram zippe, dann verstehe ich immer öfter die Welt nicht mehr und frage mich , wann Reiten wegen Tierquälerei endlich verboten wird, da die Tierschutzorganisationen für diesen Bereich einen Fachmann einkaufen, der das dann auch alles wissenschaftlich belegen kann…

Die FN hat mal einen Satz auf ihre Fahnen geschrieben: „Richtig reiten ist gelebter Tierschutz!“ Was für ein genialer und treffender Satz. Nur findet man ihn heute kaum noch in gelebter Form! Vermutlich nur noch ganz selten – wenn überhaupt….

Im internationalen Sport geht es um Erfolge und um das Spektakuläre. Springpferde mit einer fundierten Dressurmässigen Grundausbildung findet man gar nicht mehr. Wenn man beim Kauf oder beim Probereiten mal einen findet, der nicht komplett falsch bemuskelt oder aus dem Rücken nicht lahm ist, dann liegt das vermutlich daran, dass er ein paar Monate auf der Weide stand und nicht unter dem Sattel war.
Wenn man ein Dressurpferd sieht, was nicht Pass geht und die Vorderbeine hochreisst, dann ist es vermutlich noch nicht angeritten oder stand wegen eines Sehnenschadens ein paar Jahre irgendwo rum.
Wenn man bei den vielen Alternativen mal einen findet, dessen Reiter nicht von der grossen und einzigen Wahrheit labert, dann hat er vermutlich nur einfach kein Facebook oder YouTube und hat von der bayrischen Irrenanstalt noch nichts gehört.

Eine korrekte Ausbildung von Reiter und Pferd dauert leider einfach Jahre und lässt sich durch nichts beschleunigen. Leider ist dass dann nicht spektakulär und Öffentlichkeits-wirksam, denn man muss lange Zeit an den Grundlagen arbeiten.
Beim Reiter arbeitet man als guter Ausbilder Jahrelang am korrekten Sitz und am richtigen Zusammenwirken der Hilfen und beim Pferd am Muskelaufbau, am Geraderichten und an der Beweglichkeit der Gelenke. Das geht alles nicht in ein paar Monaten.
Würde man das erzwingen wollen, wäre es für beide mehr als unfair. Das Gefühl für den richtigen und dosierten Einsatz der Hilfen kann man nur über jahrelange Übung lernen. Keiner ist ein solches Genie, dass er das in ein paar Wochen begreift.
Das Pferd kann zwar mit Pudeldressur irgendwas irgendwie eingetrichtert bekommen. Das hat aber nichts mit Ausbildung zu tun.

Warum macht man das dann trotzdem? Will man als Genie in die Geschichte eingehen? Will man zum nächsten grossen Guru werden? Geht es um das schnelle Geld? Sind die Leute vielleicht einfach nicht mehr ganz dicht? Weiss Dr. Google mehr als der über Jahre studierte Tierarzt? ist es bequemer, die ganz aufwendige Reitausbildung über den Haufen zu werfen, um einen einfachen und schnellen Weg zu gehen, der die Eingenen reiterlichen und intellektuellen Defizite nicht ganz so deutlich werden lässt?
Ich weiss es nicht! Darauf habe ich bisher keine Antworten gefunden…..

 

Der erfahrene Reiter würde…

Ein Bild, das Gebäude, Zaun, Pferd, Boden enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

In den letzten Monaten sind die Diskussionen über Dehnungshaltung und Zügel aus der Hand kauen lassen etwas – sagen wir es freundlich – aus dem Ruder gelaufen. Das zumindest in Bezug auf die Interpretation über richtig und falsch. Vermutlich kommt das bei manch einer Reitauffassung auch eher daher, dass die reiterlichen Fähigkeiten einfach nicht ausreichen, um das Hinterbein ausreichend aktiv und fleissig zu halten, damit die Pferde das Gebiss bei ausreichend langem Zügel auch annehmen können, der Rücken als Bewegungszentrum zum Schwingen kommt . Die Pferde also so zu reiten und auszubilden, dass sie sich loslassen können. Loslassen kann sich ein Pferd immer dann, wenn Muskeln unverspannt arbeiten und das Pferd nicht unter Stress steht. 

Schweif- und Kopfschlagen, ein aufgesperrtes Maul, ein Ziehen aus der Vorhand mit heraus gedrücktem Unterhals, nicht taktreine, tippelnde Bewegungen, Kopfnicken im Galopp vor allem bei fehlerhaften und zur falschen Zeit verlangten Versammlungsversuchen und Klappern auf dem Gebiss sind Hinweise, dass alles ziemlich falsch ist. Das weiss jeder Reiter, der wirklich weiter reiten und ausbilden kann. Dieser arbeitet beim Auftreten solch gravierender Fehler dann auch eher daran, dass sie wieder verschwinden, als das er sich das passend reden würde. Ihm wäre bewusst, dass auch anderen bewusst ist, dass diese Fehler eben nur auftreten, wenn man gravierende Fehler macht. 

Es wird also mehr am Nicht-Vermögen Einzelner liegen, dass die so wichtige Lektion Zügel aus der Hand kauen lassen nicht geritten und verteufelt wird und die Notwendigkeit der Dehnungshaltung (Zitat Paul Stecken: ein Vorlassen des Halses und damit eine Dehnung desselben muss immer zugelassen werden) in Abrede gestellt wird.

Wenn man sich intensiv mit der Ausbildung eines Pferdes von der jungen Remonte bis zur Klasse S befasst, dann weiss der erfahrene Reiter, dass das a) will man ein gesundes und unverspanntes Pferd erhalten nicht schnell geht und dass man sich b) nicht mit dem (schlechten) Reiten von Lektionen befassen sollte, die das Pferd nicht leisten kann, da es dazu weder muskulär – also von der Kraft her – in der Lage ist, noch dass es ausreichend ausbalanciert ist. 

Den Stress und die Unsicherheit, die ein solches Reiten für das Pferd bedeuten und den täglichen Vertrauensverlust der damit verbunden ist, dem muss dabei noch eine ganz besondere Bedeutung beimessen.

Seitengänge oder gar die Versuche, sie dem noch unausbalancierten Pferd beizubringen erspart man sich bis zu dem Zeitpunkt, bis das Reiten von Wendungen auf der geraden und gebogenen Linie so gut funktioniert, dass die Anlehnung auf beiden Hànden gleich gut ist, das Pferd sich nicht mehr raushebt und zufrieden kauend und immer wieder abschnaubend schwungvoll vorwärts gehend das Gebiss annimmt.

Wenn man dann irgendwann mit Seitwärtsverschiebungen beginnt, dann arbeitet man erst einmal am ersten Übertreten und vielleicht am Schenkelweichen, anstatt sich mit Schulterherein oder gar Travers, Renvers oder Traversalen zu brüsten. Die können vielfach nämlich weder Reiter noch Pferd. Reiter, die es wirklich können, versuchen es nämlich erst gar nicht, da sie wissen, dass es nicht funktionieren kann und nur zu Ausweichbewegungen, Verspannungen und Fehlbelastungen führt….

Da die jungen Pferde – vor allem die bewegungsstarken Pferde von heute – als Remonte noch nicht in der Lage sind auf einem Hufschlag zu galoppieren, da sie noch nicht geradegerichtet sind und sein können, schleudert der denkende Reiter nicht mit der Hinterhand auf dem fünften Hufschlag herum und stellt das Pferd irgendwie schief nach aussen. Es sei denn der Sitz ist so grob fehlerhaft und der Reiter im Oberkörper so verdreht, dass dem armen Pferd nichts anders übrig bleibt, will es nicht gleich umfallen. Ein wirklich guter Reiter würde so etwas niemals als weiterführende Lektion verkaufen. Das wäre ihm zu peinlich.
Er würde sich eher über wahre Fortschritt in der Grundlagenarbeit freuen.

Wenn die Pferde in einem schleppenden und kratzenden Galopp schief durch die Bahn hüpfen, nennt kein guter Reiter das Traversale. 
Der erfahrende Ausbilder weiss, was zum korrekten Ausführen einer Traversale alles notwendig ist. Wer sich intensiver mit der Materie befasst, weiss, dass das, was man heute bei manch einer Vereinigung Gleichgesinnter sieht alles ist, nur sicherlich keine Traversale. Von den armen Pferden ist es vermutlich eher der Versuch, nicht umzufallen oder sich gar die Beine zu brechen.

Die Frage, die man sich als ganzheitlich denkender Mensch stellt ist natürlich: Warum macht manch einer eine solchen reiterlichen Unsinn?

Nach langem Überlegen und Abwägen drängt sich einem der Gedanke auf, dass der eine oder andere im tiefsten innersten vermutlich lange erkannt hat, dass ihm die reiterlichen Fähigkeiten, das Körpergefühl und vielleicht auch die Fähigkeiten in komplexen Zusammenhängen zu denken fehlen und er sich deshalb, wie es schon Louis Seeger nannte, «der hohen Schule zu kleinen Preisen» – nämlich dem Pfusch widmet und die um sich scharrt, denen das Richtige zu anstrengend und zu langwierig ist oder die das einfach intellektuell ebensowenig können.

Udo Bürger würde dazu jetzt so passend formulieren: «… und dann gibt es das grosse Heer selbstzufriedener Dilettanten, die all`ihr Tun schön finden und nie begreifen werden, worum es geht.»

Ach ja, so war er … einfach unfassbar treffend genial…

Schritt richtig reiten und nutzen…

Wie man Schritt verbessern und Losgelassenheit erreichen kann

Durch das gute Gebäude und die Veränderung der Zucht wurden in den letzten Jahren Pferde geschaffen mit einem teils überragenden Schritt. Die Pferde schieben aus der Hinterhand, treten vielfach drei bis vier Huf über. Einen solchen Schritt zu erhalten, ist für viele Reiter schwierig. 

Das sicherlich ein Grund für viele interessante Argumente, warum im Laufe der Zeit der Schritt angeblich schlechter werden muss oder Pferde erst im Zuge der Ausbildung lernen können, sich taktrein zu bewegen. So finden Reiter immer wieder kreative Erklärungen für die eigenen Unzulänglichkeiten oder reiterliches Unwissen.

Schon beim Einreiten der jungen Pferde werden sehr oft elementare Fehler gemacht. Wenn mit dem Einreiten begonnen wird, nehmen Reiter und Ausbilder die Zügel auch im Schritt frühzeitig auf und argumentieren das damit, dass die jungen Pferde an den Zügel «herantreten sollen», was sie – befasst man sich mit der funktionellen Anatomie – überhaupt nicht können. 

Der Hals ist die Balancierstange des Pferdes und über die Nick – und Pendelbewegung von und Kopf und Hals geht auch im Schritt die Bewegung von hinten nach vorne durch den Körper. Um das Fallenlassen des Halses und das Ausbalancieren überhaupt zu ermöglichen, ist das richtige Zügelmass das A und O. Das bedeutet, der Zügel muss so lang sein, dass die Nase im Mittelschritt zum Beispiel an die Senkrechte Höhe des Buggelenkes kommen kann. Nur so bleibt der gute (Mittel-)Schritt erhalten.

Das bedeutet auch, dass man versammelten Schritt nicht dauerhaft üben sollte oder muss und das sowieso erst ab einem entsprechenden Ausbildungsstand. Das heisst ebenso, dass das Reiten mit hingegebenem Zügel zum täglichen Reiten und Training dazu gehören sollte.

Egal, wohin man heute schaut, überall sieht man Pferde mit einem gebundenen und vielfach auch passartigen Schritt. Die Ursache ist einfach: Der Zügel zu kurz, die halben Paraden fehlen oder werden nicht richtig gegeben, die Hilfen wirken nicht richtig zusammen und die Reiter treiben und schieben mit dem Oberkörper, da ihnen das auch von international erfolgreichen Reitern vorgemacht wird.
So kommt es auch beim Schrittreiten zu sehr interessante Interpretationen über richtig und falsch…
Viele Ausbilder der alternativen Reitmethoden argumentieren nicht nur für den Schritt die Aufrichtung und Versammlung und das natürlich ebenfalls mit dem zu kurzen Zügel und einer Aufrichtung, die nicht aus der Kraft der Hinterhand und über die sich verbessernde Hankenbeugung kommt, sondern ausschliesslich über die Einwirkung der Hand, was ja bekanntermassen falsch ist… 
Auch auf diese Weise wird der Schritt in einer Geschwindigkeit kaput geritten, so schnell kann man gar nicht schauen. 

Bei einem jungen Pferd reichen dafür oft schon die ersten Male Reiten und man korrigiert hinterher Wochen, wenn nicht Monate daran herum.

Als Fellini (Pampi) 4 ½ war und ich mit dem Einreiten begann, dachte ich, ich hole mir Unterstützung von einem erfahrenen Ausbilder, um keine Fehler zu machen. Ich konnte zusehen, wie der Bereiter vom Landgestüt es schon beim ersten Reiten schaffte, mein junges Pferd in den Pass zu reiten. Auf meinen Wunsch hin, den Zügel doch 20-30 cm länger zu lassen, kam die Antwort, dass ich von diesen Dingen keine Ahnung hätte und er damit erreichen wolle, dass Pampi das Gebiss frühzeitig annehmen lernt. Einigermassen verstimmt über soviel reitereichen Unsinn habe ich das Einreiten-lassen durch den Bereiter mit diesem ersten Testlauf dann auch wieder beendet und mir überlegt, dass ich mein Pferd so auch selbst zu Schott reiten kann und eine Hinrichtung dann wenigstens nicht auch noch Geld kosten muss…

Ab dem Zeitpunkt gab es im Schritt nur noch ein Reiten mit hingegebenem Zügel und das ganze 12-15 Monate. Das Ergebnis war ein taktreiner Schritt der aus der Hinterhand kommt, der bis heute mit 14 Jahren noch immer erhalten ist. Der Schritt also – wie würde es Herr Stecken so schön formulieren – «im Takt sicher geregelt ist».

Reiten mit hingegebenem Zügel mit Genickkontrolle erhält den unverspannten Rücken des Pferdes…

 

Das Reiten am langen Zügel oder mit hingegebenem Zügel mit Genickkontrolle hat in Verbindung mit den Halben Paraden eine logischen Hintergrund, der den Ausbildern zu früheren Zeiten bekannt war und wie vieles Wichtige im Zusammenhang mit der Ausbildung eines Pferdes heute wohl leider in Vergessenheit geraten ist.

Ziele richtigen Schritt Reitens:

  1. Die Pferde sollen lernen, den Hals fallen zu lassen,
  2. im Genick nachzugeben und 
  3. so durch den Schub aus der Hinterhand das Gebiss bei vorgelassenem Hals anzunehmen.

Vielen mag das im ersten Schritt der längere Weg sein; ist es aber nicht.

Befasst man sich mit der Bewegungslehre, ist es eigentlich vollkommen logisch, diesen Weg zu gehen.

Der Rücken des Pferdes ist das Bewegungszentrum und die Muskeln müssen unverspannt arbeiten. Dazu müssen sie sich dehnen und zusammenziehen können wie eine Zieharmonika und es darf nicht durch beispielsweise zu viele schiebende Hilfen, durch zu viel Einwirkung durch die Hand oder einen zu kurzen Zügel falscher Zug auf die einzelnen Strukturen und Verspannungen der Muskulatur entstehen.

Auch müssen Nick- und Pendelbwegung von Hals und Kopf zugelassen werden. Reitet man beispielsweise Schritt am langen Zügel, dann kommt – wirken die Hilfen richtig zusammen – die Nase bei vorgelassenem Hals an die Senkrechte, die Rücken hebt sich oder wölbt sich und die Hinterbeine können weiter in Richtung Schwerpunkt vortreten. Dadurch arbeiten alle Muskeln unverspannt. Die Muskeln werden ausreichend durchblutet, das Pferd kann sich lösen, kaut und schnaubt zufrieden ab. Der Schweif pendelt. Die Muskulatur bildet sich richtig.

Mit diesem Schritt am langen Zügel kann man dann auch Schlangenlinien durch die ganze Bahn, grosse gebogene Linien sowie die grosse und die kleine Acht der auch Vollen reiten. 

Sitzt man dabei korrekt in der Bewegung, erfolgen die Halben Paraden gefühlvoll alle zwei bis drei Tritte, bleiben nicht im 2./3. Halswirbel stecken (das entsteht unter anderem durch den zu kurzen Zügel), sondern erreichen das Hinterbein, was wiederum das Annehmen des Gebisses und Nachgeben im Genick zur Folge hat, dann wird man feststellen, dass man beispielsweise in einer Wendung den inneren Zügel «quasi» gar nicht braucht und man auch in jeder Wendung innen überstreichen kann und das Pferd bleibt korrekt auf die gebogene Linie eingestellt ohne auszuweichen oder gar zum Hufschlag hin wegzudrängen. Das Überstreichen-können ist dabei die Bestätigung für den korrekten Sitz. 

Verdreht man sich hingegen im Oberkörper, knickt in der Hüfte ein, hat die Unterschenkel nicht an der richtigen Position, die innere Hüfte nicht in die Bewegungsrichtung vorgeschoben, funktioniert das alles leider nicht.

 

Das Lösen der Pferde…

Um die Aktivität des Hinterbeines und die Taktsicherheit zu erhalten sowie Losgelassenheit zu erreichen, sollte man auch in der weiteren Ausbildung zwischendurch Mittelschritt am langen Zügel reiten oder auch Leichttraben und dabei Zügel aus der Hand kauen lassen… Auf diese Weise wird mit der Zeit mehr und mehr die Dehnungsbereitschaft des Pferdes erreicht. Das sieht man dann auch an der Muskelbildung des Pferdes am Hals. 

Die Muskeln entwickeln sich an den notwendigen Stellen richtig und es entstehen keine Verhärtungen, Dellen und Beulen, die man heut fast nur noch sieht.

Starke Unterhalsbildung entstanden, da das 7-jährige Pferd durch fehlerhafte reiterliche Einwirkung gegen die Hand geht und aus der Vorhand zieht.

Ein Bild, das Pferd, Gras, Himmel, draußen enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Gut sichtbare Drosselrinne bei dem richtig entwickelten Hals von Pampi im Alter von sechs Jahren. Die Form des Halses weist darauf hin, dass das Pferd den Hals fallen lässt, im Genick nachgibt und das Zügel aus der Hand kauen schon gut umsetzen kann.

 

Die Muskulatur kann sich nur so gleichmässig entwickeln wie auf dem Foto von Pampi, wenn man sich viel Zeit lässt und von Anfang an versucht, auf eine gefühlvolle Einwirkung, das richtige Zügelmass und einen möglichst korrekten Sitz zu achten. 

Dabei sind weniger Lektionen und der Verzicht auf die Versammlung sicherlich der beste Weg, um beim jungen Pferd Freude an der eigenen Bewegung, Leistungsbereitschaft und Vertrauen zu erreichen…

Der Huf ist das Fundament

Als Bamboo zu uns kam, war er ehrlich gesagt, eine Komplettbaustelle und man konnte nicht einschätzen, wo die Reise hingeht und ob man es schaffen würde, alle Probleme in den Griff zu bekommen.

Neben den schon berichteten Rittigskeitsproblemen, den Rückenschmerzen, dem schlechten Fütterungszustand waren auch seine Hufe eine Katastrophe. Hufstellung und Hufachse waren fast schon abenteuerlich, er war Hinten nicht beschlagen, die Eisen, die er vorne drauf hatte, waren eigentlich Hinterhufeisen und insgesamt passte auch da nichts.

Die korrekte Stellung der Hufe ist sehr wichtig und wenn man eine Änderung herbeiführen muss, dauert es sehr lange, denn Änderungen dürfen nur in Millimeterschritten erfolgen, will man sich nicht auch noch Probleme mit Gelenken, Bändern und Sehnen schaffen.

Beispiel eines gut stehenden Pferdes
Beispiel eines Pferdes mit Stellungsfehlern.

Heute sieht das ganz anders aus. Die anfängliche Angst vor Schmied und de Beschlagen werden, ist nicht mehr da. Er steht entspannt ohne Angst und ohne Panik. In der ersten Zeit dauerte es zwei Stunden und mehr, um ihn zu beschlagen und es konnte passieren, dass er in seiner Angst alle über den Haufen gerannt hat. Manchmal war es nicht ungefährlich.

Durch die gute Unterstützung durch den Beschlag sind auch seine massiv ausgeprägten Gallen an den Hinterbeinen – die man bei Pferden in seinem Alter in der Form vermutlich auch nicht oft sieht – komplett verschwunden. Das ist natürlich nicht allein der Verdienst des Hufschmiedes, denn auch die Haltung und das Training müssen entsprechend aufgebaut sein, aber dieser wichtige Baustein hat vieles erst ermöglicht.

In unserem kurzen Video haben wir es zusammengefasst und es wie immer auf YouTube eingestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=soRICVe4zVc

 

Nach dem Sehnenschaden – Aufbautraining!

Mit Schritt reiten fängt der Aufbau nach dem Sehnenschaden wieder an. Ist der Boden rutschfest und nicht tief, kann es neben dem Reiten auf harten Wegen auch auf einer Wiese sein.

 

So schnell geht es: Das Pferd wird in den Stall geführt, erschreckt sich, springt zur Seite und schlägt mit dem Bein gegen den Aufhänger der Bodenbefestigung der Tür und Rums: Äußere und tiefe Beugesehne massiv verletzt. In vielen weiteren Fällen entstehen Sehnenschäden durch fehlerhaftes Reiten und Ausbilden, durch zu frühe und falsche Belastung, durch Fehler bei der Hufbearbeitung und beim Beschlagen.

Der Sehnenschaden ist der Horror eines jeden Pferdebesitzers oder Reiters.

So ging es mir auch, als sich eines unserer Pferde die Sehne am Türvorsprung angeschlagen hat. Abschließend hat das Pferd über ein Jahr gestanden und hat eine dauerhafte Schädigung und Vernarbung an der tiefen- und oberflächlichen Beugesehne davon getragen. Auch die Flüssigkeitsansammlung ist nicht ganz zurückgegangen. Das wird vermutlich auch bleiben. Das Pferd ist glücklicherweise absolut schmerz- und lahmfrei und auch nach Belastung wird die Flüssigkeitsansammlung nicht mehr, die Sehne nicht warm oder gar druckempfindlich. Für den größeren Sport ist ein Pferd mit einem solchen Schaden jedoch nicht mehr einsetzbar.

 

Eine Woche nach dem Trauma sah die Sehne so aus:

 

Sieben Monate nach der Verletzung:

11 Monate nach der Verletzung dann so:

Sicherlich muss man nach einer solchen Verletzung Abstriche machen. Baut man es aber richtig auf, kann das Pferd mit dem ‚Problem‘ gut leben und kann – macht man es richtig und lässt sich Zeit – damit auch wunderbar ohne Beeinträchtigung geritten werden. Für einen GrandPrix würde ich jetzt nicht mehr trainieren, aber für gut gerittenen Lektionen auch bis auf S-Niveau, einen richtig flotten Galopp im Gelände und Versammlung bis zu einem gewissen Grad kann man sein Pferd bei einem normalen Sehnenschaden immer wieder aufbauen. Man sollte allerdings vom Tierarzt eine Prognose haben, damit man ungefähr einschätzen kann, wo die Grenzen sind.

Bei Pampi war die Aussage des behandelnden Tierarztes ziemlich einfach: “Er ist jetzt 12 Jahre alt und bei dem Alter gibt es zwei Möglichkeiten: Sie schicken ihn jetzt in Rente oder Sie schieben ihn wieder an. Wenn Sie damit noch 6-8- Monate warten, können Sie es lassen, weil er einfach irgendwann zu steif wird. Entweder er hält oder nicht. Eine andere Aussage kann Ihnen niemand geben. Probieren Sie es aus!“

 

Nachdem ich diese Prognose verdaut hatte, habe ich angefangen, ihn vorsichtig wieder aufzubauen. Im Hinterkopf hat man erst einmal immer die Angst, dass man etwas falsch machen könnte, zu viel machen könnte oder sich das Pferd auf der Weide verletzten könnte. Alle diese Gedanken sollte man versuchen zur Seite zu schieben. Damit hört man nämlich auf zu Reiten, denn vor lauter Vorsicht, gymanstiziert man sein Pferd nicht, hält das Hinterbein nicht aktiv und reitet nicht mehr ausreichend fleißig vorwärts, so dass die Muskeln nicht mehr richtig arbeiten müssen. Dadurch wird das Pferd steif. In der Folge lässt sich das Pferd nicht mehr los, verspannt sich vermehrt und belastet dadurch einzelne Strukturen und damit auch die Sehne durch die Verspannungen falsch. So kommt der nächste Schaden bestimmt.

Also muss man versuchen, seine eigenen Ängste zur Seite zu schieben und den Körper durch die richtige Bewegung zu unterstützen. Wenn man die Sehne nach jedem Reiten kontrolliert und sein eigenes Reiten reflektiert, kann man mit der Zeit sehr gut einschätzen, was man seinem Pferd zumuten kann. Solange die Sehne nicht dick oder warm wird, das Pferd nicht schmerzempfindlich ist oder gar lahm geht, ist im Allgemeinen alles in Ordnung und man kann sein Pensum beibehalten und im Laufe der Zeit langsam steigern.

 

Was man wissen sollte!

Wichtig zu wissen ist, dass die Sehne erst wieder beweglicher und belastbarer – sprich dehnbar – werden muss nach einer Krankheitsbedingten Pause. Im Vergleich zu einem Muskel ist die Sehne nur in einem geringen Umfang dehnbar. Man spricht von 10%. Im Galopp wird die Sehne dabei weitaus mehr belastet als im Trab oder im Schritt.

Je nach Art und Ausmaß der Sehnenschadens kann es also auch sinnvoll sein, seinem Pferd noch einige schöne Jahre auf der Weide zu bieten und auf das reiten zu verzichten. Bei einem Sehnenabriss heilt die Sehne zwar meist wieder irgendwie zusammen, aber die Vernarbung kann dabei extrem groß sein, so dass die Dehnbarkeit der Sehne in Gänze stark eingeschränkt ist. Dann kann es schnell zu einer neuerlichen Schädigung an anderer Stelle der Sehne kommen. So wird der Bereich der Vernarbung immer größer und die Belastbarkeit der Sehne nimmt systematisch ab.

Das gleiche gilt auch bei mehreren Sehnenschäden nacheinander. Sprich: Schaden, Heilung, Schaden, Heilung…. Bei einem solchen Krankheitsverlauf sollte man darüber nachdenken, das Pferd nicht mehr zu arbeiten. Vielleicht einfach nur noch mit ihm spazieren zu gehen und es zu verwöhnen. Je nach Ausmaß der Schädigung kann es sein, dass das Pferd dauerhaft Schmerzen hat und immer wieder lahm ist. Ich denke immer, man sollte das dem Pferd ersparen.

 

Begleitende Maßnahmen!

Da durch eine Sehnenverletzung und durch die damit verbunden Schmerzen ist es wahrscheinlich, dass das Pferd seinen Bewegungsablauf verändert. Das führt an andere Stelle zu Verspannungen und zu Ausweichbewegungen. Dadurch können wiederum Verspannungen, Blockaden und Bewegungseinschränkungen entstehen. Damit diese Bewegungseinschränkungen keine weiteren Folgen haben, hilft Massage und die Behandlungen durch einen guten Osteotherapeuten. Der Therapeut stellt die Beweglichkeit wieder her und die Massage sorgt dafür, dass sich Verspannungen nicht wieder sofort einstellen können und so erneute Bewegungseinschränkungen vermieden werden können.

Bei Sehnenschäden im Bereich der Vorderbeine beispielsweise kommt es immer auch zu einer vermehrten Belastung der Muskulatur des Oberarms. Das kann sich dann auch bis zur Schulterpartie ausdehnen und den gesamten Körper des Pferdes belasten. Die Massage kann dann helfen, die Muskeln locker zu halten und die Durchblutung zu unterstützen. In unserem eBook „Massage – so wird’s locker“ haben wir der Massage der Sehne ein ganze Kapitel gewidmet.

Die Massage der Sehnen fördert die Durchblutung auch beim gesunden Pferd. Sie verbessert so auch die Geschmeidigkeit des Gewebes und kann für den Abtransport von Flüssigkeit sorgen.

Die Massage der Muskulatur an den Vorderbeinen hilft, Verspannungen zu lösen. Das wiederum entlastet auch die Sehne.

 

 

Der Aufbau beginnt!

Reiten durch Wasser macht Spaß und tut natürlich der Sehne gut. Wenn die Pferde dann wie Pampi hier auf dem Zügel aus der Hand kauen lassen beherrschen, ist das auch für den Rücken gleich ein perfektes Training.

 

Wenn Pferde lange gestanden haben, sind sie – auch wenn sie trotz Sehnenschaden immer auf der Weide waren – nicht selten ziemlich sportlich. Wenn man dann als Aufbau die Aufgabe hat, im Schritt ins Gelände zu gehen und auf harten Wegen zu reiten, ist das nicht immer so einfach umzusetzen. Pampi hat die Angewohnheit überall Außerdirdische zu sehen, wenn er nicht ausgelastet ist und dann immer wieder einmal recht motiviert durchzustarten. Mit dieser Aussicht würde ein Ausritt mit wenig Losgelassenheit enden und er wäre hinterher noch mehr geladen als vorher. Also habe ich es anders gemacht:

Neben der Weide befindet sich eine sehr große Wiese, die wir auch zum Reiten nutzen können. Wenn die Pferde neben der Reitwiese auf der Weide stehen, bleibt er ziemlich ruhig und regt sich nicht über alles auf. So habe ich die ersten Tage dort geritten. Die ersten Tage dann auch nur Schritt am langen Zügel und dabei Handwechsel auf geraden Linien. Ich wollte eigentlich nur erreichen, dass er wie ein junges Pferd den Hals fallen lässt und Zügel aus der Hand kauen lassen geht. Das funktionierte wider Erwarten sehr gut und er schnaubte schon gleich am ersten Tag immer wieder entspannt ab, kaute zufrieden auf seinem Gebiss und fand es offensichtlich klasse, dass man sich wieder mehr mit ihm beschäftigte.

Nach vier Tagen habe ich dann das erste Mal wieder eine große Runde getrabt. Dabei war mein Zirkel sicherlich 50-80m groß vom Durchmesser. So konnte ich eine vermehrte Belastung der Sehne verhindern. Nach einigen weiteren Tagen bin ich auch einmal wieder galoppiert. Nach dem Reiten habe ich die Beine kalt abgespritzt und immer DMSO aufgetragen. Das regt die Durchblutung an und hilft, mögliche Flüssigkeitsansammlungen abzutransportieren.

Da sich keine vermehrte Flüssigkeit angesammelt hat, die Sehne weder warm noch druckempfindlich wurde, er auch an der Hand in engeren Wendungen als Test nicht lahm war, habe ich das Training so beibehalten und habe den Ausritt ins Gelände eingebunden.

Natürlich ist er dann auf den ersten längeren Strecken, auf den wir in der Vergangenheit immer galoppiert sind, richtig abgespackt. Erst war ich unsicher, ob ich ihn grob zurücknehmen soll, dann habe ich entschieden, einfach tief durchzuatmen und ihn laufen zu lassen. Das ist der beste Weg, damit das Pferd nach dem Reiten zufrieden ist und sich nicht durch innere Anspannung verspannt.

Der ein oder andere wird jetzt denken, dass es eine riskante Sache war. Für mich war es ein kalkulierbares Risiko und ich kenne mein Pferd seit er in meinen Armen zur Welt kam. Pampi kann sich massiv aufregen und sich dann in Dinge hinein steigern. Dann tänzelt, piaffiert und hüpft er notfalls auch eine Stunde unter dem Sattel. Die Fehlbelastung, die aus dieser Aufregung kommt ist dann ungleich höher als ein kalkuliertes Gasgeben auf einem geraden und nicht rutschigen Weg..

Wie sagte der behandelnde Tierarzt: „Entweder er hält oder nicht….“Im Nachhinein betrachtet, war das der richtige Weg…. Nach dem ersten Schnellstart war er wieder so ruhig und gelassen wie eh und je… Die Luft war einfach raus…

 

Wichtig ist, dass sich die Pferde beim Reiten immer loslassen und den Rücken hergeben. Wenn sie sich loslassen, kommt es zu keinen Verspannungen und damit nicht zu Fehlbelastungen. Wenn man das erreicht, kann man die Anforderungen langsam steigern.

Im Laufe der Zeit kann man dann auch Steigungen und Gefälle im Schritt in sein Training wieder einbinden. Das stärkt Muskeln und Sehnen.

 

Mit der Zeit sollte man dann wieder zu einer Verbesserung der Rippengschmeidigkeit kommen. Das bedeutet, große gebogene Linien, große Schlangenlinien und die große Acht. Auf engerer Wendungen wird man je nach Schwere der Schädigung für die Zukunft ganz verzichten müssen. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass es bei einer solchen Vorschädigung nicht mehr um den nächsten Grand Prix geht, sondern darum, dass das Pferd mit diesem Problem schmerzfrei alt werden kann und es zu keinen weiteren Schwierigkeiten kommt

Heute sieht sein Training so aus: Ein Tag Longe auf einem sehr großen 30m Durchmesser Zirkel, 1-2 Tage Gelände, ein Tag Dressur und dann wieder einen Tag Pause. An allen Tagen ist er 12-14 Stunden auf der Weide und kabbelt sich mit seiner Schwester.

Bei einem gesundheitlich belasteten Pferd ist es noch wichtiger, dass alles aufeinander abgestimmt ist. Aus diesem Grund muss auch der Beschlag unterstützend ausgebaut sein.

 

Auch der Beschlag muss passen!

Man sieht es heute vielfach, dass die Pferde eine sehr lange Zehe haben und im Trachtenbereich zu tief stehen. Die Pferde stehen dann rückständig. Das führt zu einer vermehrten Belastung des gesamten Sehnenapparates. Es ist unverzichtbar, dass der Hufschmied das Pferd so stellt, dass es zu keiner zusätzlichen Belastung kommt. Ein dauerhafter Zug auf die Sehne ist auch für ein gesundes Pferd schädlich. Für einen Pferd mit Sehnenschaden kann es das frühzeitige Aus bedeuten.

 

Das tut man besser nicht!

Man sieht es oft, dass Pferde zum Aufbau erst einmal über einen längeren Zeitraum longiert werden. Das ist nicht zu empfehlen, denn erstens ist die Wendung an der Longe zu eng und somit die Belastung auf die Sehne zu groß und zweitens kann man unkontrolliertes Bocken, Stoppen und Gasgeben nicht vermeiden. Auch auf Springen und in der Anfangszeit Stangenarbeit sollte man verzichten. Die Belastung auf die Sehne ist zu groß. Reiten ohne Gebiss, Longieren mit Kappzaum oder am Halfter machen die Situation zusätzlich schwierig, da die Pferde dann den Rücken nicht hergeben und das Gebiss nicht annehmen können. Dazu gibt es ja unterschiedliche Ansichten, aber wenn man die Grundlagen der funktionellen Anatomie zugrunde legt, funktionieren alternative Wege nicht!

 

Die eigenen Wünsche stehen erst einmal hinten an!

Pampi war vom Ausbildungsstand mein bestes Pferd. Er ging alle Serienwechsel, Piaffe, Passage und sprang schöne Pirouetten. Es ist nicht einfach, das alles zur Seite zu tun und zu wissen, dass man dieses Niveau vermutlich nicht mehr erreichen kann.

Bei einer so schwerwiegenden Schädigung muss es um das Pferd gehen. Die eigenen Wünsche sind unwichtig.

Heute freue ich mich, wenn es ihm gut geht, er zufrieden abschnaubt und sich beim Reiten ehrlich loslässt. Alles andere kommt oder kommt nicht. Heute wünsche ich uns vor allem anderen noch viele schöne Jahre.

 

Wir werden seine weitere Entwicklung dokumentieren und schauen, wie er sich entwickelt.

Co-Autor: Karsten Gemmeker, Pferdeosteotherapeut

 

 

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Was tun bei einem Sehnenschaden?

Der Sehnenschaden… das große Risiko!

Man kommt gut gelaunt in den Stall, ist gerade damit beschäftigt, die Hufe auszukratzen und dann fühlt man ein Schwellung: Heiß. Nach außen gewölbt. Man holt sein Pferd aus der Box, um sich das Desaster in seiner ganzen Ausprägung anzuschauen…
Die Horrorvision eines jeden Reiters: Der Sehnenschaden….

Wie konnte das passieren? Es ist doch nichts vorgefallen!

Sehnen können durch unterschiedliche Ursachen geschädigt werden. Etwa wenn sich das Pferd das Bein anschlägt und ein Bluterguss entsteht, der die Sehne marmoriert. Es kann aber genauso gut durch eine zu frühe oder falsche reiterliche Belastung und Fehler in der Ausbildung entstehen. Auch falsch gestellte Hufe oder eine Verletzung können Sehnenschäden nach sich ziehen.
Erkennen lässt es sich dann einer Schwellung meist am hinteren Teil des Röhrbeines. Die Stelle ist bedeutend wärmer als der Rest des Pferdebeines – ein deutlicher Hinweis auf eine Entzündung. In der Folge sind dann viele Pferde irgendwann lahm.

Die Heilung von Sehnenschäden ist ein langwieriger Prozess und kann viele Monate dauern. Es ist außerdem möglich, dass Vernarbungen entstehen, die sich zum dauerhaften Schwachpunkt des Pferdes entwickeln können. Schon bei kleineren Fehlbelastungen oder Traumata kann es zu einer erneuten Schädigung des belasteten und/oder vernarbten Gewebes kommen. Nicht selten ist dann eine lange Ruhepause die Konsequenz – wenn es denn überhaupt noch möglich ist, dass Pferd wieder mit Training zu belasten…

Akuter Sehnenschaden durch einen Schlag

Der gleiche Sehnenschaden nach einigen Behandlungswochen. Die Sehne ist nur wenig abgeschwollen.

Nach weiteren vier Monaten ist die Schwellung noch immer nicht komplett zurückgegangen.

 

Die Sehne

Sehnen sind aus festem Bindegewebe und übertragen die Bewegung aus den Muskeln auf die Gelenke. Sehnen befinden sich an an den Gliedmaßen und an den Stellen, an denen Muskulatur am Knochen ansetzt. Die Sehnen an den Beinen des Pferdes sind für Verletzungen besonders anfällig, da es unterhalb des Karpalgelenkes keine „schützenden“ Muskeln mehr gibt – die Bänder und Sehnen, die sich am Röhrbein befinden, kann man deutlich fühlen.

An der Hinterseite des Beines befinden sich tiefe und oberflächliche Beugesehne sowie der Fesselträger. An der Vorderseite des Pferdebeines befinden sich die Strecksehnen.

Sehnen setzen sich aus Sehnenfasern zusammen. Diese sind vergleichbar mit einem Haar. Viele Sehnenfasern bilden ein Sehnenfaserbündel. Viele Sehnenfaserbündel bilden dann die komplette Sehne.
Verletzungen im Bereich der Sehne findet man in den einzelnen Fasern – sogenannte Faserrisse – oder in Form eines Sehnenabrisses.

Skizzenhaft dargestellter Verlauf von Sehnen und Fesselträger.
ROT: Strecksehne; TÜRKIS: Fesselträger; GELB: tiefe Beugesehne; WEISS: oberflächliche Beugesehne

 

Im Vergleich zu Muskeln sind Sehnen relativ schlecht durchblutet, so dass eine Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen nur in geringem Maße stattfindet. Um eine Sehne zu versorgen und gesund zu erhalten, braucht das Pferd ausreichend Bewegung und Weidegang. Das gilt bis zu einem gewissen Maß auch bei Verletzungen in diesem Bereich, denn bei kompletter Boxenruhe kann die körpereigene Versorgung weiter zurückgehen, was den Heilungsprozess zusätzlich verlangsamen oder behindern kann. Erfahrungen haben gezeigt, dass Freilauf und Weidegang auch bei Sehnenverletzungen wichtig ist. Das Pferd sollte nach Möglichkeit jedoch nicht pausenlos herumtoben, um das Bein nicht übermäßig zu belasten.

 

Wie entsteht ein Sehnenschaden?

Fehler in der Ausbildung bzw. im Training können im Laufe der Zeit durch Überlastung zu Sehnenschäden führen. Pferde, die dauerhaft hinter die Senkrechte geritten werden, entwickeln kompensatorische Bewegungsabläufe, die den Bewegungsapparat überlasten können.

 

Oft ist die Sehne die Schwachstelle, wenn andere Probleme bereits vorhanden sind. Bei Schmerzen oder Lahmheiten, die aufgrund von Verletzungen oder gesundheitlichen Einschränkungen entstehen, beginnt das Pferd in der Regel zu kompensieren. Das heißt, es nimmt eine Schonhaltung ein, um die betroffene Struktur zu weniger zu belasten. Dadurch werden andere Strukturen stärker in Anspruch genommen, was wiederum zu einer Fehlbelastung führt.

Daher ist es sehr wichtig, dass eine Behandlung immer unter ganzheitlichen Gesichtspunkten erfolgt. Gerade im Falle einer Sehnenverletzung muss immer das ganze Pferd betrachtet und ggf. behandelt werden, da im Bewegungsapparat Pferd alle Strukturen voneinander abhängig und auf einen physiologisch korrekten Ablauf angewiesen sind. Auch Kompensationen, die beispielsweise aus einer Verspannung und/oder Bewegungseinschränkung im Rücken resultieren, können zu einer Überlastung der Sehne oder einer falschen Gelenkbewegung führen: Wenn ein Pferd beispielsweise Rückenprobleme hat, wird es seinen Bewegungsablauf mit der Zeit verändern, um seinen Rücken zu entlasten. Dadurch wird es die unteren Strukturen falsch belasten. Nicht selten kommt es zu Fesselträgerproblemen. Wenn diese nicht sofort zu erkannt werden, da das Pferd nicht lahmt, kann es zu einer Schädigung der Sehne kommen.

Durch einen Sehnenschaden entsteht noch ein weiteres Problem: Es bildet sich Narbengewebe. Dieses Narbengewebe an der Sehne weist nicht mehr dieselbe Elastizität auf wie das ursprüngliche Sehnengewebe. Die Sehne ist in ihrer Arbeit daher mehr oder weniger eingeschränkt, was dann wiederum zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen kann.

 

Mögliche weitere Ursachen für einen Sehnenschaden 

Bei diesem Pferd ist die falsche Bemuskelung und die Verspannung deutlich zu erkennen. Auch der Schleimbeutel im Genick weist eine erste Schwellung auf.

 

Schäden im Bereich der Beugesehnen und des Fesselträgers treten häufig bei Pferden auf, die der Belastung eines meist fehlerhaften Trainings nicht standhalten. Auch Weideunfälle haben ihren Ursprung nicht selten im Training, denn die Strukturen können dadurch vorgeschädigt sein und halten normalen Bewegungen nicht mehr Stand. Die meisten Sehnenverletzungen entstehen durch:

  • beim Reiten dauerhaft zu eng im Hals, was zu einer Überlastung des Bewegungsapparates des Pferdes führt,
  • zu wenig oder schlechtes Aufwärmen,
  • Überbelastung über den Trainingszustand,
  • Überbelastung durch kompensatorische Arbeit der Sehne (Mehrbelastung),
  • Tritte und Schläge (traumatische Ursache),
  • Stolpern,
  • schlechte Bodenverhältnisse,
  • unpassender oder schlecht angelegter Beinschutz,
  • Stellungsfehler der Hufe oder schlechte Hufbearbeitung/Beschlag.
  • Fehlerhafte Haltungsbedingungen,
  • Mangelversorgung in der Fütterung,
  • Überbelastung des noch jungen noch in der Entwicklung befindlichen Pferdes

 

Fehlstellungen der Hufe

Pferd mit massiver Fehlstellung und fortgeschrittenem Fesselträgerschaden.

 

Fehlstellungen, die nicht korrigiert werden oder sogar durch fehlerhafte Hufbearbeitung begünstigt werden, wirken sich ebenfalls negativ auf den Bewegungsapparat aus. Fehlbelastungen in den Gelenken und Überbelastung im Sehnenapparat sind die Folge. Nicht selten kommt es zusätzlich zu Rückenproblemen, da der Rücken nicht mehr unverspannt arbeiten kann und die Pferde sich nicht loslassen können.

 

Sehnenscheidenentzündung

Sehnenscheiden ummanteln die Sehnen und schützen diese an besonders beanspruchten Stellen. Die krankhafte Sehnenscheidenentzündung – medizinisch als Tendinitis bezeichnet – kennen wir von uns selbst. Einseitige Belastung, zu viel oder ungewohnte Arbeiten und zack ist es passiert: Die überbeanspruchte Stelle schmerzt, schwillt an, man kann nicht mehr zugreifen, den Arm heben und notwendige Bewegungen ausführen. Dann reichen kühlende und entzündungshemmende Salben und Ruhe meist aus, um die Entzündung auszukurieren. Dem Pferd geht es genauso.

 

Sehnenruptur – Abriss

Da Sehnen schlechter durchblutet sind als andere Gewebearten, ist es wichtig, dass sich die Sehnen vor der Arbeit aufwärmen können, denn dadurch werden sie elastischer. Für das Reiten bedeutet das, ausreichend lang Schritt zu reiten, wenn das Pferd aus der Box kommt – mit 15-20 Minuten ist man auf der sicheren Seite. Die dadurch erreichte Elastizität reduziert die Gefahr von Verletzungen und Rupturen.
Je nach Grundgangart dehnt sich eine Sehne unterschiedlich. Im Schritt dehnt sich eine Sehne bis zu 4%, im Trab bis zu 8% und im Galopp bis zu 16%, bei sportlichen Belastungen noch mehr. Dies macht deutlich, dass eine Aufwärmphase unerlässlich ist, um die Strukturen auf das Training vorzubereiten. Ist eine Sehne wenig elastisch, bedeutet das, dass sie sich dehnen muss, obwohl es eigentlich noch nicht geht. Auf diese Weise entstehen sehr schnell unbeabsichtigt Schädigungen.

 

Schaden durch Gamaschen / Bandagen

Reiten durch Wasser ist gesund. Die Gamaschen müssen wie hier dabei perfekt sitzen und dürfen nicht scheuern.

 

Sehnen können auch Schaden von falschem Beinschutz davontragen: Falsches Bandagieren kann eine Überhitzung hervorrufen, die Blut- und Lymph-Versorgung beeinträchtigen und dadurch das Gewebe schädigen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, beim Bandagieren beispielsweise immer Unterlagen zu verwenden. Unpassende Gamaschen, die auf Knochenvorsprünge drücken oder die Sehne in ihrer Funktion behindern, können einen Schaden begünstigen.
Aus Angst vor einem Sehnenschaden auf den Beinschutz zu verzichten, ist auch nicht der richtige Wege. Gerade dann, wenn Pferde beschlagen sind und man beispielsweise in der Dressur mit den höheren Lektionen beginnt, kann es passieren, dass sich die Pferde streifen. Schnell wird aus einer so entstehenden Verletzung ein Überbein und wenn das unpassend sitzt auch ebenso schnell ein Sehnenschaden.

 

Behandlungsmöglichkeiten bei Schädigungen der Sehne

Biologische Medizin

In der Homöopathie arbeitet man nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Gleiches soll mit Gleichem behandelt werden. So werden Mittel genutzt, die zum Krankheitsbild passen. Diese Substanzen sollen den Körper zur Selbstheilung anregen. Hierzu ist aber eine Ausbildung und Fachwissen erforderlich, um das richtige Mittel und die richtige Dosierung zu finden. Aus dem Grund sollte man immer seinen Tierarzt zu Rate ziehen.

Biologische Arzneimittel sind ebenfalls homöopathische Mittel, bestehen aber aus mehreren Einzelsubstanzen, die je nach spezifischer Indikation zusammengestellt sind und gleichzeitig gezielt an mehreren Ansatzpunkten im Organismus wirken, um die Ursachen einer Erkrankung nachhaltig anzugehen. Man spricht von einem Multicomponent-Multitarget-Prinzip.

Beispiel Traumeel-Verband über Nacht:

Traumeel ad us. vet. Gel dick auftragen, eine Frischhaltefolie darüber wickeln. Darüber eine weiche und nicht drückende Bandagenunterlage und eine Fleecebandage. Durch die entstehende Wärme und die sich haltende Feuchtigkeit wirkt Traumeel intensiver.

 

 

Zeel ad us. vet.
Das Arzneimittel ist bei Arthrose von Pferden sehr gut als Langzeitpräparat geeignet, kann aber auch bei Sehnenverletzungen eingesetzt werden, da es eine schmerzstillende und entzündungshemmende Komponente hat.

 

Lasertherapie
Bei der Lasertherapie arbeitet man therapeutisch mit niederenergetischem Laserlicht. Die Lasertherapie hat nichts mit dem aus der Chirurgie bekannten Laser zu tun. Mit dieser Therapieform werden Prozesse in den Zellen des Körpers stimuliert und somit die Selbstheilungskräfte angeregt und unterstützt. Die Laserbehandlung unterstützt die körpereigenen Regenerationsprozesse und lässt sich gerade bei Sehnenverletzungen sehr gut mit anderen Behandlungsmethoden kombinieren.

Ultraschalltherapie
Ultraschall gibt es auch als Therapieform, sowohl in der Human- wie auch in der Veterinärmedizin. Gerade in der Pferdetherapie hat es ein weites Einsatzspektrum.
Im Gewebe findet dabei ein Druckwechsel durch mechanische Vibrationswirkung sowie eine thermische Wirkung durch Reibung statt. Es entsteht eine Energieumwandlung  in Wärme, die die Durchblutung im Gewebe fördert, was sich heilungsunterstützend / heilungsbeschleunigend auswirkt.

Magnetfeld
Sowohl im Human-, als auch im Veterinärbereich wird die Magnetfeldtherapie eingesetzt, sowohl zur Gesunderhaltung als auch zur Prophylaxe. Sie eignet sich sehr gut zur Unterstützung im Training und zum Muskelaufbau, kann bei der Heilung von akuten und chronischen Gelenks- und Sehnenproblemen, bei Zerrungen, Verspannungen der Muskulatur, bei Phlegmone, Wundheilungsstörungen und Stoffwechselproblematiken und bei akuten und chronischen Entzündungen etc. unterstützend eingesetzt werden.

Blutegel bei Sehnenschaden
Blutegel kann man bei fast allen Erkrankungen einsetzen, die den Bewegungsapparat betreffen. Gerade bei Sehnenerkrankungen werden Blutegel oft eingesetzt. Während des Saugens geben sie ein Sekret ab, das etwa 20 verschiedene heilende Substanzen enthält. Die wichtigsten Stoffe, die dabei abgesondert werden, sind die Blutgerinnungshemmer Hirudin und Calin. In Verbindung mit der entzündungshemmenden Wirkung von Eglin ergibt sich aus diesen Stoffen eine der wichtigsten medizinischen Heilwirkungen des Blutegels.

Osteo- und Physiotherapie

 

Jedes Pferd kann physiotherapeutisch und osteopathisch unterstützt und behandelt werden. Eine Behandlung sollte erst nach einer gründlichen Untersuchung und in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt durchgeführt werden. Bei akuten Entzündungen sollte auf eine Behandlung verzichtet werden, da sich diese dadurch verschlimmern können.

 

 

Kurz zusammengefasst: 

 

Was kann man vorbeugend tun, um einen Sehnenschaden zu vermeiden?

  • Wichtig ist ein korrekter Beschlag oder eine korrekte Hufbearbeitung, denn Fehlstellungen vergrößern die Gefahr einer Überlastung der sehnigen Strukturen.
  • Der Sattel sollte individuell auf das einzelne Pferd angepasst und regelmäßig durch den Sattler kontrolliert und ggf. gepolstert werden.
  • Das Pferd sollte mit allen notwendigen Vital- und Mineralstoffen versorgt sein, um Mangelzustände vorzubeugen.
  • Kontinuierliche Bewegung über den Tag hält die Durchblutung und Versorgung in den Sehnen konstant und beugt somit auch Verletzungen bei plötzlichen Sprüngen wie Erschrecken vor.
    Nach dem Training sollten die Beine abgespritzt werden, damit sich die Sehnen wieder regenerieren können und keine Überhitzung stattfindet.

 

 

 

Hinweis:

In unserem Buch „Massage – so wird’s locker“ haben wir ein Kapitel der Massage und Unterstützung der Heilung von Sehnenschäden gewidmet.